Buchs

Der Schreiner findet keinen Nachfolger

Am 30. September zieht Ulrich Grendelmeier offiziell den Stecker. Ab dann stehen die Maschinen seiner Schreinerei still. Alle Beteiligten erwarten das Ende mit stoischer Gelassenheit.

Ruth und Ulrich Grendelmeier schliessen ihre Schreinerei im September.

Ruth und Ulrich Grendelmeier schliessen ihre Schreinerei im September. Bild: Johanna Bossart

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Noch ebnet die Abrichthobelmaschine das Massivholz, noch lärmt die Plattenfräse und auch der Kantenleimer läuft heiss. In der Werkstatt der Schreinerei Ulrich Grendelmeier herrscht Hochbetrieb. Die Auftragsbücher sind gefüllt. Nichts deutet darauf hin, dass hier bald die Maschinen still stehen, die Lieferwagen für immer parken und die zwei Mitarbeiter zu Hause bleiben.

Diese nehmen das Unabwendbare erstaunlich gelassen. Beat Albrecht trat vor 39 Jahren in die Firma ein und sein Kollege Michael Nezmeskal ist 30 Jahre im Team. «Kein Nachfolger da. So ist das nun einmal», sagen die beiden wie aus einem Mund.

Gelassenheit auch beim 70-jährigen Inhaber Ulrich Grendelmeier. Während auf seinem Gartensitzplatz der Brunnen plätschert und an der Pergola die Trauben reifen, erzählt er, dass er vorhabe, sich jetzt endlich einmal auf das zu konzentrieren, was er jahrelang vernachlässigt habe: «Den hohen Norden bereisen, im eigenen Wald holzen.»

Selbstverständlich sei es nicht so einfach, alles aufzugeben, was man ein Leben lang aufgebaut hat. «Aber so ist das nun einmal», sagt auch er und presst die Lippen zusammen.

Goldene 80er-Jahre

Im Anschluss an die Schule machte der Ur-Buchser Ulrich Grendelmeier die Schreinerlehre, nur 100 Meter von seinem Elternhaus entfernt. An sein erstes Werkstück, einen massiven Stubentisch, kann er sich noch gut erinnern. «Er steht, wie am ersten Tag, bei einer über 80-jährigen Buchserin», erzählt er und schmunzelt.

«Ein junger Schreiner überlegt es sich heute gründlich, die Verantwortung für einen eigenen Betrieb zu übernehmen.»Ulrich Grendelmeier
Firmeninhaber

Nach der Ausbildung sammelt der junge Schreiner Erfahrungen in Dänemark und Israel, auch in artfremden Berufen. So bohrt und fräst er Beton für ein Schweizer Spezialunternehmen. Er erstellt im Auftrag einer Basler Baugesellschaft in der arabischen Wüste Bungalows und kümmert sich um den Innenausbau nobler Hotels in der saudiarabischen Hauptstadt Riad.

Zwischen den Auslandaufenthalten arbeitet er nochmals beim ehemaligen Lehrmeister und an der Holzfachschule in Biel besucht er Weiterbildungskurse. Er schliesst mit der Werkmeisterprüfung ab. Im Alter von 30 Jahren richtet er sich in der Scheune seines Elternhauses eine eigene kleine Schreinerei ein.

Später mietet er sich im Buchser Dorfkern Räumlichkeiten, schafft weitere Maschinen an, vergrössert seine Kapazität und holt sich einen ersten Mitarbeiter. Bald schon stehen vier Leute und zwei Lernende auf seiner Gehaltsliste.

1981 baut sich Grendelmeier ein eigenes Häuschen, 1982 heiratet er Ruth, 1987 übernimmt er den Betrieb seines Lehrmeisters und löst die Werkstatt an der Zürcherstrasse auf. «Bis zu den 90er-Jahren ging es stetig bergauf», erzählt er.

Die darauffolgende Immobilienkrise bescherte den Handwerkern einen brutalen Preiskampf. «Immer weniger Aufträge. Die Betriebe unterboten sich. Bauherren und Architekten nutzten die Lage aus und viele Handwerksbetriebe blieben auf der Strecke», sagt er. Gerade in diesem schwierigen Umfeld bleibt Ulrich Grendelmeier seiner Qualität treu und arbeitet vorwiegend in der Region. «So konnten wir überleben», sagt er.

Nachfolger fehlt

Inzwischen ist die Immobilienkrise überstanden und im Furttal, der attraktiven Wachstumsregion vor den Toren Zürichs, ist die Auftragslage rosig.

«Wir haben uns auf den Innenausbau spezialisiert. Türen, Böden, Holzverkleidungen, Fensterausbauten, Einbauschränke. Da geht immer etwas», erzählt Grendelmeier und erklärt dann, dass er eigentlich nicht im Sinn hatte, bis 65 zu arbeiten: «Aber wir hatten schöne Aufträge und die Jahre gingen nur so dahin.»

Mittlerweile feierte Ulrich Grendelmeier seinen 70. Geburtstag, und die Frage nach der Zukunft seines Betriebs wurde immer dringender. Er sagt: «Meine Söhne machten in anderen Branchen Karriere. Und ein junger Schreiner überlegt es sich heute gründlich, die Verantwortung für einen eigenen Betrieb zu übernehmen. So ist das nun einmal.»

Erstellt: 06.08.2019, 16:48 Uhr

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