Rümlang

Gestrickter Kirchturm als Zeitzeuge

Die nächsten zwei Monate können Besucher in die Vergangenheit des Dorfes eintauchen. Die Ausstellung «Rümlang im Wandel der Zeit» ist bis im Februar im Gemeindehaus öffentlich zugänglich.

Der gestrickte Kirchturm, um den sich Gemeindepräsident Peter Meier-Neves, Kurator Daniel Day Huber und Rosita Buchli, Präsidentin Rümlang Kultur (von links) aufgestellt haben, erinnerte 1924 an einen früheren Verkaufsschlager «Rümlanger Socken».

Der gestrickte Kirchturm, um den sich Gemeindepräsident Peter Meier-Neves, Kurator Daniel Day Huber und Rosita Buchli, Präsidentin Rümlang Kultur (von links) aufgestellt haben, erinnerte 1924 an einen früheren Verkaufsschlager «Rümlanger Socken». Bild: Sibylle Meier

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Schon vor der offiziellen Eröffnung zur aktuellen Ausstellung im Gemeindehaus sind viele Besucher eifrig am Malen. In der Eingangshalle liegt ein überdimensionierter, handgemalter Ortsplan von Rümlang auf. Die Strassen sind vorgezeichnet, die Bahnlinie. Alles andere können die Besucher selbst einzeichnen. Unter ihnen ist auch Selina (9). Mit grossem Eifer malt sie ein gelbes Haus mit vielen Fenstern. «Da wohne ich. Und da hat es auch Bäume rundherum.»

Vergnügt zeichnet sie auch noch weitere Häuser ein von Leuten, die sie kennt. Sie wohnt gerne hier wie auch Papa Gilles Hanriaud (40). «Ich schätze die Nähe zur Stadt, die Natur rundherum und dass man sich hier noch kennt», sagt er.

Der interaktive, nicht digitale Ortsplan ist ein Teil der von Daniel Day Huber konzipierten Ausstellung «Rümlang im Wandel der Zeit». Den Plan haben Jugendliche in Rümlang vorbereitet. Die Besucher sind dazu eingeladen, diesen mit ihren persönlichen Bildern mitzugestalten.

Luftaufnahmen als Wimmelbilder animieren zum Rätselraten. Wo ist welches Haus oder steht es heute noch?

Im Auftrag von Rümlang Kultur und der Gemeinde hat Huber verschiedenste Dokumente und Fotos gesichtet aus einem Nachlass der Familie Gujer. Durch einen Aufruf an die Bevölkerung sind aber auch noch viele weitere Zeitzeugnisse und Leihgaben für die Ausstellung zur Verfügung gestellt worden.

Rümlanger Socken

Erst vor wenigen Tagen kam auch noch ein gestrickter Kirchturm dazu. Rümlanger Dorfleute hatten diesen für einen Jubiläumsumzug 1924 nachgebaut und mit einem gestrickten Dach versehen. Er spielte auf die Vorliebe der Einwohnerschaft an, die früher jahrzehntelang mit Rümlanger Strümpfen im ganzen Kanton hausiert hatte. Der gestrickte Kirchturm überlebte die Jahre seither bis heute, auch wenn man ihm das Alter ansieht.

Fenster in die Vergangenheit

Gemeindepräsident Peter Meier-Neves meinte anlässlich der Eröffnung, dass die nächsten beiden Monate der Ausruf «Weisch no» wohl der meistgehörte Satz im Gemeindehaus sein werde. «Die Ausstellung ist ein Fenster zurück in die Vergangenheit. Eine Zeit, in der es andere Erklärungen für «Windows» und «Apple» gab, nämlich die wörtlichen Übersetzungen aus dem Englischen. Es ist vor allem auch wertvoll für die jüngeren Generationen zurückzublicken», meint er in seiner Festrede. Er zitierte auch noch den römischen Philosophen Lucius Seneca: «Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, aber es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.»

In der Ausstellung sind Neujahrsblätter, Fotos von Schulhäusern und Schulkassen und einzigartige Schriftdokumente noch aus dem 19. Jahrhundert, Bilddokumentationen zum Bau des Tanklagers in Rümlang, vom Postbüro, von der Wirtschaft zum Katzenrütihof zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen. Auch die ehemalige Mühle bei den heutigen Familiengärten Frohmatt, der Bau des neuen Gemeindehausees, alte Dokumente wie ein Schulzeugnis von Johannes Gujer von 1869 und vieles mehr gibt es zu entdecken. Vor allem vor den alten Luftaufnahmen stehen die Besucher Schlange und rätseln, wo das wohl war, was heute jetzt dort steht, wo denn jetzt das Rondell auf der alten Aufnahme zu platzieren wäre.

Helen Bachmann (76) und Peter Oettiker (77), früher Schulkameraden, haben aus dem Legat der Familie Gujer über ein Jahr lang Dias digitalisiert und archiviert und freuen sich jetzt an der Ausstellung.

Postkarten wieder gefragt

Einen besonderen Schatz hat Daniel Day Huber wiederbelebt: alte Rümlanger Postkarten. Die finden auch schnell Abnehmer. Einer davon ist Heinz Rüedi (81), Architekt des Gemeindehauses Rümlang. «Mit meinem Bruder in Solothurn halte ich seit vielen Jahren vor allem mit Postkarten Kontakt. Wir schicken uns von überall her Postkarten, meistens mit historischen Bildern oder künstlerischen Sujets», erzählt er und kauft gleich ein ganzes Set aus dem holzigen Postkartenständer. «Und ich freue mich sehr über die Ausstellung. Als ich das Gemeindehaus geplant hatte, war vieles vorgegeben, aber nicht die öffentlichen Räume. Damals gab es noch keine Möglichkeit für Ausstellungen. Die Halle und die Gänge habe ich bewusst so konzipiert, dass sie für solche Anlässe genutzt werden können. Das freut mich ganz besonders.»

Erstellt: 26.11.2018, 14:43 Uhr

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