Regensdorf

Heimatschutz kämpft gegen geplanten Fröschegrueb-Ersatzbau

Der Zank um das Bauernhaus Fröschegrueb geht weiter. Der Gemeinderat hat die Baubewilligung für einen Ersatzneubau erteilt. Der Heimatschutz sieht das als Provokation.

Im Juli 2014 ist ein Teil der Fröschegrueb eingestürzt. Ein gutes Jahr später haben Gemeinde und Besitzer das Gebäude abreissen lassen.

Im Juli 2014 ist ein Teil der Fröschegrueb eingestürzt. Ein gutes Jahr später haben Gemeinde und Besitzer das Gebäude abreissen lassen. Bild: Archiv Balz Murer

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Die Fröschegrueb beschäftigt die Gerichte auch nach dem Abbruch des historischen Bauernhauses im August 2015. Nach jahrelangem Seilziehen mit dem Zürcher Heimatschutz liess der Besitzer, der Buchser Architekt Thomas Palmy, mit Einwilligung der Gemeinde das historische Gebäude im Regensdorfer Dorfkern abreissen. Dieser Aktion vorausgegangen ist ein verfahrener Streit zwischen dem Besitzer und der Gemeinde Regensdorf einerseits sowie dem Zürcher Heimatschutz andererseits. Gestritten wurde um die Schutzwürdigkeit des Objekts, um den Unterhalt des zerfallenden Holzhauses und um die Sanierungspläne und später die Neubaupläne des Besitzers.

Baubeginn ist trotz Baubewilligung nicht in Sicht

Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren mehrere Rechtsverfahren in Sachen Fröschegrueb hängig, was den Präsidenten des Zürcher Heimatschutzes, Martin Killias, zur Ankündigung von weiteren rechtlichen Schritten veranlasste. Das Grundstück gegenüber der reformierten Kirche Regensdorf liegt seither brach und ist mit Gittern und Holzverschlag gegen unerlaubten Zutritt abgesperrt.

Am 15. Dezember 2015 hat nun der Gemeinderat die Baubewilligung für den Ersatzneubau erteilt. Laut Gemeindepräsident Max Walter hätte man die Bewilligung schon früher gesprochen, es seien nur noch kleine Anpassung nötig gewesen. Noch sind aber mehrere Verfahren hängig. Die Baubewilligung hat wiederum den Zürcher Heimatschutz auf den Plan gerufen. Wie er in einer Medienmitteilung schreibt, reicht er Beschwerde gegen den Ersatzneubau ein. Martin Killias begründet den Schritt: «Es sind drei Verfahren hängig, und der Gemeinderat gibt die Baubewilligung. Das ist mehr als dreist. Der Gemeinderat setzt sich einfach über die hängigen Verfahren hinweg.»

Keine Einigung auch bei der Architektur des Neubaus

Gemeindepräsident Max Walter reagiert gelassen auf den Vorwurf. «Wir haben die Baubewilligung natürlich unter dem Vorbehalt der laufenden Rechtsverfahren erteilt. Wir wollen den Gerichtsentscheiden nicht vorgreifen.» Aus Walters Sicht ändert der Heimatschutz gar nichts mit der Beschwerde gegen den Ersatzneubau. «Es ist ja klar, dass nicht gebaut werden kann, solange die Verfahren nicht abgeschlossen sind.»

In der Mitteilung kritisiert der Zürcher Heimatschutz auch die Architektur des Bauprojekts selbst. «Es handelt sich beim geplanten Neubau um einen missglückten Versuch, das absichtlich zerstörte Original zu imitieren», ist etwa zu lesen. So seien die Riegel nur zu Dekorationszwecken da, ebenso das bäuerliche Tenntor, hinter welchem sich ein modernes Treppenhaus mit Lift verbirgt. Für den Heimatschutz ist darum klar: «Mit dieser Karikatur von Denkmalschutz wird das wertvolle Kulturgut des Kantons Zürich mit Füssen getreten.» Und weiter: «Mit dem Neubauprojekt entsteht ein schlechter Pseudo-Ballenberg inmitten des historischen Dorfkerns von Regensdorf.» Der Besitzer des Areals und Architekt des Ersatzneubaus Thomas Palmy kann über den Vorwurf der Denkmalschützer nur den Kopf schütteln. «Es ist doch einfach ein weiterer Versuch des Heimatschutzes, den Baubeginn hinauszuzögern.»

Erstellt: 08.02.2016, 11:10 Uhr

Mit dem Neubau will Architekt Thomas Palmy der Fröschegrueb optisch sehr nahe kommen. Geplant sind Räume für zwei Arztpraxen und vier altersgerechte Wohnungen. (Bild: pd)

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