Neerach

Junge Leute setzen sich für Naturschutz ein

Ausgerüstet mit Handschuhen, Gartenscheren und Messern entfernen junge Männer und Frauen im Neeracherried Grünzeug, das dort nicht hingehört.

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Auf Fahrrädern, die von ihren Gasteltern organisiert worden sind, treffen die jungen Leute um 9.30 Uhr beim Birdlife-Naturzentrum im Neeracherried ein. Die stellvertretende Leiterin Lena Escher begrüsst die Gruppe auf Englisch. Die Mitglieder stammen aus den USA, China, Bermuda, Mexiko und Belgien. Sie sind Teil der Showgruppe Up with People, einer 1965 in den USA gegründeten Jugendbewegung. Bis zu ihrem Auftritt am kommenden Freitag und Samstag in der Stadthalle Bülach, leisten sie unter anderem gemeinnützige Arbeit, wie Neophyten im Neeracherried entfernen.

Einige sind in kurzen Hosen und Turnschuhen und ohne Hut erschienen, obwohl ihnen köperbedeckende Kleidung in einem Info-Schreiben empfohlen worden war. Der Schweizer Gruppenführer Lukas Curau zieht eine grosse Flasche Sonnenmilch aus seinem Rucksack und reicht sie herum. Dann steigen alle wieder auf ihre Velos und fahren weiter zum nördlichen Reservat. Auch drei Praktikantinnen des Birdlife-Naturzentrums sind dabei. Sie unterstützen Lena Escher und legen selber tatkräftig Hand an beim Ausreissen der unerwünschten Problempflanzen.

Zwei prallvolle Abfallsäcke

Es geht darum, entlang des Feldweges, den Japanischen Staudenknöterich zu entfernen. Er ist an seinen grossen Blättern erkennbar, wie Shannon Dill aus Bermuda erleichtert feststellt. «Das macht die Arbeit einfacher.» Da sie Shorts trägt, klatscht sie immer wieder auf ihre nackten Oberschenkel, um Mücken fernzuhalten. Lena Escher informiert, dass diese Pflanze über ein verflochtenes Wurzelwerk tief im Boden verfügt, das sogar Beton sprengen kann. Eingeschleppt aus Asien diente die Pflanze als Gartendekoration. «Die Staude wird bis drei Meter hoch und nimmt Sonnenlicht weg.»

«Üblicherweise halten wir uns in Städten auf. Deshalb ist es schön, zur Abwechslung einmal etwas für die Natur zu tun.»Luke Philipps aus Alabama 
Mitglied von «Up with People»

Doch im Ried gedeihen seltene Orchideenarten, die viel Sonne brauchen. Also entfernen die Helfer so viel wie möglich von diesem unerwünschten Grünzeug. Bereits nach einer halben Stunde sind zwei 110-Liter-Abfällsäcke damit gefüllt und für den Abtransport bereit. Doch nicht nur Pflanzen erhalten Aufmerksamkeit. Plötzlich weist jemand auf eine Libelle hin, die vorbeifliegt. Dann ein kurzer Aufschrei einer jungen Frau wegen eines offenbar riesigen Käfers, den aber niemand sonst sieht. Dafür entdecken zwei Männer ein kleines Wespennest, an dem ein Tier gerade baut. Und unter einem Blatt haben sich Raupen eingenistet. Fachfrau Lena Escher weiss sofort, dass sich daraus Gespinstmotten entwickeln, das sind kleine braune Schmetterlinge.

Gabriel Maurer ist Gartenbauer und im Zivildienst aktiv. Sein Bruder ist Bandleader bei «Up with People» und hat ihn animiert, im Neeracherried mitzuhelfen. «Wir machen mit dem Zivildienst eine ähnliche Arbeit beim Zürich- und Greifensee», sagt er und greift nach einem weiteren grossen Blatt des Japanischen Staudenknöterich.

Infos zum Gastgeberland

Es ist sehr heiss auf dem offenen Gelände am Nordrand des Neeracherried. Weit und breit gibt es keinen Schatten. Die jungen Naturschützer nehmen in der Pause dankbar einen Becher Wasser von Lena Escher entgegen. Sie dürfen stolz sein auf ihre Leistung. Luke Phillips aus Alabama gefällt der Einsatz. «Üblicherweise halten wir uns in Städten auf, zuletzt in Genf. Deshalb ist es schön, zur Abwechslung einmal in ländlicher Umgebung etwas für die Natur zu tun», sagt er.

Am Montag, einen Tag vor dem Einsatz im Neeracherried, war die Gruppe über die bevorstehende Arbeit informiert worden. Zudem wurden sie auch über das Schulsystem in der Schweiz aufgeklärt. Es gehört zum Konzept von «Up with People», sich am Ort ihres jeweiligen tänzerischen und gesanglichen Auftritts mit den Gepflogenheiten des Gastgeberlandes vertraut zu machen.

Nachdem im bearbeiteten Gebiet nichts mehr vom Japanischen Staudenknöterich zu sehen ist, kommt als nächstes die Goldrute an die Reihe, ebenfalls eine gebietsfremde Pflanze. Für das Mittagessen fahren alle zurück ins Zentrum, wo dessen Leiter Stefan Heller sie später über weitere Besonderheiten des Rieds aufklärt. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.05.2017, 16:24 Uhr

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