Schöfflisdorf

Drei Jungstörche verenden im Hagelsturm

Das Storchenpaar, das in den vergangenen Wochen auf dem Kirchturm von Schöfflisdorf mit der Aufzucht ihres Nachwuchses beschäftigt war, musste aufgeben. Dies, nachdem der heftige Hagelsturm vor Wochenfrist seine drei Jungen getötet hat.

Der Horst auf dem Turm der Schöfflisdorfer Kirche. Zwei Eier und ein Federkneuel ist alles, was nach dem Sturm übriggeblieben ist.
Video: Ivan Schnoz

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Das Ehepaar Ruth und Peter Rau hat von seinem Zuhause aus eine gute Sicht auf den Horst, den ein Storchenpaar auf der Turmplattform der reformierten Kirche Schöfflisdorf gebaut hat. So sah Ruth Rau auch, dass drei Jungstörche im Nest hockten – bis am Mittwoch vergangener Woche.

Grosse Sturmschäden

An diesem auch für viele Menschen verhängnisvollen Tag fegte abends ein schwerer Sturm mit Unmengen von Wasser und teilweise grossen Hagelkörnern über das Zürcher Unterland und richtete grossen Schaden an. Besonders betroffen waren das Wehntal und angrenzende Gemeinden. So setzte der Sturm den Platz um den Bahnhof Niederweningen unter eine dicke Schlammschicht. In Oberweningen und Schöfflisdorf mussten die Hagelkörner zu mannshohen Haufen zusammengeschoben werden und in Dielsdorf und Steinmaur setzten die Wasserfluten manchen Keller unter Wasser.

Fatale Folgen hatte der Sturm auch für die Weissstörche auf dem Schöfflisdorfer Kirchturm. Das Elternpaar konnte sich wohl in Sicherheit bringen, aber die drei Jungen kamen ums Leben. Ob sie vom Hagel erschlagen wurden oder im mit Wasser gefüllten Horst ertrunken sind, kann nicht eruiert werden. Aufnahmen mit einer Drohne zeigen zwei offenbar nicht ausgebrütete Eier und mindestens einen toten Jungstorch. Möglicherweise haben sich Greifvögel an den Kadavern zu schaffen gemacht.

Störche nehmen Abschied

«In den Tagen nach dem Sturm sassen die Eltern abwechslungsweise noch auf dem Horstrand und schauten ins Nest hinein», erklärte Ruth Rau gegenüber dieser Zeitung. Ab und zu hätten sie noch mit dem Schnabel im Nest gestochert. «Schliesslich sassen beide zusammen auf dem Nestrand und schauten hinein. Es sah so aus, als würden sie von ihren Jungen Abschied nehmen. Danach sind sie weggeflogen und nicht wieder zurückgekommen», sagte Rau.

Gestern Nachmittag tauchten jedoch plötzlich vier Störche auf, umflogen den Turm und landeten auf dem Dach sowie in einem Fall auf dem Horst. Danach flogen sie wieder davon. Ob unter ihnen auch die Eltern der toten Jungstörche waren, konnte nicht festgestellt werden.

Vier Jungstörche in Stadel

Andernorts scheint der Sturm die Störche weitgehend verschont zu haben. Im Horst auf dem Turm der Kirche von Steinmaur ist nach wie vor Aktivität zu sehen. Und auch im Horst beim grossen Kreisel im Neeracherried geht die Jungenaufzucht wie gewohnt weiter. «Ja, die drei Jungstörche haben den Sturm überlebt», sagt Stefan Heller, der Leiter des Birdlife-Naturzentrums Neeracherried. Wenn alles normal verlaufe, würden die Jungen das Nest in etwa zwei bis drei Wochen verlassen und im August ihren Zug in den Süden antreten, erklärte der Umweltnaturwissenschaftler. Erst in zwei bis drei Jahren werden die dannzumal geschlechtsreifen Vögel wieder an ihren Geburtsort zurückkehren.

Stadler Störche gedeihen

Gar vier junge Störche teilen sich das Nest auf dem Turm der Stadler Kirche. Dies erklärte auf Anfrage Heinz Nabholz, der den Horst seit Jahren beobachtet und genau registriert, was sich dort tut. «Sie haben den Sturm überlebt, es geht ihnen gut, sagte der Stadler Storchenfreund.

Oberglatter sind umgezogen

Mitte März sorgte in Oberglatt eine Baumfällung durch einen Privaten für viel Empörung und Wut in der Bevölkerung. Auf der Pappel an der Kaiserstuhlstrasse brütete nämlich seit drei Jahren ein Storchenpaar mit gutem Erfolg.

Ob sich zum Zeitpunkt, als die Motorsäge angesetzt wurde, bereits Eier im Horst befanden, konnte nicht mehr eruiert werden. Wenn ja, hätte es rechtliche Konsequenzen gehabt. So aber blieb der Eigentümer der Liegenschaft unbehelligt.

In aller Eile liess eine Nachbarin einen zehn Meter langen Föhrenstamm mit einer Plattform senkrecht in ihrem Garten in unmittelbarer Nähe der früheren Pappel verankern. Umgehend inspizierte das Storchenpaar diese neue Nistgelegenheit und begann mit dem Nestbau.

«Sie haben sich dann aber umentschieden und sind in die Nähe der Chliriethalle gezogen», erklärte Kurt Schmutz, der die Entwicklung rund um das Brutgeschäft der Oberglatter Weissstörche minutiös auf Fotos und Filmen dokumentiert hat.

Im Naturschutzgebiet Turpenloch im Chliriet hatte die Gemeinde bereits früher eine Stange mit einer Plattform montiert. Dorthin – etwa 200 Meter vom alten Standort entfernt – waren die Störche umgezogen. Und dort gehen sie nun ihrem Brutgeschäft nach.

Erstellt: 06.06.2018, 09:09 Uhr

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