Dällikon

Kapern-Projekt sollte klappen

Zwei junge Männer vom Brüederhof in Dällikon wollen Kapern aus Palästina importieren, um Arbeit vor Ort zu schaffen. Die Unterstützung aus der Schweiz ist erfreulich. Doch die fremde Kultur und Mentalität sind eine Herausforderung.

Samuel Kessens erklärt den palästinensischen Bauern, wie die Spezialitäten konserviert werden müssen.

Samuel Kessens erklärt den palästinensischen Bauern, wie die Spezialitäten konserviert werden müssen. Bild: pd

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Feine Kapern für die Pizza oder Spaghettisauce kaufen und gleichzeitig ein innovatives Projekt unterstützen – die Idee stiess bei zahlreichen Schweizern auf Anklang.

Anfangs Februar hatte der ZU über ein Projekt berichtet, das zwei junge Männer vom Landwirtschaftsbetrieb Brüderhof in Dällikon aufgegleist haben: Sie wollen palästinensische Bauern anleiten, die wild wachsenden Kapern in ihrem Land zu ernten und in die Schweiz zu exportieren.

Fast 600 Personen bestellten über die Webseite der Fairhandels-Organisation Gebana ein Paket im Preis von 39 bis 91 Franken. Damit sich der Aufwand lohnt, hatten sich Samuel Kessens und Severin Hellmüller eine Mindestmenge von 350 zum Ziel gesetzt. Nachbestellungen sind immer noch möglich.

Auf dem trockenen, steinigen Boden in Palästina sind wilde Kapernbüsche allgegenwärtig. Doch die dort lebende Bevölkerung wisse nicht, dass man die Knospen und die nach der Blüte entstehenden Kapernäpfel essen kann, erzählt Kessens. Im Rahmen seines Studiums der Agrarwissenschaften an der ETH war er vor fünf Jahren zum ersten Mal in den Nahen Osten gereist, wo er auf die Projektidee kam.

Wenig Arbeitseifer während des Ramadans

Im Juni sind die beiden 29-Jährigen nochmals für zwei Wochen nach Palästina geflogen. Sie wollten einigen Kleinbauern zeigen, wie man die Kapern am effizientesten erntet, ohne dabei von den spitzen Dornen gestochen zu werden, und wie man sie danach in Salz und Essig einlegt.

Doch überwältigend war die Resonanz nicht gerade. Obwohl sie den Palästinensern einen Lohn versprochen hatten, der für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich ist, erschienen statt der vereinbarten rund 20 Personen jeweils nur einige wenige zu den Instruktionen. «Als wir realisierten, dass gerade Ramadan war, hatten wir den Flug bereits gebucht», bedauert Kessens.

Da die Moslems in dieser Zeit tagsüber nicht trinken und es sehr heiss ist, arbeiten sie nur reduziert. Die Frauen sind vorwiegend mit dem Vorbereiten des Festmahls beschäftigt, das nach Einbrechen der Dunkelheit genossen wird. Zudem seien viele Menschen wohl etwas skeptisch, weil sie die Idee nicht gut genug verstanden hätten, glaubt der Dälliker.

Die Ernüchterung ist dem jungen Mann ein wenig anzumerken. Bezahlen die beiden Initianten doch die Löhne und alle Unkosten einstweilen aus eigener Tasche. «Wir sind sehr begeistert von der Idee», sagt Kessens.

Regelmässiges Nachfragen und etwas Druck nötig

Aufgeben wollen sie nicht. Immerhin konnten sie eine zuverlässige Kontaktperson in Israel beauftragen, welche das Projekt vor Ort vorantreibt. Der Mann organisiert den Export über den Hafen in Haifa, wo die fertigen Produkte verschifft werden sollen.

«Wir rufen alle drei Tage an und fragen, wie es läuft», erzählt Kessens. Ausserdem haben sie eine Excel-Tabelle erstellt, in welcher der Verantwortliche die täglichen Ernte- und Verarbeitungsmengen eintragen soll.

Nun scheint die Sache voranzukommen. «Es ist nötig, dass man etwas Druck aufbaut», hat Kessens gelernt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Menschen anderen Kulturen sei eine Herausforderung. «Man muss sich stets darauf einstellen, dass es möglicherweise nicht klappt.»

Etwas enttäuscht wäre er aber schon, wenn die palästinensischen Bauern diese Chance nicht nutzen würden, räumt er ein. Schliesslich gebe es in den fünf beteiligten Dörfern nicht viel Arbeit. Zudem könnten die Menschen so im eigenen Land arbeiten, statt täglich die Grenze nach Israel überqueren zu müssen. Und auch den zahlreichen Unterstützenden in der Schweiz gegenüber – viele davon Freunde und Bekannte – fühlen sich die Initianten verpflichtet.

Läuft alles nach Plan, treffen die ersten Pakete im August oder September in der Schweiz ein. Neben eingemachten Kapern und Kapernäpfeln sind auch Mischpakete mit den Gewürzen Sumak und Za’atar sowie dem Getreide Freekeh erhältlich. Mittelfristig möchten Samuel Kessens und Severin Hellmüller ihre Produkte auch über Claro- und Bioläden vermarkten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.07.2018, 16:16 Uhr

Aus den Kapernknospen entstehen wunderschöne Blüten, die sich kurz darauf zu Kapernäpfeln entwickeln. (Bild: pd)

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