Regensdorf

Teilabbruch «aus Sicherheitsgründen»

Der Streit um die Fröschegrueb hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem der Besitzer einen Teil des Hauses abbrechen liess, droht der Zürcher Heimatschutz nun mit scharfen Konsequenzen.

Anfang Juli stand die baufällige Fröschegrueb noch in ihrer vollen Grösse im Regensdorfer Dorfkern. Nun ist zu erkennen, dass der nördlichste Teil (hinter dem Baum) abgerissen wurde.

Anfang Juli stand die baufällige Fröschegrueb noch in ihrer vollen Grösse im Regensdorfer Dorfkern. Nun ist zu erkennen, dass der nördlichste Teil (hinter dem Baum) abgerissen wurde. Bild: Balz Murer

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Seit Jahren zerfällt die unter Schutz stehende Fröschegrueb; gleichzeitig tobt zwischen Heimatschutz, Gemeinde und Besitzer ein nicht enden wollender Streit. Am vergangenen Freitag und Samstag sind nun vor dem Haus eine Hebebühne und ein Pneukran aufgefahren. Die Arbeiter rissen den nördlichen Teil des unter Schutz stehenden Hauses – rund ein Fünftel des gesamten Gebäudes – ab. Der Zürcher Heimatschutz ist bestürzt. Für ihn ist klar: So etwas muss bestraft werden.

Nachbarn waren angeblich stark gefährdet

In einer Mitteilung schreibt der Heimatschutz, «es ist zu hoffen, dass diese Straftat für alle Beteiligten die schärfsten gesetzlich möglichen Konsequenzen nach sich zieht». Einen so schweren Fall von Zerstörung habe er noch nie erlebt, sagt der Präsident des Zürcher Heimatschutzes, Martin Killias. «Ich bin sprachlos.» Seine Organisation müsse das weitere Vorgehen nun besprechen.

Ganz anders sieht die Situation Fröschegrueb-Besitzer Thomas Palmy. «Der Teilrückbau erfolgte ausschliesslich aus Sicherheitsgründen», beteuert er. So habe eine Nachbarin unlängst der Gemeinde gemeldet, sie habe in der Nacht einen grossen Krach gehört. «Ein Teileinsturz im Innern», wie Palmy rückblickend erklärt. Er habe sich grosse Sorgen gemacht, die Nachbarn, darunter Kinder, könnten bei einem weiteren Teileinsturz verletzt werden. Palmy beauftragte deshalb vor ein paar Tagen einen Ingenieur, Abklärungen zur Sicherheit des Gebäudes und dessen Umgebung zu machen. «Das Ergebnis dieser Abklärungen war verheerend und es war dringender Handlungsbedarf angezeigt.» Deshalb sei plötzlich alles schnell gegangen: Nur ein paar Tage später liess er den einsturzgefährdeten nördlichen Teil des Hauses abbrechen. Solche «Sicherheitsgründe» lässt Martin Killias nicht gelten. «Die Baufälligkeit hat Herr Palmy ja selber zu verantworten», sagt er. Der einzig richtige Weg in so einem Fall wäre gemäss Killias gewesen, dass Palmy sich mit einem Abbruchgesuch an das Baurekursgericht wendet.

Gemeindepräsident Max Walter dagegen bestätigt, dass eine akute Gefahr für die Nachbarn der Fröschegrueb bestand. Denn auch die Gemeinde liess die Sicherheit ihrerseits durch einen Ingenieur prüfen. Vom bevorstehenden Teilabbruch wusste die Gemeinde allerdings nichts. «Wir wurden am Freitag schriftlich durch Thomas Palmy nur darüber informiert, dass er die nötigen Massnahmen, die ihm sein Ingenieur vorgeschlagen habe, ergreife», sagt Max Walter.

Meinungen der Anwohner sind geteilt

Von den jüngsten Geschehnissen erfahren habe der Heimatschutz durch «besorgte Einwohner». Gleich mehrere haben sich gemäss Killias beim Verein gemeldet, als am vergangenen Freitag die Baumaschinen aufgefahren sind. Davon, dass Nachbarn über den erfolgten Teilabbruch empört seien, will Palmy dagegen nichts wissen. «Am vergangenen Freitag sind mindestens 30 Anwohner vorbeigekommen und kein einziger hat sich beschwert», sagt er. Im Gegenteil: Die Leute seien froh, dass etwas mit der Fröschegrueb geschehe. (mca)

Erstellt: 27.07.2015, 16:27 Uhr

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