Boppelsen

Die Natur hält nicht nur Winterschlaf

Der Naturschutzverein Boppelsen feiert dieses Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Passend zu Schnee und Kälte lud er zu einer Exkursion durch die Natur. Woher die Pollen kommen, weshalb die Bäume ihr Laub verlieren und welche Tiere Winterschlaf halten, gab es zu erfahren.

Susanne Ochsner, Vizepräsidentin Naturschutzverein Boppelsen, zeigt den Siebenschläfer, der sich im Winter einen halben Meter in den Boden eingräbt.

Susanne Ochsner, Vizepräsidentin Naturschutzverein Boppelsen, zeigt den Siebenschläfer, der sich im Winter einen halben Meter in den Boden eingräbt. Bild: Olivier Leu

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Unter den Schuhen knistert der gefrorene Schnee als die Gruppe von Boppelsen bergwärts Richtung Wald loszieht. Gerade einmal sechs Teilnehmer sind am Samstagnachmittag gekommen, um zu erfahren, was die Natur im Winter macht. Der Naturschutzverein Boppelsen hat anlässlich seines 75-Jahr-Jubiläums zur Exkursion geladen. Susanne Ochsner, die Vizepräsidentin des Vereins hält alle paar hundert Meter, um zu erzählen.

Ein Blatt ist ein Chemielabor

«Weiss jemand von euch, warum die Bäume im Winter ihre Blätter verlieren? » fragt Ochsner. Die ausgebildete Botanikerin lässt einfache Erklärungen wie «damit die Bäume nicht erfrieren» nicht gelten. Stattessen liefert sie wissenschaftliche Fakten: So zögen die Pflanzen bereits im Herbst die Nährstoffe aus dem Blättern zurück in ihre Äste, um sie zu speichern. Zwischen Ast und Blattansatz wachse eine dünne Schicht Kork, was die Wasserzufuhr unterbreche. «Deshalb verdorren die Blätter und werden rot oder gelb. Erst wenn das Blatt ganz abgestorben ist, wird es braun und fällt herunter.»

Die Teilnehmenden sind zwar wenige an der Zahl, dafür umso interessierter an Ochsners Ausführungen. Sie stellen rege Fragen. Dies, obschon Ochsner so gut wie keine Details auslässt. So erklärt sie, weshalb Wildtiere wie das Reh bevorzugt die Knospen abfressen. Das Blatt sei ein regelrechtes Chemielabor. Bereits im Winter habe der Baum Knospen, in denen die Anlagen für die neuen Blätter enthalten seien. «Darin ist Zucker gespeichert und darum haben sie Rehe besonders gern. »

Ruhig ist es im Wald und es wirkt so, als gebe es kein Leben zwischen Eis und Frost. «Wo schlafen die Insekten?» will jemand wissen. Auch auf diese Frage hat die Vizepräsidentin lächelnd eine ausführliche Antwort parat: « Auf dem vom Laub übersäten Waldboden haben die Insekten wie Käfer eine Nahrungsquelle. Wird es kalt, gefriert alles. Doch das Blut der Insekten bleibt flüssig.» Dies sei nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen einem Enzym zu verdanken, das wie ein Frostschutzmittel wirke.

Der Dachs ruht nur

Die meisten Insekten verkriechen sich in Baumritzen und fallen in eine Winterstarre. Ebenso würden es die Amphibien und Reptilien machen, erläutert Ochsner. Diese fänden im lehmigen Boden oder in Holzbeigen ihr Winterversteck. Säugetiere dagegen halten laut Ochsner entweder einen Winterschlaf oder eine Winterruhe. «Dass der Bär Winterschlaf hält, ist bekannt. Doch was machen Dachs und Igel?» fragt sie. Der Dachs verkrieche sich in seinem Bau und halte eine Winterruhe, sagt eine Teilnehmerin. Mit dieser richtigen Antwort hat sie sich eine Schokolade verdient, die ihr Ochsner aus ihrem Rucksack reicht.

Der Dachs halte eine Winterruhe – im Gegensatz zum Fuchs, der aktiv bleibe. Das bedeute, dass das Tier immer wieder aufwache und nach Nahrung suche. Dagegen würden Tiere, die sich im Winterschlaf befinden, so gut wie nie aufwachen. Die Herzfrequenz senke sich etwa beim Siebenschläfer von 50 auf fünf Schläge pro Minute und die Körpertemperatur auf fünf Grad, was der Temperatur unter dem Boden entspreche.

Viele Menschen beneiden wohl jene Vögel, die dem Winter gänzlich aus dem Weg gehen. Ochsner erzählt von den Zugvögeln und wirft die Frage auf, weshalb denn diese im Frühling überhaupt zurückkehrten. Dies sei der Fall, weil das Klima in Europa im Sommerhalbjahr für die Aufzucht der Jungen günstiger sei.

Eichhörnchen ziehen viel um

«Jetzt kommen wir zu einem Ort, an dem es etwas gibt, über das ich mich gefreut habe wie eine Schneekönigin, als ich das entdeckt habe», sagt Ochsner strahlend. Sie zeigt auf ein rundes Nest in etwa zehn Metern Höhe in einer Baumkrone. Es ist ein Kobel – die Wohnung des Eichhörnchens. Das Weibchen lasse das Männchen nur während der Tragzeit in seinem Kobel einziehen. «Sobald die Jungen zur Welt kommen, jagt es das Männchen wieder aus seiner Wohnung hinaus.»

Nachdem die Teilnehmenden erfahren haben, wie oft die Eichhörnchen umziehen und dass jedes Tier bis zu fünf Kobel für sich alleine besitzt, offeriert Vereinspräsident Werner Ochsner Punsch, den er auf einem Feuer zubereitet hat, an dem man sich wieder etwas aufwärmen kann.

Erstellt: 24.01.2017, 15:42 Uhr

12 Anlässe zum Jubiläum

Der Naturschutzverein Boppelsen existiert seit 75 Jahren. Ursprünglich war er wie viele Naturschutzvereine ein Vogelschutzverein. Doch auch Ornithologen würden sich mit der ganzen Natur auseinandersetzen, wie Vereinspräsident Werner Ochsner sagt.

Im Jubiläumsjahr führt der Verein jeden Monat Veranstaltungen durch. Ein Jahr lang habe man diese vorgeplant, sagt Ochsner. Es gibt eine Exkursion zu den Wildbienen, zu den Fledermäusen und im Herbst widmet sich eine den Pilzen.

Die nächste Exkursion findet am 18. Februar statt. Die Teilnehmer helfen dabei, Nistkästen für Vögel zu pflegen. Ebenfalls zum Jubiläum gibt es einen Langzeitwettbewerb, der bis Ende Jahr läuft. Die Fragen rund um die Natur erhält man an einer der Veranstaltungen oder auf der Webseite des Vereins. (oli)

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