Dällikon

Ex-Rennpilot sorgt für mehr PS

Der Garagist René Dünki macht gerade in seiner Werkstatt aus einem der schnellsten Serienmotorräder der Welt eine Rakete für die Rennbetrieb. In drei Sekunden wird das Geschoss dereinst von Null auf Hundert preschen.

René Dünki hat hinten schon sogenannte Slicks montiert. Diese profillosen Reifen sorgen auf trockenen und leicht feuchten Rennpisten für stabiles Fahrverhalten in Schräglage.

René Dünki hat hinten schon sogenannte Slicks montiert. Diese profillosen Reifen sorgen auf trockenen und leicht feuchten Rennpisten für stabiles Fahrverhalten in Schräglage. Bild: beb

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Ziemlich unauffällig steht die Kawasaki Ninja ZX10RR in der Garage von René Dünki. Nur der Kenner weiss, dass dieses Motorrad bereits in der Standardausrüstung 190 PS aufs Hinterrad bringt. So ein Töff will Rennen gewinnen. Gerade einmal 500 dieser Geschosse wurden 2017 für Europa produziert. Ein schnelles Teil also, das man in der Schweiz gar nie so richtig ausfahren kann.

Kaum zu glauben, dass es Fahrer gibt, die sich noch mehr Geschwindigkeit wünschen. Einer davon kommt aus dem St. Gallischen Rheintal. Er lässt in der Dälliker Werkstatt sein Supersport-Zweirad gerade noch schneller machen, als es ohnehin schon ist. «Er will auf der Rennstrecke Spass haben und seine Grenzen und die des Fahrzeugs austesten», sagt Dünki.

Europaweit bekannt

Töff-Freaks aus ganz Europa schicken ihr gutes Stück zu Dünki, um es rennstreckentauglich zu machen. Ein Kunde aus Tschechien zum Beispiel packt seine Maschine in den Transporter, bringt sie nach Dällikon und fährt dann wieder heim. Sobald Dünki mit seiner Arbeit fertig ist, holt der Kunde sein Prunkstück wieder ab. «Der macht Tausende Kilometer.

Das ist schon gewaltig», sagt der Spezialist. Seinen Bekanntheitssgrad hat sich der gelernte Mechaniker und Inhaber des Moto Auto Center Dällikon, redlich «erfahren».1982 ging der heute 54-Jährige auf seiner Yamaha RD 250, einem luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotorrrad, bei Strassenrennen in Frankreich, Italien und der Schweiz an den Start. Zwei Jahre später nahm er am Weltmeisterschaftslauf mit einer Yamaha RD 350 auf der damals frisch eröffneten Rennpiste Automotodrom Brünn in Tschechien teil.

Ex Grand-Prix-Pilot René Dünki hatte den Motorradrennsport im Blut, jedenfalls gab er nicht nur im Sommer Gas. 2012 wagte er sich sogar aufs Eis. An der Eisspeedway-WM im polnischen Sanok und bei der Eisspeedway-EM in niederländischen Assen vertrat er die Schweiz. «Als Schutzkleidung trug ich ein Kettenhemd, wie es Metzger anziehen, denn die Spikes sind so scharf wie Messer», sagt er. Damals hatte er vor den Rennen in seiner Dälliker Werkstatt die Pneus eigenhändig mit je 200 bis 300 Nägeln präpariert, deren Spitzen dann bis zu 3 Zentimeter aus dem Gummi ragten.

Teurer Spass

Doch zurück zum nagelneuen Superbike. Rund 14 Tage wird René Dünki benötigen, um das offiziell viertschnellste Serienmotorrad der Welt aufzurüsten. Er wird es total auseinandernehmen und die ohnehin schon leichte Verkleidung durch eine noch leichtere ersetzen. Auch wird er dem Töff eine Rennauspuffanlage verpassen, die sieben Kilo leichter ist als das Original. «Ohne Katalysator. Das ist zugelassen, weil das Motorrad nie auf der Strasse bewegt wird», sagt er. Neue Kitnockenwellen im Motor schaffen andere Steuerzeiten und das wiederum macht den Motor schneller. «Ab Werk ist das Strassentöff aus Garantie und Abgasgründen so ausgelegt, dass es bis zu 30 Prozent Reserve hat. Diese erwecke ich zum Leben», sagt Dünki.

Und dann gibt es noch eine neue Kette, welche dünner und leichter ist. Die Lenkstange erhält neue Stummellenker und für die Füsse des Piloten montiert Dünki eine 17-fach verstellbare Fussrastenanlage für die Querlage im Rennen. Alles war vorsteht wird entfernt, so auch die Blinker.

Das Motorrad in seiner Grundversion kostet bereits so viel wie ein Mittelklassewagen. Nach der «Behandlung» ist es doppelt so viel wert. «Koste es was es wolle. Ich habe vom Kunden kein Limit nach oben erhalten», sagt Dünki. Er liebe diese Tüftelarbeit, bei der er seine ganze Rennerfahrung einbringen könne. Dünki hat unzählige Töffs aufgebaut. «Tolle Arbeit und es gibt keine dreckigen Finger, weil nur neue Teile verwendet werden», sagt er.

Privat ganz zahm

René Dünki ist begeisterter Rennsportler. Auf der Strecke kann es ihm gar nicht schnell genug gehen und wenn er von den rund 230 PS spricht, die das Motorrad nach dem Ausbau haben wird, so glänzen seine Augen. Aber so unglaublich es klingen mag: Dünki besitzt selber acht Rennmotorräder, doch im täglichen Privatleben fährt er sie nie. Er sagt: «Mir ist eines ganz wichtig: Rasen, ja. Aber nur auf der Rennpiste. Dort ist die Fahrbahn doppelt so breit, es fahren alle in die gleiche Richtung und Krankenwagen und Arzt stehen bereit. Alltag und Piste – das ist etwas komplett anderes.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2017, 15:28 Uhr

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