Dielsdorf

Pferdeseuche breitet sich aus

Im Bezirk Dielsdorf geht die Druse-Krankheit um. Nachdem bereits in Buchs sämtliche Tiere eines Betriebs mit der Krankheit infisziert wurden, greift der Keim nun auf weitere Ställe über. Pferdehalter sind beunruhigt.

Shayenne Spiess tastet die Kopflymphknoten eines Pferdes im Buchser Pferdesportstall Sigg ab. Denn geschwollene Lymphknoten sind ein Symptom der Druse-Krankheit. Foto: Paco Carrascosa

Shayenne Spiess tastet die Kopflymphknoten eines Pferdes im Buchser Pferdesportstall Sigg ab. Denn geschwollene Lymphknoten sind ein Symptom der Druse-Krankheit. Foto: Paco Carrascosa

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«Es ist ein wenig wie Grippe beim Menschen», erklärt Simon Angliker. «Die Pferde haben eine Schnudernase, Fieber und Halsweh.» Sie würden den Kopf hängen lassen und seien an den schlimmsten Tagen kaum aus der Box zu kriegen. «Das sieht himmeltraurig aus.» Seit drei Monaten grassiert die hochansteckende Drusenkrankheit im Pferdesportstall Sigg in Buchs. Am 27. Oktober wurde der Verdacht beim ersten Pferd durch einen Labortest bestätigt.

Man habe noch am gleichen Tag alle Pferdehalter, die ihre Tiere zur Pension eingestellt haben, informiert, sagt Angliker. Unterdessen hat sich das Bakterium trotz strengster hygienischer Massnahmen auf sämtliche Stallgebäude ausgebreitet. Die Pferdehalter sind zweimal täglich beschäftigt mit Fiebermessen und der Betreuung der kranken Tiere. Schmerzhaft sei auch der finanzielle Ausfall, sagt Angliker. Denn der Sportstall mit 64 Pferden musste sämtliche Turniere und Reitkurse mit auswärtigen Teilnehmenden absagen. Auch die überbetrieblichen Kurse für die Lernenden finden zurzeit nicht in Buchs statt, damit sie die Keime nicht in anderen Stallungen tragen. Nur die Reitschule ist weiterhin in Betrieb.

Bakterium in Dielsdorf angekommen

Ende Januar ist nun auch bekannt geworden, dass Tiere auf der Reitanlage RGO in Dielsdorf an Druse erkrankt sind. «Der Keim breitet sich rasend schnell aus», sagt Betriebsleiterin Myrta Zbinden. «Wir tun alles Mögliche, um Ansteckungen zu vermeiden, doch es sind trotzdem bereits sechs Tiere betroffen.» Die benachbarten Betriebe habe man bereits beim ersten Verdacht informiert, stellt Zbinden klar. In den Sozialen Medien, wo die Wogen zurzeit hoch gehen, wird ihr zum Teil mangelnde Transparenz vorgeworfen. «Es ist eine richtige Hetzjagd», sagt Zbinden. Dabei mache man alles Mögliche, um die weitere Ausbreitung zu vermeiden.

«Die Leute geraten schnell in Panik», stellt Lea Bächi fest. Die Tierärztin von der Pferdeklinik Neugraben im Aargauischen Niederlenz informierte am Freitagabend an einem Anlass im Horse Park Dielsdorf über die Krankheit. Druse ist zwar sehr ansteckend, aber selten tödlich für das Pferd. Haben die Tiere die Krankheit einmal durchgemacht, bleiben sie für einige Zeit resistent. Etwa zehn bis zwanzig Prozent der erkrankten Pferde bleiben aber längerfristig ansteckend, ohne selber Symptome zu zeigen. Auf Menschen kann das Bakterium nicht übergreifen.

Nachdem es lange erstaunlich ruhig gewesen sei, habe sich die Krankheit in den letzten Monaten in vielen Teilen der Schweiz wieder stärker ausgebreitet, beobachtet Bächi. Einige Fälle sind aus dem Thurgau bekannt geworden. Und auch sie weiss von weiteren betroffenen Ställen in der Region Dielsdorf. Konkreter will die Pferdespezialistin aber nicht werden. «Es ist ein heikles Thema.» Eine Meldepflicht bestehe aber nicht.

Turnier im März geplant

Die Reitanlage RGO befindet sich in unmittelbarer Nähe des Horse Parks und weiterer Stallungen. Die Pferdeszene ist deshalb alarmiert. Der Horse Park, wo sich die Pferderennbahn befindet, hat auf seiner Webseite informiert, dass er Vorsichtsmassnahmen getroffen habe. Doch während zum Beispiel die Reitgesellschaft Volketswil ihr Dressurturnier im März wegen verschiedenen Fällen in der Region bereits abgesagt hat, will der Horse Park den auf Mitte März geplanten Springreit-Anlass trotzdem durchführen. Dies stösst auf Kritik.

«Es ist untragbar, dass das Turnier noch nicht abgesagt wurde», sagt eine Pferdehalterin aus der Umgebung, die aus Angst vor Anfeindungen nicht mit Namen genannt sein möchte. Denn die Stimmung sei zurzeit sehr aufgeheizt. Besonders, nachdem am Freitag nochmals ein Verdacht auf Infektionen auf einem weiteren Hof aufgetaucht war.

Sie selber habe mit ihren Pferden keinen weiteren Anlass besucht, nachdem sie Anfang Oktober an einem Turnier des Pferdesportstalls Sigg teilgenommen hatte, sagt die Pferdehalterin. Denn bis sich erste Symptome zeigen, können bis zu drei Wochen verstreichen. In dieser Zeit sind die Tiere aber ansteckend. Und sogar Tiere, die selber nicht erkranken, können Träger des Erregers sein.

Die Pferdehalterin bemängelt die zögerliche Informationspraxis betroffener Betriebe. «Es geht nicht an, dass man ein Wochenende verstreichen lässt, bis man andere Pferdehalter informiert», stellt sie klar. «Die Kommunikation in der Pferdeszene läuft schlecht. Viele denken nur an den eigenen Gewinn.» Um die Krankheit einzudämmen, sei aber Transparenz wichtig.

Solidarität statt Panik

Verhältnismässig gelassen gibt sich derweil Markus Graf vom Dressurstall Mainau, der Betrieb gleich vis à vis der Reitanlage RGO liegt. «Wir sind zum Glück noch Druse-frei», sagt der Reitlehrer, der seine Lektionen unter anderem in Basel, Bern und Deutschland erteilt.

Man sei aber sehr vorsichtig, sagt Graf. Er habe sämtliche nötigen Massnahmen getroffen, informiere seine Kunden über das Problem in der Region und wechsle stets die Kleider nach einem Besuch. «Um die Krankheit in den Griff zu bekommen, ist es wichtig,dass jetzt alle am gleichen Strick ziehen.»

Erstellt: 03.02.2019, 17:32 Uhr

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