Regensdorf

Die letzte Predigt steht noch bevor

Die Regensdorfer Pfarrerin Gisella Matti wird pensioniert. Sie freut sich darauf, keine festen Verpflichtungen mehr zu haben und ist froh, weiterhin in ihrem Haus in Watt wohnen zu können.

Nach 17 Jahren verlässt Gisella Matti die Kirche als Pfarrerin und geht in Pension.

Nach 17 Jahren verlässt Gisella Matti die Kirche als Pfarrerin und geht in Pension. Bild: Paco Carrascosa

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Am Sonntag, 19. Mai, hält Gisella Matti ihren letzten Gottesdienst in der reformierten Kirche Regensdorf. Während 17 Jahren gehörte sie zum Pfarrteam und war glücklich mit ihrer Tätigkeit. Sie hat mit einem 40-Prozent-Pensum zwei Jahre über das Pensionsalter hinaus gearbeitet. «So hatte ich die Chance, mich langsam auf die Zeit ohne Verpflichtung vorzubereiten», sagt sie.

Es sei ein gutes Gefühl, nichts mehr zu müssen, gesund zu sein und die Freiheit zu geniessen. Trotzdem kann sie sich noch nicht so recht vorstellen, wie das Leben dann sein wird. «Seit meinem 21. Lebensjahr habe ich immer gearbeitet und wusste, was zu tun war.»

Einstieg als Primarlehrerin im «Chrüzächer»

1973 begann Gisella Matti, die in Zürich-Affoltern aufgewachsen ist, als Primarlehrerin im Schulhaus Chrüzächer in Regensdorf zu unterrichten. «Das gefiel mir sehr gut. Ich mag Kinder in diesem Alter auch heute noch.» Als Pfarrerin bot sie zusammen mit einer Katechetin den «Gschichtehöck» für kleine Kinder an. Dass sie einmal den Pfarrberuf ausüben würde, war ursprünglich nicht der Plan.

Nach einer Zeit des Suchens, wie sie erzählt, habe sie sich mit 36 Jahren dann für ein Theologiestudium entschieden. «Ich bin als Katholikin aufgewachsen», erklärt sie. Das Studium, das sie berufsbegleitend zu ihrer Anstellung als Lehrerin in Regensdorf in Zürich absolvierte, sei aber evangelisch ausgerichtet gewesen. Nach einem Kurzpraktikum während der Ausbildung in eine reformierten Kirchgemeinde in der Stadt habe sie gemerkt, dass sie als Frau in der katholischen Kirche zu wenig berufliche Möglichkeiten haben würde. Sie entschied sich deshalb zu konvertieren. «Das war aber kein leichtfertiger Entschluss», betont sie. Es stellte sich jedoch heraus, dass es genau die richtige Entscheidung war.

«Der Wechsel von der Lehrerin zu Pfarrerin in der selben 
Gemeinde war überhaupt kein Problem.»
Gisella Matti

Während eines Vikariats in einer aargauischen Gemeinde – sie wohnte damals in Wettingen – sei ihr der Taufschein eines Konfirmanden in die Hände gekommen. «Er war in Regensdorf ausgestellt worden mit dem Bild der Kirche drauf. Da wusste ich, dass ich gerne dort arbeiten würde.» Und tatsächlich erhielt sie einen Monat nach ihrer Ordination die Anfrage, ob sie die Vertretung von Pfarrerin Eva Caspers während ihres Mutterschaftsurlaubs übernehmen wolle. «Es hat einfach alles zusammengepasst. Ich habe meine Zeit als Pfarrerin in Regensdorf äusserst positiv erlebt.»

Problemloser Übergang zum neuen Beruf

Gisella Matti fühlte sich von Anfang an wohl bei der neuen Arbeit. «Der Wechsel von der Lehrerin zur Pfarrerin in der selben Gemeinde war überhaupt kein Problem.» Sie übernahm einen Teil des Pensums von Eva Caspers, später stockte sie auf 100 Prozent auf. «Ich hatte grosses Glück, dass alles so gekommen ist, wie es für mich gepasst hat. Mein Berufsleben war sehr erfüllend.»

Besonders gern hat sie sich in der Altersarbeit und der Erwachsenenbildung engagiert. Dank einer Ausbildung für geistliche Übungen und christliche Meditation bietet sie jetzt Kurse auf diesem Gebiet an. «Diese will ich auch nach der Pensionierung weiterführen», erklärt sie. «Zudem warten ganz viele Bücher darauf, gelesen zu werden.» Sie hat ihre Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt und hat im Sinn, die Umgebung ihres Hauses in einen Naturgarten zu verwandeln.

Zu viel vornehmen will sie sich aber nicht, sondern jetzt einmal die Zeit ohne feste Termine geniessen. «Ich bin froh, dass mein Mann und ich nicht umziehen müssen und weiterhin in der gewohnten Umgebung leben können. So bleiben die Kontakte zu den vielen Menschen, die ich gut kenne, bestehen.»

Erstellt: 08.05.2019, 16:25 Uhr

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