Rümlang

Ein modernes Leitbild für moderne Senioren

Die neue Broschüre «Leitbild Alter» ist ab nächster Woche auf der Gemeindeverwaltung erhältlich. Damit den Worten auch Taten folgen, wird ab Juli zudem eine Teilzeitstelle für eine Altersbeauftragte geschaffen.

Die heutige Generation 60+ ist aktiv und interessiert wie nie zuvor – dem trägt das neue Altersleitbild der Gemeinde Rümlang Rechnung.

Die heutige Generation 60+ ist aktiv und interessiert wie nie zuvor – dem trägt das neue Altersleitbild der Gemeinde Rümlang Rechnung. Bild: Raisa Durandi

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In einem zwölfseitigen Leitbild definiert die Gemeinde die Rahmenbedingungen, damit sich die Generation 60+ auch in Zukunft wohlfühlt. Diese Bevölkerungsgruppe macht aktuell fast ein Viertel der Gemeindebevölkerung aus und ist fitter, aktiver und damit auch anspruchsvoller als je eine Seniorengeneration zuvor.

Die Worte «vielfältig und individuell» beschreiben heute die dritte Lebensphase. Ausserdem spielen die älteren Menschen eine wichtige Rolle im politischen, sozialen und gesellschaftlichen Leben. So wird zum Beispiel ihre Lebenserfahrung in der Freiwilligenarbeit oder bei sozialen Tätigkeiten benötigt und geschätzt. Das wiederum fördert eine intakte solidarische Gesellschaft und ermöglicht den beteiligten Senioren ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben im Alter. Das neue Altersleitbild erwähnt diese Aspekte ausdrücklich.

Das nun erschienene Dokument löst seinen Vorgänger aus dem Jahr 1997 ab. Seither haben sich die Ansprüche, die Erwartungen, die Möglichkeiten und das Leben der Generation 60+ stark geändert. Man denke nur an das Internet oder das Handy. Deren Nutzung war vor 20 Jahren nur wenigen Jungen vorbehalten. Erst im Jahr 2000 entdeckten die über 60-Jährigen die Internetnutzung für sich.

Kein Schnellschuss

Der Rümlanger Gemeinderat hat 2013 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, bestehend aus 20 Senioren und gleich vielen Menschen aus Rümlang, die einen besonderen Draht zu den älteren Einwohnern haben. Ihr Ziel war die Überarbeitung des Altersleitbilds. «Wir haben das sorgfältig aufgegleist. Ein Schnellschuss bringt nichts. Und zu bedenken ist auch, dass der politische Weg lang ist. Wenn das Ergebnis nachhaltig und solid sein soll, braucht es halt seine Zeit», sagt Corinne Lee, die seit acht Jahren als Vorsteherin für Gesellschaft und Gesundheit amtiert. Und so dauerte dieser Prozess ein ganzes Jahr.

Das Ergebnis war ein Grundlagenpapier, welches dem Gemeinderat als Basis zur Ausarbeitung des Altersleitbilds übergeben wurde. Dieser definierte daraufhin die fünf Handlungsfelder Lebensgestaltung im Alter, Wohnen, Informations- und Betreuungsangebot, Betreuung und Pflege sowie Allgemeines. «Der Gemeinderat anerkennt die Wichtigkeit, die Generation 60+ in den sich verändernden Anliegen und Bedürfnissen ernst zu nehmen und Wünsche möglichst in die Alterspolitik einfliessen zu lassen», heisst es im Leitbild.

Altersbeauftragte kommt

Damit das Leitbild auch umgesetzt werden kann, wird ab Juli ein Teilzeitpensum für eine Altersbeauftragte geschaffen. «Eine Person der Gemeinde, die als Schnittstelle zwischen der Generation 60+ und dem Gemeinderat fungiert», sagt Lee.

Dass ein Altersleitbild durchaus etwas bewirken kann, zeigt ein Beispiel aus der Vergangenheit. Im Leitbild von 1997 wurde der Bedarf nach kostengünstigem Wohnraum mit altersgerechter Infrastruktur an zentraler Lage festgehalten. «Daraus entstand der Förderverein Alterswohnen und damit das Haus am Dorfplatz», sagt Lee. Und es scheint weiterer Bedarf zu bestehen. Jedenfalls heisst es im neuen Leitbild: «Der Gemeinderat fördert nach Möglichkeit altersgerechte Lebensräume.»

Eine wichtige Funktion beim Entstehen des Grundlagenpapiers, auf dem das neue Altersleitbild basiert, hatte Yolanda Schütz inne. Sie ist ehemalige Leiterin des Alterszentrums Lindenhof und hat seit Jahren berufsbedingt einen besonderen Draht zur älteren Generation. Im Auftrag des Gemeinderats beschäftigte sie sich nach ihrer Pensionierung im Alterszentrum intensiv mit den Wünschen der älteren Generation und trug so wesentlich zum neuen Altersleitbild bei. «Mir alleine wäre das sicher nicht möglich gewesen. Seniorinnen, Senioren, Vertreterinnen und Vertreter von wichtigen Rümlanger Organisationen haben zusammengearbeitet, ihre Ideen eingebracht und aktiv mitgestaltet», betont Schütz. In drei Arbeitsgruppen wurde das Grundlagenpapier erarbeitet, in dem die Bedürfnisse der Generation Rümlang 60+ formuliert sind. «Federführend waren die Mitglieder der Arbeitsgruppen. Ich habe nur zusammengebracht und strukturiert, was in regelmässig en Sitzungen, zum Teil auch hitzig diskutiert wurde», erklärt sie.

Doppelspurigkeiten abgebaut

Für ein aussagekräftiges Ergebnis sei es wichtig gewesen, verschiedenen Meinungen Raum zu geben. In den wirklich relevanten Punkten wurde man sich schnell einig. Beispielsweise was die Infrastruktur anbelangt, denn diese sei wesentlich für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. «Gut erreichbare Läden, Post, Bank, Apotheke sind auch ein Anreiz, nach draussen zu gehen. Diese Orte machen es leicht, Leute zu treffen, soziale Kontakte zu pflegen.» Weitere diskutierte Aspekte waren altersgerechte, bezahlbare Wohnungen und mehr Bänke im Dorf zum Ausruhen. Durch die Vernetzung der verschiedenen örtlichen und regionalen Freiwilligenorganisationen mit kantonalen Verbänden könnten Synergien genutzt, Aktivitäten aufeinander abgestimmt und Doppelspurigkeiten abgebaut werden.

Erfreut seien die Senioren über die Schaffung des Teilzeitpensums für eine Altersbeauftragte. Eine weitere Idee von der Wunschliste der Senioren sei zudem eine ständige Rubrik «Generation 60+» im Amtlichen Publikationsorgan «Rümlanger». Schütz bringt das so auf den Punkt: «Themen wie Finanzen, Wohnraum zum Teilen, Ausflüge und Veranstaltungen der diversen Organisationen könnten dort einladend publiziert werden.»

Dass sich die Einwohner auch im Alter am Wohnort wohlfühlen, ist für Gemeinderätin Corinne Lee zentral: «Die Rümlanger sollen dort bleiben können, wo sie ein Leben lang waren.». Und noch etwas betont die Gemeinderätin. Sie sagt: «Das Leitbild Alter besteht auf den ersten Blick nur aus Buchstaben. Schwarz auf weiss. Ich wünsche mir, dass es zu einer Art Malbuch wird. Es soll die Generationen einladen, mitzugestalten, die Worte mit den bunten Farben ihrer Lebenserfahrung und Möglichkeiten auszumalen und lebendig zu machen.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.02.2018, 15:39 Uhr

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