Bachsertal

Ein sicherer Korridor für pelzige Mäusejäger

Der Schutz des Lebensraums des Hermelins sollte die Menschen nicht nur aus ökologischer Sicht interessieren. Die Tiere sind die beste Waffe gegen Mäuseplagen, sagt der Naturschutzverein Bachsertal und baut Hermelinkorridore.

Ambros Ehrensperger (links) und Florian Weidmann beim Bau eines Hermelin-Korridors.

Ambros Ehrensperger (links) und Florian Weidmann beim Bau eines Hermelin-Korridors. Bild: Paco Carrascosa

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Die Hermeline auf der Bachaue Trelibuck zwischen dem aargauischen Fisibach und Bachs haben ein neues Wohnangebot. Der Naturschutzverein Bachsertal betreut dieses grüne Areal gegenüber der Lehmgrube Fisibach und Umgebung für die Tierchen seit vier Jahren und baut ihnen regelmässig Kleinstrukturen.

Die Tiere brauchen strukturreiche Landschaften, und Korridore, in denen sich die flinken Mäusejäger geschützt von Feinden bewegen und ihre Jungen aufziehen können.

Das Angebot wird genutzt

Das Hermelin, von Pro Natura im 2018 zum Tier des Jahres gewählt, hat es im dichten Strassennetz der Schweiz alles andere als leicht. «Die Lebensräume für Hermeline sind zurückgegangen», sagt Ambros Ehrensperger, Präsident des Naturschutzvereins Bachsertal.

Mit den paar wenigen Mitgliedern, die sich am Samstag bei Nebel zur Bachaue bemühen wollten, baute er fünf neue Korridore. Der Verein hat Beweise dafür, dass sich diese Arbeit bezahlt macht. Dank Fotofallen konnte man sehen, dass die Hermeline und sogar die viel selteneren Mauswiesel die Korridore tatsächlich nutzen.

Natürlich und feudal

Kreuzweise aufeinandergestapelte Rundhölzer, darauf ein Holzstück als Dach – schon war die Grundstruktur fertig. «Jetzt machen wir das Hotel ein bisschen feudal», sagte Ehrensperger und bedeckte das Holz mit trockenem Material als Nistmöglichkeit.

Geeignet sind Gras, Blätter und Moos. Danach kam ein noch grösserer Berg von langen dünnen Ästen obendrauf. Dazu kommt in ein paar der Korridore ein enger Holztunnel für das Monitoring hinzu. Mit einem Stempelkissen und einem Einlegeblatt kann bestimmt werden, welche Tiere in den Haufen hineingehen.

Wichtig ist, dass die Eingänge und Hohlräume auf den Seiten nicht zu breit sind – damit Katzen nicht reinkönnen. «Hier gibt es wenige Streuner, aber im Siedlungsraum müssen wir sehr genau schauen. Hauskatzen sind die grössten Feinde der Hermeline. Abgesehen von den Strassen natürlich.»

Die Aktion findet seit ein paar Jahren schweizweit statt. Der Verein führt diese Arbeit gemeinsam mit anderen Vereinen von Stadel bis zum Jurapark auf Bitte von «Wieselnetz» durch.

Der Freund der Bauern

Und neben dem Naturschutzgedanken kommen die Korridore auch dem Menschen sehr gelegen. «Hermeline sind die besten Mäusefänger, die es gibt.» Durch ihre langen schlanken Körper gelangen sie problemlos in Mäusetunnels. Da können Katzen nicht mithalten. Für Bauern können sie ein Segen sein. «Eine Hermelinfamilie braucht pro Jahr bis zu 1000 Mäuse.»

Die Bachaue teilt das Hermelin mit anderen Tieren, wie zahlreichen Amphibienarten, die dort laichen. Allen voran aber dominiert ein Biberpaar die Umgebung. Neben einem Damm im Fisibach und dem dazu gebildetem grossen Teich, an dessen Ufer es unterirdisch zwischen 50 und 100 Kilogramm von Feldern geklaute Zuckerrüben bunkert, hat es sich eines der Korridore direkt am Wasser angeeignet.

Dafür hat wurde wohl ein Hermelin verjagt. Nachtragend sollte niemand sein. «Es gibt es kein Tier, das für Biodiversität und Artenvielfalt so viel mach wie die Biber. Sie sind richtige Baumeister», erklärte Ehrensperger.

Erstellt: 07.04.2019, 19:03 Uhr

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