Niederhasli

Eltern demonstrieren gegen selbst organisiertes Lernen

Mit einer friedlichen Kundgebung haben gegen 150 Personen die Unterrichtsform im Oberstufenschulhaus Seehalde hinterfragt. Die Aktion soll eine Diskussion mit den Verantwortlichen in Gang setzen.

Mit Plakaten bekräftigten am Samstag rund 150 Niederhasler Eltern ihren Unmut über das Schulsystem «Selbst organisiertes Lernen», kurz SOL

Mit Plakaten bekräftigten am Samstag rund 150 Niederhasler Eltern ihren Unmut über das Schulsystem «Selbst organisiertes Lernen», kurz SOL Bild: .David Küenzi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ab 11.30 Uhr versammelten sich Eltern, Grosseltern, Lehrpersonen aus andern Schulhäusern und Sympathisanten auf dem roten Platz beim Schulhaus Seehalde in Niederhasli. Anschliessend an den in der Schule durchgeführten Lernkongress vom vergangenen Samstag zogen sie mit Transparenten, auf denen «System ohne Logik» oder «Seehalde ohne Lehrer» steht, auf den Pausenplatz. So ist die Abkürzung für das Schulsystem «Selbst organisiertes Lernen» (SOL), den Anliegen der Eltern und Schülern entsprechend, interpretiert worden. Nicole Fuchs, Mutter eines Sohnes, der in der Seehalde zur Schule geht, ist eine der Initiantinnen der Demo. Sie erinnerte die Anwesenden: «Wir wollen keine Schlägereien, es werden keine Feuerwerkskörper gezündet, und wir halten unsere Emotionen zurück.» Und so war es auch, die anwesenden Security-Leute hatten nichts zu tun, ausser den kurzen Marsch zu beobachten.

Die Idee zu dieser Kundgebung war vor einer Woche an einem Elterntreffen aufgekommen, danach habe man sich über E-Mail informiert, erklärte Christina Polzin, Mutter eines Sohnes, von dem sie sagt, er komme nicht zurecht mit dem SOL-System. «Er ist nicht doof, aber faul.» Deshalb sei es wichtig, dass ihn jemand motiviere und ihm den Schulstoff verständlich vermittle. Ihrer Meinung nach ist das mit SOL nicht möglich. Der Konflikt zwischen Eltern und Schule dauert schon lange. Vater Roger Widmer sagte: «Ich bin nicht grundsätzlich gegen SOL. Es fehlt aber an Disziplin, Struktur und Führung. Dass vieles online erledigt wird, finde ich aber gut.» Mehrere Eltern, die sich an der Kundgebung beteiligten, wollen erreichen, dass sie von der Schulleitung besser informiert werden, was im Unterricht läuft. Viele Jugendliche seien mit SOL überfordert. Das bestätigte Fred Tanner. Er ist überzeugt, dass zum Beispiel Sprachfächer nicht im Selbststudium zu bewältigen sind. «Es braucht einen lebhaften Unterricht, um die Jugendlichen zu motivieren.» Für ihn ist ein guter Mix zwischen herkömmlichem Unterricht und der modernen Form das Richtige. Damit die Öffentlichkeit erfährt, dass «nicht alles gut und schön ist», beteiligte er sich an der Demo.

Offen für Gespräche

Schulpflegepräsident Philippe Chappuis war ebenfalls anwesend und sprach mit den Eltern. «Ich nehme alle Voten ernst», sagte er. Es würden laufend Anpassungen am Unterricht vorgenommen. So sei es zum Beispiel nicht mehr möglich, während der Schulstunden zu gamen – ein Vorwurf, der immer wieder zu hören ist –, weil nur noch Schul-Apps heruntergeladen werden können. «Bildung ist rollend und nicht etwas Statisches.» Es sei wichtig, genau zu wissen, wo die Eltern die kritischen Punkte sehen. Schulleiter Gregory Turkawka erklärte am Samstag: «Wir sind eine total transparente Schule und offen für alles.» Er werde auf die Eltern zugehen und den Dialog suchen, um ungerechtfertigte Befürchtungen und Falschinformationen aus dem Weg zu räumen. «Eine solche Zusammenkunft sollte bis Weihnachten stattgefunden haben.»

Erstellt: 08.11.2015, 22:25 Uhr

Artikel zum Thema

SRF berichtet über ­umstrittenes Schulmodell

Niederhasli Das umstrit­tene Schul­modell «Selbst­orga­nisiertes Lernen» der Sekundarschule Nieder­hasli-Nie­der­glatt-Hofstetten wird nun auch vom Schweizer Fernsehen thematisiert. Mehr...

Das Schweizer Fernsehen bringt nach einem ersten Bericht am vergangenen Freitag in der Sendung «Schweiz aktuell» heute Abend einen Beitrag über die Demo.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare