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Gestalten bevölkern das Dorfzentrum

Wer in diesen Tagen durch den Dorfkern flaniert, mag sich über manch skurrile Gestalt am Strassenrand wundern. Hinter der Aktion steckt die Kulturkommission, respektive 30 Hobbykünstler, die lebensgrosse Skulpturen geschaffen haben. Einige der Figuren sind erst in letzter Sekunde fertig geworden.

«Ziegel-Hermi» von Hermann Müller: In letzter Sekunde fertig.
«Ziegel-Hermi» von Hermann Müller: In letzter Sekunde fertig.
Urs Brunner
«Connect» von Oliver Eichenberger. Für die vier Figuren hat er insgesamt  3 Kilometer Klebeband seines Arbeitgebers benötigt.
«Connect» von Oliver Eichenberger. Für die vier Figuren hat er insgesamt 3 Kilometer Klebeband seines Arbeitgebers benötigt.
Urs Brunner
«Julie» von Claudia Bühler. Die mit gepunktetem Badekleid und bunter Badekappe ausgestattete Figur steht vor dem Gemeindehaus und trägt ein Badetuch mit dem Buchser Dorfwappen darauf unter dem Arm. Bilder Urs Brunner
«Julie» von Claudia Bühler. Die mit gepunktetem Badekleid und bunter Badekappe ausgestattete Figur steht vor dem Gemeindehaus und trägt ein Badetuch mit dem Buchser Dorfwappen darauf unter dem Arm. Bilder Urs Brunner
Urs Brunner
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Noch ist der Leim nicht ganz trocken und für mehr Stabilität muss in den nächsten Tagen auch noch gesorgt werden. Dennoch steht die Figur «Ätna» von Claudio Oetiker termingerecht am Strassenrand. «Witzig, frech, lustig», beschreibt der Hobbykünstler sein Werk, welches – so sagt er – «eine Teufelin zeigt, die mit ihrem Einhorn spazieren geht».

Oetiker ist einer von 30 Hobbykünstlern, die an der von der Kulturkommission lancierten Aktion «Buchs lebt» teilgenommen haben. Gesucht waren lebensgrosse menschliche Figuren, die den Dorfkern beleben und in einen Skulpturenpark verwandeln.Doch Claudio Oetiker ist nicht der einzige, der kurz vor der Vernissage am Montagabend in Zeitnot geraten ist. Auch Hermann Müller musste sich am Schluss sputen. «Die Zeit hat mir gefehlt, also habe ich erst heute morgen mit meiner Figur begonnen», sagt er mit einem Schmunzeln.

Den Zeitdruck sieht man seinem «Ziegel-Hermi», dem ein Strauch aus dem Kopf wächst, aber nicht an. «Ich habe einfach alle Resten, etwa alte Firstziegel, zusammengesetzt», beschreibt Müller, der in Boppelsen ein Dachdeckergeschäft betreibt, sein Werk. Er finde diese Aktion «sehr lässig», und hätte eigentlich schon vor zwei Jahren mitmachen wollen, als die Bevölkerung dazu aufgerufen war, Hochbeete zu bepflanzen. Doch schon damals – wen wunderts – fehlte ihm die Zeit.

Hilfe vom Profi

Beim kleinen Rundgang auf der Zürcher-, der Badener- und der Bahnhofstrasse steht den Mitgliedern der Kultukommission die Freude über die vielen Gestalten am Strassenrand ins Gesicht geschrieben. «Die Skulpturen sind so vielseitig», sagt zum Beispiel Jörg Signer anerkennend.

Ursula Maurer nickt zustimmend, weist aber darauf hin, dass ohne die Hilfe von John Tobler, selber Mitglied der Kommission und bekannter Eisenplastiker, wohl viele nicht fertig geworden wären – jedenfalls nicht in der heutigen Form. Der Künstler selber gibt sich bescheiden: «Das habe ich sehr gerne getan», sagt er. Vor allem bei der Stabilität der Figuren sei er hin und wieder als Retter in der Not eingesprungen. «Dann habe ich zum Beispiel eine passende Aufhängung kreiert oder ein Grundgerüst erstellt.»

Auch die ursprüngliche Idee zu «Buchs lebt» geht hauptsächlich auf Toblers Kappe. «Solche Aktionen schweissen die Leute zusammen. Man kommt ins Gespräch und lernt sich kennen», erklärt er die Idee dahinter. Zwar habe es zum Teil viel Überredungskunst gebraucht, die Leute zum Mitmachen zu animieren, aber das Resultat spreche nun klar für sich.

Aus Altem entsteht Neues

Vom Künstler höchstpersönlich zum Mitmachen angestiftet, wurde auch Esther Broger, die seit 18 Jahren in der Buchser Bibliothek arbeitet. Zu ihrem Beruf passend hat sie eine Schaufensterpuppe mit alten Bücherseiten überzogen und so «den Leser» geschaffen. Mit der Idee, alte Dinge für ihre Skulptur zu recyclen, steht sie nicht alleine da.

So haben die Hobbykünstler unter anderem ein altes Brautkleid, ausgetretene Gummistiefel, gebrauchtes Lärchenholz oder das ausgediente Hemd des Ehemanns verwendet. Oder aber sie haben einfach die Gebrauchsartikel des Arbeitgebers benutzt, wie es Oliver Eichenberger getan hat. Als Mitarbeiter des Paketdienstleisters DPD hat er aus Klebeband eine ganze Gruppe von Skulpturen geschaffen. Tatkräftige Hilfe hat er dabei von seiner Tochter erhalten.

«Ich habe sie in Klebeband eingepackt, dieses dann vorsichtig aufgeschnitten und die leere Hülle mit Bauschaum gefüllt», erklärt er. Für sein imposantes Werk hat er insgesamt 380 Stunden aufgewendet. «Dass das Ganze so lange dauert, hätte ich anfangs nicht gedacht», gibt Eichenberger mit einem Augenzwinkern zu.

Jeder ist ein Gewinner

Einige Monate lang werden die bunten Gestalten das Dorfzentrum nun bevölkern. Angst, dass sie von Vandalen verunstaltet werden könnten, hat John Tobler aber nicht. «Das glaube ich nicht», sagt er. Zudem seien die Figuren mehr oder weniger wetterfest und stabil. Und falls etwas kaputt gehen sollte, werde es einfach geflickt.

Ursprünglich war die Aktion als Wettbewerb gedacht. Am Buchser Dorffest, vom 22. bis 24. September, hätten die Gewinner prämiert werden sollen. Doch von dieser Idee ist die Kulturkommission mittlerweile abgekommen. «Wie soll man denn da die ‹beste› Figur auswählen und einen Sieger finden?», fragt Jörg Signer. Deshalb sollen nun alle beteiligten Künstler etwas bekommen. Die Rede ist unter anderem von einer Broschüre, in der alle Kunstwerke dokumentiert sind.

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