Dielsdorf

Als Dielsdorf überflutet wurde

Zwei Jahrhundert-Hochwasser innerhalb von nur 33 Tagen richteten am 11. Juli und am 13. August 1995 in der Gemeinde Dielsdorf Millionenschäden an. Ingenieur Walter Wilhelm, der das Unglück hautnah miterlebt hat, erinnert sich.

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Am Dienstag, 11. Juli 1995, wurde Dielsdorf von einem ausserordentlichen Unwetter heimgesucht. Am späteren Dienstagabend fiel innert zweier Stunden so viel Niederschlag, wie während eines normalen Monats; nämlich 102 Millimeter oder 102 Liter pro Quadratmeter. Eine Gewitterfront hatte sich von Osten her genähert und blieb über dem Bezirkshauptort liegen. Die Wassermassen fielen buchstäblich vom Himmel.

Der Boden war nicht in der Lage, diesen gewaltigen Regen zu schlucken. Die Folge davon: Die Bäche traten innert Kürze über die Ufer. Das Wasser suchte sich neue Wege über Mulden und Abhänge, wo seit Menschengedenken keine Gerinne anzutreffen waren. Da zu dieser Jahreszeit viele offene Ackerflächen existierten, wurde viel Schlamm und Geröll mitgerissen. Vorhandene Schlammsammler und Einläufe waren im Nu verstopft. Das angrenzende Baugebiet wurde stellenweise regelrecht überflutet. Keller, Untergeschosse und Waschküchen füllten sich mit einer bräunlichen Schlammsauce. Die Feuerwehr war mit bis zu 150 Leuten im Einsatz. Aber auch viele Personen aus der Bevölkerung versuchten, den Wasserfluten Herr zu werden. Vergeblich!

Kaum waren die betroffenen Gebäude einigermassen vom Unrat befreit, schlug Petrus erneut zu. Nicht einmal fünf Wochen später, am Sonntagmorgen des 13. August, kam es wieder zu einem Unwetter gleichen Ausmasses. Die vier Regenmessstationen beim Waisenhof, im Rebberg und im Baugebiet zeigten ähnliche Extremwerte. Viele Gebäude wurden zum zweiten Mal heimgesucht. Ein Riesenfrust für die Betroffenen – noch einmal die gleiche Sauerei.

Ein Millionenschaden

Nahezu 70 Gebäude waren betroffen. Am schlimmsten erwischte es das Schulheim für cerebral Gelähmte (heute Stiftung Vivendra), das Bezirksspital, die Sportanlage und Liegenschaften in der Industriezone. Die Schäden an den einzelnen Objekten reichten von 20?000 Franken bis zu 2,2 Millionen Franken. Zusammen mit den Schäden an der Infrastruktur wie Strassen, Ableitungen und Gewässer sowie an den landwirtschaftlichen Kulturen ergab sich eine Schadensumme von gegen zehn Millionen Franken.

Die Gemeinde Dielsdorf liess in der Folge ein Massnahmen-Gesamtkonzept durch das Gemeindeingenieurbüro ausarbeiten. Dieses sah vor, ein künftiges Hochwasser mit einem Graben- und Dammsystem verzögert und verteilt abzuleiten. Zudem mussten das Schluckvermögen der Ableitungen verbessert und die entsprechenden Kaliber vergrössert werden.

Miteinbezogen in die Massnahmen wurde auch die Rückhaltekapazität des Säge- und Mühleweihers im oberen Dorfteil der Gemeinde Dielsdorf. Mit der im Jahr 2005 erstellten Gefahrenkarte waren somit genügend Grundlagen für eine gestaffelte Sanierung der Schwachstellen im Dorf vorhanden. Das löste Arbeiten in Millionenhöhe aus, die bis vor wenigen Jahren abgeschlossen werden konnten. Dem Unterhalt der mit viel Steuergeld geschaffenen Anlagen ist grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Denn nur so können sie ihre Funktion auch für künftige Generationen erfüllen.

Die vergessene Katastrophe

Ereignisse wie diese Unwetter des Jahres 1995 gehen in der Bevölkerung aber rasch vergessen. In der Dorfchronik von 2012 sind sie leider nicht erwähnt. Dafür ist im Buch der Gemeinde Neerach vermerkt, dass sich die Schäden dort in Grenzen hielten im Vergleich zu Dielsdorf, wo die Flut Verwüstungen von nie gekanntem Ausmass anrichteten. ()

Erstellt: 10.07.2015, 21:14 Uhr

Zur Person

Der Autor dieses Artikels, Walter Wilhelm, hat die Unwetter hautnah miterlebt. Unter seiner Leitung verfasste das Ingenieurbüro Wilhelm+Müller im Auftrag der Gemeinde Dielsdorf den Bericht «Hochwasser 1995: Bericht zum Massnahmen-Gesamtkonzept».

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