Stadel

Geselligkeit lockt mehr als brennende Tannen

Nach einem kurzen Leben als Weihnachtsbaum brannten in Stadel über 200 Tannenbäume. Wer diese zum Verbrennen brachte, kam vor allem wegen der Geselligkeit.

Das Feuer auf einer schneebedeckten Wiese in Stadel erinnerte an ein 1.-August-Höhenfeuer.

Das Feuer auf einer schneebedeckten Wiese in Stadel erinnerte an ein 1.-August-Höhenfeuer. Bild: Francisco Carrascosa

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Ein grosses Feuer lodert auf der Wiese und macht die helle Nacht noch heller. In der Winterlandschaft oberhalb von Stadel brennen Weihnachtsbäume. Läge kein Schnee, könnte man meinen, es sei ein Höhenfeuer vom1. August. Mehr als 200 Bäume hat der Verein Sprütze-Zug Stadel am Samstagabend in Brand gesteckt. Laut Vereinspräsident Marco Denzler ist es das zwölfte Christbaumverbrennen in Stadel, das der Verein organisiert.Weit nicht alle derjenigen, die ihren Christbaum dem Sprütze-Zug übergeben hatten, sind anwesend. Wohl wegen der Kälte, hört man munkeln. Benno Wurster, im Verein Anzünder genannt, giesst Brennpaste ins Feuer. Die Tannen sind so dürr, dass sie rasend schnell abbrennen. «Da sieht man, was passieren kann, wenn ein Christbaum im Wohnzimmer in Brand gerät», sagt Denzler.

200 Bäume in 35 Minuten

Um das Feuer sind nur wenige Leute versammelt, die meisten sitzen lieber drinnen, trinken einen Glühwein und essen Raclette. Wer noch draussen ist, staunt, als nach 35 Minuten der letzte Tannenbaum auf dem brennenden Haufen landet. Just in diesem Moment kommt ein Dorfbewohner durch die Dunkelheit gestapft und zieht einen Christbaum hinter sich her. Es ist Mathias Schwab, der den Baum gleich selber dem Feuer übergibt.

Marco Denzler erzählt, wie die Idee zum Christbaumverbrennen entstanden ist: «Der Sprütze-Zug macht mit im Dorfleben, zum Beilspiel bei Anlässen wie der Chilbi. Doch Anfang Jahr ist nicht viel los. Der grösste Teil der Vereinsmitglieder gehört der aktiven Feuerwehr an. So kamen wir auf die Idee, ein Christbaumverbrennen zu organisieren.»

Benno Wurster, der Anzünder, befördert mit der Mistgabel die letzten Äste ins Feuer. «Zu Hause haben wir jedes Jahr zwei Weihnachtsbäume. Der eine steht jeweils draussen und ist vier Meter hoch.» Dieser Riesenchristbaum hat als zentrale Verankerung für den Haufen seine letzte Verwendung gefunden.

Eine Stunde nachdem das Feuer entfacht wurde, ist fast nur noch Glut vorhanden. Niemand der Anwesenden mag aber hier einen Cervelat bräteln, obwohl der Sprütze-Zug Würste mitgebracht hat. Dafür wird drinnen geschlemmt. Raclette gibt es unter anderem und Glühwein, und die Stimmung ist ausgelassen, obwohl das Neonlicht nicht so gemütlich ist wie das Licht der lodernden Tannenbäume. Dafür ist es deutlich wärmer als draussen in der klirrenden Nacht.

Marco Denzler ist froh, dass es Schnee hat und so kalt ist. So bleiben die Schuhe und Kleider sauber – denn letztes Jahr sei es eine Schlammschlacht gewesen. Dass die Christbäume ein so kurzes Leben haben, hinterfragt niemand. Es wird schnell klar, worum es beim Christbaumverbrennen geht: Man will eine gemütliche Zeit verbringen und das gesellige Dorfleben auskosten.

Erstellt: 08.01.2017, 19:35 Uhr

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