Niederweningen

Der starke Franken und weniger Absatz machen Bucher zu schaffen

Nach zwei Rekordjahren weht Bucher Industries ein steiferer Wind entgegen. Das Halbjahresergebnis 2015 leidet unter der Frankenstärke und sinkenden Absätzen. Panik herrscht beim Maschinenbauer deswegen aber nicht.

Bei Bucher Industries ziehen trotz schwächerer Halbjahresbilanz noch keine dunklen Wolken auf.

Bei Bucher Industries ziehen trotz schwächerer Halbjahresbilanz noch keine dunklen Wolken auf. Bild: David Küenzi

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Rekordumsätze und -gewinne haben nicht nur Vorteile. Auf fette Jahre folgen vielfach solche mit magereren Zahlen. Diese Wirtschaftsweisheit muss auch Bucher Industries im Moment erfahren. Nachdem der international tätige Maschinenhersteller mit Sitz in Niederweningen 2013 das beste und 2014 das zweitbeste Betriebsergebnis in der Firmengeschichte erzielen konnte, wird das aktuelle Geschäftsjahr um einiges schlechter ausfallen.

Bucher-CEO Philip Mosimann fasst zusammen: «Es kommt nicht immer anders, als man denkt – aber dieses Mal war es so.» Die Bucher-Geschäftsführung hatte schon vor einem Jahr vor unsicheren Zeiten gewarnt, die wirtschaftlich anbrechen würden. Gleichzeitig hoffte man in Niederweningen trotzdem auf ein Wachstum der Absatzmärkte in Übersee. Die Wirklichkeit ist ernüchternd: In den USA verläuft die Entwicklung schleppend, Brasilien verzeichnet eine Rezession, China schwächelt nach starken Wachstumsjahren merklich. Dazu wirkt sich der Konflikt in der Ukraine auf das Ergebnis bei Bucher ebenso negativ aus wie der weltweit stagnierende Absatz bei Landwirtschaftsmaschinen.

Unter sinkenden Getreidepreisen gelitten

Zusätzlich haben die Niederweninger nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank wie die ganze Schweizer Exportindustrie mit dem starken Schweizer Franken zu kämpfen. Auf die Halbjahreszahlen, die CEO Philip Mosimann und CFO Roger Baillod gestern präsentierten, wirkten sich die Negativtrends erheblich aus. Der Bestellungseingang reduzierte sich um 13 Prozent auf 1,16 Milliarden Franken. Bereinigt um Währungs-, Akquisitions- und Devestitionseffekte betrug der Rückgang 7 Prozentpunkte. Der Auftragsbestand per Ende Juni lag mit 549,3 Millionen Franken um rund 25 Prozent unter dem Wert von Ende März. Der Umsatz fiel um 8,7 Prozent auf 1,34 Milliarden Franken. Die Aufwertung des Schweizer Frankens habe rund 7 Prozent zum Umsatzrückgang beigetragen, erläuterten die Bucher-Verantwortlichen. Der operative Gewinn Ebit lag um 17 Prozent unter dem Vorjahreswert bei 117,8 Millionen Franken, währungsbereinigt hatte die Marge lediglich um 0,3 Prozentpunkte nachgegeben. Der Reingewinn schliesslich fiel mit 79,5 Millionen Franken um 18 Prozent geringer aus als in der Vergleichsperiode.

Nicht gut lief es für die Sparte Kuhn Group, die Landmaschinen für die Bodenbearbeitung, fürs Säen, Düngen und anderes herstellt. Diese Bucher-Division litt unter sinkenden Getreidepreisen und tieferen Einkommen der Bauern, die dadurch weniger investierten. Bucher Specials musste einen massiven Rückgang im Geschäft mit Getränke- und Umwelttechnologien verkraften. Bei Bucher Hydraulics war die Nachfrage gut, hingegen spürte die Division den markanten Rückgang im Segment Landtechnik. Bei Emhart Glass, das unter anderem Glasformungsmaschinen produziert, verstärkte sich der Wettbewerbs- und Margendruck wegen Überkapazitäten bei den Herstellern. Die Sparte Municipal, die Reinigungs- und Scheeräumungsfahrzeuge herstellt, erhielt im Februar erneut einen Grossauftrag von der Stadt Moskau. Diese bestellte weitere Kehrfahrzeuge im Wert von 30 Millionen Franken.

Sanche beginnt schon früher

Trotz den negativen Tendenzen: Bei Bucher verfällt man nicht in Panik. «Das Unternehmen präsentiert sich finanziell nach wie vor grundsolide», versichert Mosimann. «Ausserdem vergleichen wir die aktuellen Zahlen mit sehr hohen Werten der letzten beiden Jahre.» Für die Zukunft bleibt der CEO bewusst vorsichtig. Verbesserungen im Absatz erwartet er nicht, ausserdem bleibe die Währungsunsicherheit. «Der Umsatz wird im Jahresergebnis sicher geringer ausfallen, das Gleiche gilt für den Reingewinn. Ausserdem erwarten wir das Ebit unter dem Wert der ersten Jahreshälfte.»

Philip Mosimann wird im Frühling 2016 als CEO von Bucher aufhören und in den Verwaltungsrat wechseln. Sein designierter Nachfolger Jacques Sanche wird sein Einführungsprogramm bereits am 1. September 2015, drei Monate früher als geplant, antreten.

Erstellt: 31.07.2015, 08:58 Uhr

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