Neeracherried

Gemeinden ergreifen Initiative bei der Umfahrung des Rieds

Betroffene Gemeinden sollten eine Stellungnahme zu einem Bericht abgeben und haben stattdessen ungefragt ein Konzept für die Umfahrung des Neeracherrieds erarbeitet. Nun ist der Kanton am Zug.

Die Gemeindepräsidenten und BirdLife wollen die Umfahrung des Rieds gemeinsam vorantreiben (von links): Markus Zink (Neerach), Luzius Hartmann (Niederglatt), Roger Götz (Höri) und Werner Müller (Geschäftsführer BirdLife Schweiz) bekräftigen dies vor dem Kreisel, der aufgehoben würde.

Die Gemeindepräsidenten und BirdLife wollen die Umfahrung des Rieds gemeinsam vorantreiben (von links): Markus Zink (Neerach), Luzius Hartmann (Niederglatt), Roger Götz (Höri) und Werner Müller (Geschäftsführer BirdLife Schweiz) bekräftigen dies vor dem Kreisel, der aufgehoben würde. Bild: Francisco Carrascosa

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Eigentlich hatte der Kanton sie gebeten, eine Stellungnahme zum Bericht der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) betreffend der Umfahrung Neeracherried abzugeben, sie haben ihm aber sogleich ein Konzept vorgelegt: die Gemeinden Höri, Neerach, Niederglatt sowie Birdlife Schweiz, welche in dieser Sache mehrere andere Naturschutzorganisationen vertritt.

Am vergangenen Dienstag haben die Vertreter der vier Parteien Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) sowie Markus Traber, den Chef des Amts für Verkehr, mit dem Konzept überrascht. Dies aber im positiven Sinne, betonten die Gemeinde­präsidenten an der ges­trigen Medienorientierung im Naturzentrum Neeracherried.

«Kein zweites Eigental»

«Hätten wir vier verschie­dene Stellungnahmen verfasst, wäre dies so gewesen, als würde man im Auto gleichzeitig auf das Gas- und das Bremspedal drücken», sagte Markus Zink (Neerach). Es sei den Gemeinden darum gegangen, Zeit zu gewinnen in der seit Jahren währenden Lösungs­suche für eine Umfahrung des Rieds. So könne auch vermieden werden, dass der Kanton ein Konzept vorlege, mit dem die Gemeinden womöglich nicht einverstanden seien.

«Also haben wir gesagt, machen wir einen sauberen schweizerischen Kompromiss», fuhr Zink fort. «Wir wollten keine Eigentalsituation. Im Jahr 2025 muss das Konzept realisiert sein.» Die Umsetzung dürfe schon allein deswegen nicht lange dauern, «weil die Beton­piste nur partiell saniert wurde». Roger Götz (Höri) be­tonte unter anderem die Wichtigkeit einer Umfahrungsstrasse für seine verkehrsgeplagte Gemeinde.

Und Birdlife-Schweiz-Geschäftsführer Werner Müller führte die Gesetzgebung zum Moorschutz an, die umgesetzt werden müsse. «Das Ried würde stark aufgewertet.» Das Konzept, das die vier Parteien von der Metron Verkehrsplanung AG ausarbeiten liessen, sieht Folgendes vor: Die Wehn­taler- und die Glattalstrasse inklusive des Kreisels, welche derzeit die 100 Hektaren grosse Moorlandschaft zerstückeln, würden aufgehoben.

Stattdessen würde die Dielsdorferstrasse (links oben auf der Karte), auf welcher ein Sonntags- und Feiertagsfahrverbot gilt, «aufklassiert», wie der Niederglatter Gemeindepräsident Luzius Hartmann es ausdrückte. Es ist damit zu rechnen, dass auf der Dielsdorferstrasse dereinst 7000 statt der jetzigen 2000 Fahr­zeuge pro Tag verkehren werden.

Komplett neue Strassen sollen zwischen Niederglatt und Höri (Karte unten links bis oben rechts) und entlang der Bahn­linie Richtung Höri (rechts, von unten bis oben) erstellt werden. Insgesamt sechs Kilometer Strasse würden neu gebaut, ein Kilo­meter Strasse umgebaut und drei Kilometer zurückgebaut. Die Ortsdurchfahrten wie­der­um sollen verkehrsberuhigt werden, damit die Autofahrer sie nicht als Schleichweg nutzen.

Kosten von 60 Millionen

Um die Bevölkerung vor dem Lärm zu schützen, würden die Umfahrungsstrassen tiefergelegt und kämen so den massiv teureren Tunnelvarianten gleich, welche die Gemeinden ursprünglich bevorzugt hatten. Bei den Kosten gehen Gemeinden und Birdlife von 60 Millionen Franken aus, welche der Kanton aufwenden müsste. Sie könnten aber um 50 Prozent höher oder tiefer ausfallen. «In der jetzigen Konzeptphase sind Schätzungen unprä­zise», sagte Hartmann.

Nun ist der Kanton am Zug. Er hat die Machbarkeit des Konzepts zu überprüfen. Die Gemeinden und Birdlife erwarten aber, dass sie in die zukünf­tige Planung miteinbezogen werden und wollen keine allfällige zerstückelte Umsetzung ihres Konzepts unterstützen. Ilda Özalp

Erstellt: 04.05.2017, 18:08 Uhr

Gemäss dem vorgelegten Konzept sollen insgesamt sechs Kilometer Strasse neu gebaut werden. Dazu gehören die Strecken zwischen Niederglatt und Höri (unten links bis oben rechts) sowie ein Abschnitt entlang der Bahnlinie Richtung Höri (rechts unten bis rechts oben). (Bild: Quelle Neerach, Höri, Niederglatt, Birdlife, Grafik metron/mb)

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