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Hier kann man Baustellen hautnah erleben

Das neue Baggermuseum der Eberhards erzählt nicht nur die Geschichte des erfolgreichen Klotener Familienunternehmens, es ist auch eine Erlebniswelt für grosse und kleine Bagger- und Traxfans.

Um die Absperrungen aus Holz zu beseitigen und damit den Weg in die Ausstellungshalle freizugeben, griff anlässlich der Museumseinweihung am Montag selbst Regierungsrat Markus Kägi zur Säge.Urs Brunner
Um die Absperrungen aus Holz zu beseitigen und damit den Weg in die Ausstellungshalle freizugeben, griff anlässlich der Museumseinweihung am Montag selbst Regierungsrat Markus Kägi zur Säge.Urs Brunner
Urs Brunner

Nach rund zehn Monaten Bauzeit wurde am Montag das Museum der Firma Eberhard, das Ebianum, feierlich eröffnet. Zahlreiche Politiker folgten der Einladung, so etwa die Regierungsräte Markus Kägi und Stephan Attinger (Aargau) sowie diverse Gemeindepräsidenten und Gemeinderäte aus den vielen Standortgemeinden der Eberhards, so etwa aus Kloten, Oberglatt, Rümlang, Lufingen oder Höri.

Während sich Politiker normalerweise bei Eröffnungsanlässen darauf konzentrieren können, ein Band zu durchschneiden und dabei gut auszusehen, galt es in Fisibach tatkräftig mit anzupacken. So mussten etwa Kägi und Attinger gemeinsam Baumstämme mit historischen Sägen zerteilen. Diese standen als Baustellenabsperrung vor dem Eingang der Ausstellung. Erst als die Arbeit getan war, war der Weg frei zum Besuch der Ausstellungshalle.

Am Anfang der Geschichtesteht ein Bauernhof

Die Ausstellung erzählt auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern die Geschichte der Firma, die einst auf einem Klotener Bauernhof begann. Damals, Anfang der 50er-Jahre, bewirtschafteten die Brüder Heinrich und Rudolf Eberhard rund 110 Hektaren Land im Rohr. Das Land war jedoch sehr sumpfig, weshalb der normale Traktor immer wieder einsank. Kurzerhand kauften sich die Brüder deshalb einen Raupentraktor, mit dem die Arbeit viel leichter ging – die erste Baumaschine der Eberhards.

Der Firmengrundstein wurde jedoch erst später gelegt, und zwar 1954. Damals musste die Familie das gepachtete Land wegen des Flughafenausbaus wieder abgeben. Die Brüder suchten deshalb eine andere Existenzgrundlage und beschafften sich den gebrauchten Raupenlader Cat HT4. Dies war die Geburtsstunde des Bagger- und Trax-Unternehmens in Kloten. Heute zählt die Firma neun Standorte in der Schweiz und 500 Mitarbeiter.

Auf der Suche nach Arbeitin Saudiarabien

Im Museum werden die Meilensteine der ersten Generation gezeigt, aber auch die Krisenzeiten. So, als das Unternehmen 1976 aufgrund der Ölkrise zu wenig Arbeit in der Schweiz vorfand und das Glück in Saudiarabien suchte. Lebhaft erinnert sich der jüngere Heinrich Eberhard an die Zeit: «Wir mussten lernen, aus nichts etwas zu machen. Wenn wir ein Ersatzteil brauchten, mussten wir es drei Wochen im Voraus bestellen. Und zum Telefonieren mussten wir vier Stunden fahren.»

Mit dem Geruch von Erde und Kies in der Nase – Letzterer liegt überall am Boden – können die Besucher diverse Originalfahrzeuge bestaunen und per Kopfdruck auch ihre Motorengeräusche hören. Viele Fotografien dokumentieren den Wandel der Flughafenregion und diverse Gegenstände veranschaulichen den technischen Fortschritt. So ist etwa das Reissbrett zu sehen, auf dem Vater Heinrich Eberhard, der selbst gelernter Maschinenschlosser war, die Fahrzeuge verbesserte. Aber auch die erste Rechenmaschine des Unternehmens ist ausgestellt.

Moderne Simulatoren und ein Bauplatz für Kinder

Im Fahrzeugpark können die Besucher auch diverse Oldtimer bestaunen, welche die Familie dazugekauft hat, wie etwa eine Dampfwalze aus dem Jahre 1928. Ein moderner Baggersimulator und ein Bauplatz machen das Museum für grosse und kleine Kinder zum Erlebnis. Auf dem Bauplatz können die Kinder baggern, Steine aufeinander schichten, Handkarren beladen sowie Strassen und Häuser bauen. «Wir möchten zudem Aktionstage anbieten, an denen die Besucher draussen echte Bagger bedienen können», erklärt Verwaltungsratspräsident Heinz Eberhard.

Mit dem Ebianum hat sich das Klotener Familienunternehmen, das seit 61 Jahren besteht, quasi selbst ein leicht verspätetes Geschenk gemacht. Der Bau in Fisibach ist jedoch nicht das erste Museum. Schon zuvor besass das Unternehmen ein kleineres Museum, das jedoch nur bei familien- und firmeninternen Anlässen benutzt wurde. «Wir haben einfach eine grosse Freude an Baumaschinen und haben diese deshalb seit jeher gesammelt», erklärt Heinz Eberhard. Nun habe die Familie ihre Faszination mit der Öffentlichkeit teilen wollen. Gerne hätte man das Museum auf Zürcher Boden errichtet. Doch zum einen habe an den bisherigen Standorten der Platz gefehlt. Zum anderen besass die Firma im aargauischen Fisibach bereits eine Halle, die sich ideal für diesen Zweck geeignet habe, erklärt er. «Mittlerweile freuen wir uns über die schöne Lage in Fisibach.»

Heinz Eberhard rechnet mit rund 100 Besuchern pro Öffnungstag. Ansprechen wolle man nebst Familien auch Fans von Baumaschinen sowie Oldtimerfans im Allgemeinen. Bereits hätten einige Oldtimervereine Interesse an einem Besuch gezeigt. Zudem soll das Museum auch für Events genutzt werden, so etwa für Generalversammlungen, Seminare oder Firmenanlässe. Hierzu steht neben dem geräumigen Foyer auch ein 750 Quadratmeter grosser Eventsaal zu Verfügung. «Baustellen üben auf viele Menschen eine grosse Faszination aus», ist Heinz Eberhard überzeugt und fügt an: «Leider sind heute alle Baustellen gesperrt. In unserem Museum kann man sie wieder hautnah erleben.»

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