Neeracherried

Ein Anblick wie in der Vorkühlschrank-Ära

Ein auffällig hoher Wasserstand macht aus dem grössten Flachmoor des Unterlandes derzeit eine Seenlandschaft. Was sich heute selten so ausgeprägt präsentiert, war bis zum letzten Weltkrieg noch gang und gäbe.

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Über 500 Enten haben die Verantwortlichen des Birdlife-Naturzentrums im Neeracherried in den letzten drei Wochen gezählt. Der Grossandrang von Wasser­vögeln im Schutzgebiet zwischen Neerach, Höri und Niederglatt ist massgeblich auf die grosse Anziehungskraft der unüblich weiten Wasserflächen im Neeracherried zurückzuführen. «Es ist schon speziell», sagt denn auch der Leiter des Birdlife-Naturzentrums, Stefan Heller, und meint damit vor allem den Wasserstand. Enten gibt es auch sonst im Ried, jetzt profitieren sie aber vom ausser­ordentlichen Hochwasser.

Der ebenfalls im Gebiet aktive Biber sei diesmal übrigens nicht schuld, erklärt Heller. Dessen Bauten und Dämme seien momentan gar «überstaut». «Die Biber werden meistens im Sommer und Herbst am aktivsten, wenn der Wasserstand im Gebiet auf den Tiefststand absinkt.» Ihren Bau schützen sie dann vor Feinden, indem sie Bäche und Flüsse zu einem See aufstauen. So geschehen unterhalb des alten Wehrs am Fischbach, unweit des grossen Kreisels, wo in den letzten Jahren auch regelmässig wieder Störche brüteten. «Letzte Woche haben wir die alte Schleuse im Ried mit dem Schwellenmeister kontrolliert», erzählt Heller.

Wenige Zentimeter machen den Unterschied

Der ohnehin hohe Wasserstand habe sich nun witterungsbedingt eben noch zusätzlich erhöht. Die Auswirkung ist fürs Auge umso deutlicher zu sehen, als dass jetzt beidseits der Betonplattenstrasse grosse Seen entstanden sind. Der Leiter des Naturzen­trums schätzt aber, dass der Pegel momentan nur etwa um zehn Zentimeter höher liegt als sonst um diese Jahreszeit. Das stelle jedoch kein Problem dar – jedenfalls noch nicht. Während der Brutzeit der meisten Vögel wäre so ein Hochwasser aber verheerend für den gefiederten Nachwuchs. Deshalb werde der Pegel ab März ­wieder leicht abgesenkt. Die weit über 100-jährige Schleusenanlage ist aber nicht einfach zu bedienen, weshalb man daran sei, eine bessere Lösung zur Wasserstands­regulierung bei starken Regen­fällen zu bekommen.

Zur Zeit des letzten Weltkrieges in den 1940er-Jahren staute man das Sumpfgebiet noch absichtlich so hoch, weiss Heller. Feindliche Truppen sollten an dieser Stelle nicht so einfach vordringen können.

Extra hoch gestaut wurde das Ried aber selbst vor den beiden Weltkriegen. Als die Wintermonate zuverlässig für den grossen Frost sorgten und moderne Kühlschränke noch genauso unbekannt waren wie der Klimawandel, da sägten die Leute aus der Umgebung noch Eisblöcke aus dem gefrorenen Ried. Diese dienten dann vor allem in den Restaurants zur Kühlung der Waren. Der heutige Anblick des aussergewöhnlich hoch gestauten Rieds lässt somit auch ein Landschaftsbild aus längst vergangenen Zeiten wiederauferstehen. Und falls das Ried erneut zufrieren würde, so dürfte das Eis – Ausnahme­regelung sei Dank – noch heute zum Schlittschuhlaufen und Hockey­spielen genutzt werden.

Erstellt: 17.02.2016, 20:47 Uhr

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