Regensdorf

Ein Quartier sucht seine Identität

Am Quartierfest der Überbauung Sonnhalde in Adlikon näherten sich die Bewohner verschiedensten Kulturen vom anonymen Nebeneinander zum freundschaftlichen Zueinander.

Mit ihrer Boa constrictor begeistert Bauchtänzerin Fabienne viele der Besucher des Quartierfests in der Sonnhalde in Adlikon.

Mit ihrer Boa constrictor begeistert Bauchtänzerin Fabienne viele der Besucher des Quartierfests in der Sonnhalde in Adlikon. Bild: Werner Bucher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Purpurrot färbt der Sonnenuntergang die Wolken am Himmel über dem Furttal. Eine Band auf dem Platanenhain Platz spielt fremdländische Musik. Kinder spielen ausgelassen, auf den Festbänken sitzt fröhlich schwatzendes Volk. Emsiges Treiben an den Foodständen mit kulinarischer Vielfalt.

Ferienstimmung pur könnte man sagen – wären da nicht die geometrischen Plattenbauten der Sonnhalden-Überbauung in Adlikon im Hintergrund, die das Gefühl auf das in die Nähe gewünschte Meer verhindern.

«Seit die Gemeinde 2012 ein Begegnungszentrum eingerichtet hat, ist es für alle Generationen besser geworden.»

Das traditionelle Quartierfest, mitten in der Überbauung mit ihren circa 2500 Bewohnern aus über 50 verschiedenen Nationen in rund 700 Wohnungen, ist an diesem lauen Samstagabend einmal mehr zu einem grossen Multikulti-Begegnungsfest geworden, das auch von zahlreichen Schweizern besucht wird.

Zu ihnen zählt das Rentnerpaar Hubert und Maria Kupper, das seit fast 20 Jahren in der anfangs als «Ghetto» verschrienen Göhner-Überbauung (ab 1971) wohnt. Der ehemalige Maler erklärt: «Wegen Umbauarbeiten wurde uns in Regensdorf gekündigt, sodass wir eine neue Wohnung suchen mussten.»

In einem der mittleren Häuserzeilen sei eine grosse Parterrewohnung frei geworden, die sie hätten mieten können. «Wir haben das nie bereut, auch wenn es im Umfeld immer wieder Veränderungen gab.» Damit meint er auch die verschwundenen Läden, die geschlossene Poststelle und die Restaurants, die Treffpunkte waren.

Quartier wurde aufgewertet

Seine Frau ergänzt: «Seit die Gemeinde 2012 ein Begegnungszentrum eingerichtet hat, ist es für alle Generationen besser geworden, und man begegnet sich mit Respekt.» Dem pflichtet auch Hausmeister Hugo Schneider bei, der seit 21 Jahren für 147 Wohnungen zuständig ist.

Er sagt: «Bei der Wahl von Neumietern wird heute viel mehr auf die Verträglichkeit der Ethnien geachtet.» Deshalb komme es auch kaum mehr zu Spannungen. «Abgesehen von den sogenannten Waschküchenproblemen, die es überall gibt.»

Vor allem Kinder und Jugendliche ausländischer Zuzüger, die in zweiter Generation gut Deutsch sprechen oder hier aufgewachsen sind, helfen mit, Spannungen und Missverständnisse zu minimieren.

Der 14-jährige Emir etwa, dessen Eltern aus Kosovo stammen, hält fest: «Ich bin hier geboren, spiele Fussball beim FC Regensdorf und habe gute Kontakte zu meinen Kollegen aller Nationen.» Im Gegensatz zu ihm zeigen sich viele der älteren Quartierbewohner mit ausländischen Wurzeln eher scheu. Zumindest weichen sie Fragen mit der Begründung mangelnder Deutschkenntnisse lieber aus.

Bauchtanz mit Schlange

Wie bereits in den fünf Jahren zuvor hat Andrea Jörg als Leiterin des Begegnungszentrums auch dieses Fest organisiert und ist stolz darauf: «Alle Standbetreiber machen jedes Jahr freiwillig mit. Sie verköstigen die Gäste mit Spezialitäten ihres Landes oder bieten den Kindern Attraktionen an, wie Henna- bemalungen, farbige Haarbändel oder Fabeltiere aus Stangenballonen.»

Für einen überraschenden Höhepunkt sorgt schliessich Bauchtänzerin Fabienne mit einer Boa constrictor. Während die Riesenschlange bei den einen Furcht auslöst, sind andere begeistert, dass sie das Reptil berühren dürfen. Musikalisch wird der Abend von der Band SSASSA begleitet.

Sie spielt Musik der Roma, albanische, griechische, mazedonische Stücke oder solche mit türkischen, kurdischen, arabischen und algerischen Einflüssen. «Ein bisschen Schweizer Musik hätte sicher auch den Ausländern gefallen», findet Hubert Kupper und fügt noch hinzu: «Wir sind halt hier so etwas wie die Stiefkinder.»

Erstellt: 17.09.2019, 11:24 Uhr

Artikel zum Thema

Mit dem Problemquartier Sonnhalde geht es aufwärts

Regensdorf Ungern präsentierte der Regensdorfer Finanzvorstand der Gemeindeversammlung die Rechnung 2018. Man habe sich massiv verschätzt. Mehr Freude bereitet die Weiterentwicklung der Sonnhalde. Mehr...

Sonnhalde-Quartier entwickelt sich

Regensdorf Der marode Zentrumsbau des Sonnhalde- Quartiers soll durch einen einladenden Neubau ersetzt werden. Mehr...

«Ohne Quartierförderung ist die Sonnhalde bald wieder ein Ghetto»

Regensdorf Die Gemeinde Regensdorf hat dem Adliker Problemquartier Sonnhalde wieder Lebensqualität eingehaucht. Sie will die Quartieraufwertung weiterführen. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!