Regensdorf

EU-Waffenrichtlinie gibt Anlass zu Diskussion

Eine Podiumsdiskussion im Restaurant Hirschen offenbarte die grossen Gegensätze von Befürwortern und Gegnern der EU-Waffenrichtlinie. Die Aspekte Nutzen und Entmündigung standen im Zentrum der angeregten Debatte.

Befürworter und Gegner der Änderung der EU-Waffenrichtlinie verteidigten ihre Meinung in einer Diskussionsrunde.

Befürworter und Gegner der Änderung der EU-Waffenrichtlinie verteidigten ihre Meinung in einer Diskussionsrunde. Bild: Olav Brunner

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Kantonsrat Stefan Schmid, SVP-Präsident der Sektion Dielsdorf, begrüsste am Dienstagabend im Restaurant Hirschen in Regensdorf 16 Besucher. Die Abstimmung vom 19. Mai über die Umsetzung einer Änderung der EU-Waffenrichtlinie scheint kein grosses Interesse zu wecken. Umso engagierter diskutierten die Podiumsteilnehmenden unter der Leitung von PR-Berater Silvio Seiler aus Uster. Gleich zu Beginn äusserte SP-Kantonsrätin Beatrix Stüssi aus Niederhasli ihre Meinung: «Mir ist nicht klar, wieso man zu dieser Vorlage Nein sagen kann. Sie bringt für Waffenbesitzer einen Mehraufwand, der zumutbar ist. Bei einem Nein würde das Schengen-Abkommen automatisch gekündigt, aber wir sind bei der Suche nach Verbrechern auf dieses Abkommen angewiesen.»

Samuel Ramseyer (SVP), Vorstandsmitglied Jagd Zürich, entgegnete: «Die Freiheit, die wir heute haben, würde bei einem Ja eingeschränkt. Schweizer Bürger und Bürgerinnen haben das Recht, eine Waffe zu besitzen. Es ist eine Zumutung vom Staat, uns bevormunden zu wollen.»

Kantonsrat Mark Wisskirchen (EVP Kloten) war anderer Meinung: «Es ist nicht so, dass wir bei einem Ja entwaffnet würden. Aber der Vorteil der Abstimmung ist, es wird über Waffenbesitz diskutiert.» Für den parteilosen Michael Merki aus Schöfflisdorf, Präsident des Bezirksschützenverbandes Dielsdorf, würde es bei einer Annahme der Vorlage schwieriger, neue Schützen für den Schiesssport zu gewinnen: «Wir erhalten für den Waffenbesitz nur noch Ausnahmebewilligungen, und wir befürchten weitere Verschärfungen.»

Einig waren sich die Podiumsteilnehmenden darüber, dass sich durch die EU-Richtlinien keine Terrorakte verhindern liessen. Attentäter benützten für ihre Anschläge kaum registrierte Waffen. Merki fragte sich: «Wie soll der Bedürfnisnachweis für Waffenbesitz erbracht werden? Wer kontrolliert, wie viele Schüsse die einzelnen Schützen abfeuern? Und alle fünf Jahre werden wir zusätzliche Verschärfungen automatisch übernehmen müssen.» Stüssi entgegnete: «Sollte in Zukunft etwas Unzumutbares auf uns zukommen, müssen wir die Lage wieder neu beurteilen.»

Publikum reagierte kritisch

Ramseyer bezweifelte, dass die Schweiz als Nettozahler bei einem Nein zur EU-Waffenrichtlinie von den Schengen- und Dublin-Abkommen ausgeschlossen wird. Auch aus dem Publikum kamen grösstenteils kritische Bemerkungen zur Vorlage. Jakob Blattmann aus Niederhasli befürchtete: «Wenn wir heute Angst davor haben, Mut zu einem Nein zu zeigen, werden wir auch in Zukunft Angst haben.» Hermann Gysi aus Watt fand es total daneben, dass die Bevölkerung durch EU-Richtlinien bevormundet wird. Rogala Kern aus Niederhasli plädierte für ein Ja: «Niemand möchte Freiheiten verlieren, aber die Welt verändert sich.» Dominique Goldschmid aus Neerach möchte, dass in der Schweiz Traditionen weiterleben können und sich die Leute nicht immer anpassen müssen. Markus Baumann aus Niederglatt findet Reglemente aus der EU erstickend.

In der Schlussrunde äusserte sich Stüssi: «Wir dürfen stolz sein auf die Schweiz, aber wir brauchen gute Beziehungen zur EU.» Wisskirchen sieht den Entscheidungen gelassen entgegen. Ramseyer hoffte, dass sich die Politiker und das Volk für einen guten Weg einsetzen. Für Merki geht es am 19. Mai ausschliesslich um eine waffenrechtliche Sache. Ganz am Schluss fragte Moderator Seiler das Publikum: «Hat jemand nach den Diskussionen seine Meinung geändert oder sind neue Aspekte aufgetaucht?» Niemand antwortete.

Erstellt: 08.05.2019, 14:55 Uhr

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