Stadel

Halbes Haus versteigert

Im Gemeindehaus Steinmaur stand die Zwangsversteigerung eines halben Einfamilienhauses an. Während sich Private ein Schnäppchen erhofften, agierte die Gemeinde Stadel auf kreative Art im Interesse der Steuerzahler.

Am Freitag wurde im Gemeindehaus Steinmaur ein halbes Haus versteigert. (Symbolbild)

Am Freitag wurde im Gemeindehaus Steinmaur ein halbes Haus versteigert. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Es war ein ungewöhnliches Objekt, das im April im schweizerischen und im kantonalen Handelsamtsblatt ausgeschrieben war: Zu versteigern war ein halbes frei stehendes Einfamilienhaus an etwas erhöhter Lage in der Gemeinde Stadel. Geschätzter Wert der gut zehnjährigen, noblen Liegenschaft mit Umschwung: 1,2 Millionen Franken, zur Hälfte mit einer Hypothek belehnt. Am Freitag fand im Gemeindehaus Steinmaur die Zwangsversteigerung statt.

«Ein ziemlich seltener Fall, dass die Hälfte eines Hauses versteigert wird», befand Martin Gianutt, Leiter des Betreibungsamts Dielsdorf-Nord. Das 5½-Zimmer-Haus wird von einem unverheirateten Paar bewohnt. Beide sind je zur Hälfte Eigentümer. Der Mann schuldet der Gemeinde Stadel Steuern in der Höhe von rund 230 000 Franken. Bevor die Zwangsversteigerung eingeleitet worden war, hätten die Beteiligten in einer Einigungsverhandlung versucht, eine Lösung zu finden, erklärte Gianutt. Dies gelang aber nicht.

Gemeinde überbietet Private

Kurz vor zwei Uhr warteten im Raum acht Personen auf die Eröffnung des Verfahrens; in den hinteren Reihen hatte das Besitzerpaar Platz genommen.

Zuerst erläuterte der Betreibungsbeamte die Spielregeln und den Ablauf. «Es geht nicht wie im Fernsehen zu und her», betonte Gianutt. «Wir haben Zeit.»

Dann ging es ans Bieten. Insgesamt interessierten sich drei Parteien für den Hausteil: ein privates Paar, ein Inhaber einer Beratungs- und Handelsfirma sowie die Gemeinde Stadel, vertreten durch Gemeindeschreiber Valentino Vinzens.

Der Gemeinderat habe ihm die Vollmacht erteilt, bis zu einem gewissen Betrag mitzubieten, sagte Vinzens. Wie hoch die festgelegte Obergrenze war, wollte er nicht bekannt geben. Doch sie lag offensichtlich höher als diejenige der Mitbietenden: Als diese bei 77 000 Franken ausstiegen, erhöhte der Gemeindeschreiber ohne weitere Umschweife auf 150 000 Franken und erhielt den Zuschlag.

Die Partnerin des Verschuldeten und Mitbewohnerin profitierte jedoch von ihrem Vorkaufsrecht und erwarb den versteigerten Hausteil für ebendiesen Betrag. Sie habe eigentlich auf einen tieferen Preis gehofft, sagte die ältere Dame, die anonym bleiben möchte. Doch sie sei froh, dass sie ihr Daheim weiterhin behalten könne.

Spottpreis drohte

An einer Hausversteigerung mitzubieten, sei für ihn nicht alltäglich, sagte Gemeindeschreiber Vinzens. Über die Hintergründe wollte er nicht viel verraten. Offensichtlich ging es der Gemeinde aber darum, den Preis in die Höhe zu treiben, um einen möglichst hohen Anteil der Steuerschulden einzutreiben. Und der Plan ging auf. Was aber hätte die Gemeinde getan, wenn sie auf dem halben Haus sitzengeblieben wäre? Wenn die Mitbesitzerin nicht in der Lage gewesen wäre, den Betrag aufzubringen? Man hätte versucht, die Haushälfte wieder zu verkaufen, blieb Vinzens im Vagen.

Da die Liegenschaft mit einer Hypothek belegt ist, die bei einem Kauf auf den neuen Eigentümer übergeht, sei kein Mindestgebot festgelegt worden, erklärte Martin Gianutt. «Wären keine Bieter erschienen, hätte die Frau den Hausteil für einen Franken erwerben können.» Somit wären die Aussichten der Gemeinde Stadel auf ihre ausstehenden Einnahmen geschwunden.

Was aber bewog die anderen beiden Partien, an der Versteigerung eines halben Hauses teilzunehmen? Es wäre eine interessante Investition gewesen, erklärte der private Bieter, der mit seiner Partnerin nach Steinmaur gekommen war. Wegen der komplizierten Verhältnisse habe er sich aber eine Limite von 80 000 Franken gesetzt. (zuonline.ch)

Erstellt: 25.06.2018, 10:06 Uhr

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