Stadel

Drohnen sorgen für gespritzten Wein

Der Stadler Winzer Hans-Ulrich Brechbühl setzt auf Hightech: Über seinem Rebberg versprüht seit diesem Frühling eine Drohne Fungizide. Doch das Resultat ist noch nicht befriedigend.

Auf einem Stadler Weinberg werden Drohnen für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Video: Paco Carrascosa, Hannah Scharnagl

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Die acht Propeller beginnen zu rotieren, ein Surren ertönt. Ein Luftzug, und schon hebt das insektenähnliche Fluggerät ab. Rund zwei Meter über den Rebstöcken fliegt es zügig den Hang hinauf, während ein feiner Sprühregen auf die Blätter herunterrieselt.

Seit diesem Frühling lässt Hans-Ulrich Brechbühl seinen Weinberg in Stadel per Drohne spritzen. Der Winzer nimmt an einem Versuchsprojekt der landwirtschaftlichen Genossenschaft Fenaco teil. Offiziell sind Sprühdrohnen im Weinbau erst seit kurzem erlaubt. Die Schweiz hat sie als erstes Land in Europa bewilligt.

«Ich setze auf Qualität statt auf Quantität.»Hans-Ulrich Brechbühl, Winzer

Wie die meisten anderen Winzer besprüht Brechbühl seine Rebstöcke alle zwei Wochen vorbeugend gegen den Echten und den Falschen Mehltau. Dieses Jahr stossen die beiden Pilzkrankheiten auf besonders günstige Bedingungen: einen eher nassen und kühlen Frühling sowie extreme Hitzeperioden, welche die Abwehrkräfte der Weinpflanzen zusätzlich schwächen. Bis zur Ernte erhalten die Trauben insgesamt acht bis neun Fungizid-Duschen.

Auf dem knapp 1,5 Hektaren grossen Grundstück wachsen verschiedene Traubensorten: Gamaret, Pinot noir, Pinot gris, Riesling-Silvaner und Solaris. Brechbühls Weine werden zum Beispiel im Zunfthaus zur Waage in Zürich ausgeschenkt, und für seinen Pinot noir hat er letztes Jahr einen Preis erhalten.

Er setze auf Qualität statt auf Quantität, erklärt der Schleiniker, der seit 40 Jahren Trauben anbaut. Und weil er der Technik gegenüber aufgeschlossen ist, hat er sich nun für diesen Versuch mit den Drohnen entschieden.

Drohnen verfehlen das Ziel

Um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben, lässt er die Fluggeräte aber nur die Hälfte des Weinbergs behandeln. In der anderen Hälfte spritzt er wie eh und je mit dem Traktor. «Es wäre eine grosse Erleichterung, wenn es funktionieren würde», sagt der Winzer. Denn mit der Drohne würden die Chemikalien weniger in die Umgebung gelangen als auf herkömmliche Art.

Ein Gang durch die Reihen lässt aber Zweifel an der neuen Hightechmethode aufkommen: In der Hälfte des Rebbergs, wo Drohnen eingesetzt wurden, finden sich deutlich häufiger braune Flecken auf den Blättern sowie verdorrte Beeren.

Besonders betroffen ist die anfällige Sorte Riesling-Silvaner. Das Problem sei, dass das Mittel beim Sprühen aus der Luft nicht bis zu den Trauben hinunter gelange, sondern nur die Blätter erreiche, erklärt Brechbühl. «Das Ergebnis ist deutlich schlechter als beim Standardverfahren.»

Beim Pinot gris dagegen sieht man kaum einen Unterschied. Auch die Solaris-Trauben machen einen rundum gesunden Eindruck: Es handelt sich um eine pilzwiderstandsfähige (piwi) Sorte, die robuster ist. Der Winzer spritzt sie deshalb nur jedes zweite Mal. Vom Geschmack her sei sie aber etwas speziell, sagt Brechbühl. Deshalb mischt er sie mit anderen Trauben.

Statt Helikopter

Für den Versuch hat die Fenaco drei Drohnen angeschafft sowie ausgebildete Piloten eingestellt. Diverse Betriebe machen bei den Tests mit. Einen Vorteil erhofft man sich vor allem in steilen Hanglagen, die von Traktoren kaum zu bewältigen sind, sowie in der Westschweiz, wo zuweilen Helikopter zum Einsatz kommen.

Diese Praxis steht jedoch in der Kritik, weil die Chemikalien auch in den Umkreis des Ziels versprüht werden – und auch wegen des Lärms. Alt-Bundesrätin Doris Leuthard wollte sie 2014 verbieten, was ihr Parteikollege, der damalige CVP-Nationalrat Christophe Darbellay, aber verhinderte.

Für den Boden seien Einsätze aus der Luft schonender als mit dem Traktor, sagt Jürg Waber von der Fenaco. Zudem komme es in steilen Lagen manchmal zu Unfällen mit Traktoren, weiss der Fachmann. Ein weiterer Vorteil von Drohnen sei, dass die Bauern dem Sprühnebel nicht ausgesetzt seien. Insgesamt werde aber etwa die gleiche Menge Chemikalien wie bei anderen Methoden ausgebracht, stellt er klar.

«Bis es so weit ist, braucht es noch einiges an technischer Innovation.»Jürg Waber, Fenaco

Dass das Resultat noch unbefriedigend ist, sieht auch Waber. «In Zukunft sollen die Kopter zwischen den Rebstockreihen fliegen, um die Trauben direkt zu erreichen», stellt er in Aussicht. «Doch bis es so weit ist, braucht es noch einiges an technischer Innovation.»

Sinnvoll wäre der Einsatz von Drohnen auch auf Kartoffeläckern und im Gemüsebau, sagt Jürg Waber. Doch für diese Anwendung sei die Bewilligung noch nicht erteilt worden.

Im Stadler Weinberg kehrt die Drohne inzwischen zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Pilot Thomas Widmer füllt den zehn Liter fassenden Behälter erneut mit dem flüssigen Fungizid, das über einen Schlauch aus dem Tank auf seinem Fahrzeug fliesst. Auch den Akku muss er auswechseln. Und schon hebt das Fluggerät wieder ab und nimmt die nächste Reihe Reben in Angriff.

Erstellt: 30.07.2019, 09:32 Uhr

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