Boppelsen

Er nutzt die Berufsmeisterschaften als Werbeplattform für seine Branche

Nächste Woche nimmt Gemüsegärtner Fabian Oetterli an den Swiss Skills teil und vertritt damit eine Branche, die mit massiven Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat.

Fabian Oetterli aus Boppelsen vertritt an den Swiss Skills als einer von 16 jungen Gemüsegärtnern seinen Beruf.

Fabian Oetterli aus Boppelsen vertritt an den Swiss Skills als einer von 16 jungen Gemüsegärtnern seinen Beruf. Bild: Paco Carrascosa

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Wenn Fabian Oetterli nach einem langen Tag seine Arbeit beendet, dann sieht er ganz genau, was er geleistet hat. Dann freut er sich über Schnittknoblauch, Zitronenverveine, Koriander und Co., die in sattem Grün gedeihen. «Ich sehe das Resultat meiner Arbeit, das gefällt mir», sagt er.

Der 23-jährige Bopplisser arbeitet als Gemüsegärtner bei der Mäder Kräuter AG in Boppelsen und vertritt seine Branche vom 12. bis 16. September an den Swiss Skills in Bern, den Schweizer Berufsmeisterschaften. «Ich kann mir noch nicht so ­genau vorstellen, was da auf mich zukommt», sagt er. Zur Freude mische sich deshalb auch ein wenig Nervosität. Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt ihm neben der Arbeit ohnehin nicht. «Ich schaue abends manchmal noch meine Schulunterlagen durch, und natürlich unterstützt mich mein Betrieb, wenn ich Fragen habe.»

Eine Branche mit Zukunft

Dass der junge Bopplisser nächste Woche als einer von 16 Gemüsegärtnern an den Berufsmeisterschaften sein Können zeigt, ist, wie so vieles in seiner Laufbahn, auf keine grosse Planung zurückzuführen. «Weil es viel zu wenige Gemüsegärtner gibt, wollte der Verband dieses Mal an den Meisterschaften vertreten sein», erzählt Oetterli. Er habe sich dann vor einem Jahr dafür angemeldet, ohne zu wissen, was auf ihn zukommt.

Auch dass er heute überhaupt diesen Beruf ausübt, ist durch Zufall entstanden. Als gelernter Fachmann Betriebsunterhalt absolvierte er das Militär und fing nachher bei seiner heutigen Firma an zu arbeiten. Als sich dann die Möglichkeit ergab, eine Lehre als Gemüsegärtner zu absolvieren, packte er diese Chance. «Was man hat, das hat man», sagt er dazu. Vor einem Jahr schloss er dann seine mittlerweile zweite Lehre mit Erfolg ab.

Lange Arbeitstage

Das gute Abschneiden an den Swiss Skills steht für Fabian Oetterli aber nur an zweiter Stelle. «Im schlechtesten Fall lande ich auf dem 16. Rang – das klingt doch gar nicht schlecht», sagt er mit einem Schmunzeln. Vielmehr will er seinen Beruf publik machen. «Als junger Berufsfachmann ist man gesucht auf dem Markt, und der Gemüsebau ist eine Branche mit Zukunft», sagt er. Die Konsumenten seien heute gewillt, sich bewusster zu ernähren und zum Beispiel auf regionales Gemüse zu setzen. Auch könne man sich als Berufsmann oder als Berufsfrau gut weiterbilden. Als Nachteil nennt er die unregelmässige Arbeitsbelastung. «In der Hochsaison arbeiten wir schon mal 50 bis 55 Stunden pro Woche.»

Dass er sich für diesen Zweitberuf entschieden hat, hat Oetterli bis heute nie bereut. Die Arbeit mit den Pflanzen macht ihm Spass – er mag es zum Beispiel, dass er seine Arbeitstage nie weit im Voraus planen kann. «Wir müssen immer aufs Wetter Rücksicht nehmen.» Mehr planen kann er dagegen seine Einsätze an den Swiss Skills, zumindest in der Theorie. In einer ersten Ausscheidung musste er unter anderem einen Acker pflügen und sich mit der Pflege und Ernte von Tomaten und Gurken befassen. Nächste Woche dann – so wurde ihm von den Organisatoren mitgeteilt – wird er einen Marktstand aufbauen, das Pikieren und Anpflanzen von Jungpflanzen zeigen, Schädlinge anhand von Fotos erkennen oder so viel Nüsslisalat wie möglich in so wenig Zeit wie nötig setzen.

Nur halb so viele wie nötig

Neben dem eigentlichen Wettkampf will sich der Bopplisser in Bern auch bei den anderen teilnehmenden Berufen umsehen. Und vielleicht findet ja auch der eine oder andere junge Besucher Interesse am Beruf des Gemüsegärtners. Denn Nachwuchs ist in dieser Branche dringend gesucht. Pro Jahr schliessen schweizweit gerade mal 30 Personen die Lehre ab – geht es nach dem Berufsverband, müssten es rund doppelt so viele sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.09.2018, 14:35 Uhr

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