Regensdorf

Keine Lust auf weiteren Streit

Der Besitzer der ehemaligen Fröschegrueb, ­Thomas Palmy, stritt sich mit dem Zürcher Heimatschutz noch um ein anderes Gebäude in Regensdorf.

Die Liegenschaft an der Dällikerstrasse 28 verfügt im Innern über Bausubstanz aus dem 16. oder gar 15. Jahrhundert. Der Besitzer des Hauses, der Buchser Architekt Thomas Palmy, hat deshalb mit der Gemeinde einen Schutzvertrag ausgehandelt. Gegen diesen wurde jedoch Rekurs eingelegt.

Die Liegenschaft an der Dällikerstrasse 28 verfügt im Innern über Bausubstanz aus dem 16. oder gar 15. Jahrhundert. Der Besitzer des Hauses, der Buchser Architekt Thomas Palmy, hat deshalb mit der Gemeinde einen Schutzvertrag ausgehandelt. Gegen diesen wurde jedoch Rekurs eingelegt. Bild: Archiv ZU

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Das Zanken um das historische Bauernhaus Fröschegrueb in Regensdorf hat fast schon legendäre Züge angenommen. Seit Jahren liegen sich ihr Besitzer, der Buchser Thomas Palmy, die Gemeinde Regensdorf und der Verein Zürcher Heimatschutz wegen des Gebäudes in den Haaren, erst recht, nachdem die Fröschegrueb vergangenen Sommer trotz laufender Verfahren abgerissen wurde.

Weniger bekannt ist hingegen, dass Palmy und der Zürcher Heimatschutz einen Zweifrontenkrieg ausfochten. Die beiden ­stritten nämlich auch um die Liegenschaft Schmitte an der Dällikerstrasse 28, die an die Parzelle Fröschegrueb angrenzt und ebenfalls Palmy gehört. Und das Haus, das auf dem Grundstück steht, verfügt wie die ehemalige Fröschegrueb über Bausubstanz, die auf das 16. oder gar 15. Jahrhundert zurückdatiert. Bei der Schmitte hat Palmy nun seine Umbaupläne allerdings begraben.

Besitzer meldet Desinteresse am Verfahren an

Palmy hatte die Schmitte im Januar 2013 erstanden. Mit der Gemeinde Regensdorf handelte er daraufhin einen Schutzvertrag aus, der die Rahmenbedingungen für bauliche Veränderungen regeln sollte. Im Vertrag vorge­sehen war, dass die noch vorhandene Bausubstanz bis und mit 17. Jahrhundert geschützt gewesen wäre. Palmy plante, das Gebäude mit einer neuen Fassade zu versehen, welche die Bausubstanz im Innern erhalten hätte.

Gegen die Schutzverfügung reichte der Heimatschutz jedoch im Januar 2015 einen Rekurs ein. Denn für den Verein ging die Verfügung nicht weit genug. Palmys Lösung habe faktisch einen Neubau vorgesehen, der das Ortsbild verändert hätte, so der Heimatschutz. Nicht die An- und Umbauten, sondern einzig der Kernbau wäre erhalten geblieben, jedoch im Neubau versteckt und von aussen unsichtbar. Der Heimatschutz fordert deshalb, dass die Schmitte in ihrem Charakter erhalten bleibe. Der Rekurs ist bis heute beim Baurekursgericht hängig.

Thomas Palmy hat inzwischen kein Interesse mehr am Urteil. «Aufgrund der Erfahrungen mit der Fröschegrueb habe ich beschlossen, dem Baurekursgericht das Desinteresse am Verfahren zu erklären», erklärt er. Er wolle die Schmitte nicht verkaufen, aber er habe keine Lust mehr darauf, noch mehr Zeit und Geld in das Projekt zu investieren.

Damit wird die Schmitte bis auf weiteres in ihrem gegenwärtigen Zustand verbleiben – zwar instand gehalten, aber unverändert und unbewohnt. «Bevor von po­litischer Seite das Verbandsbeschwerderecht nicht infrage gestellt wird, werde ich mich mit dem Objekt nicht mehr auseinandersetzen», so Palmy.

Konkret kritisiert er den Zürcher Heimatschutz. Dieser sei ­daran schuld, dass alle Anstrengungen zu einer sinnvollen und positiven Projektentwicklung gescheitert seien.

Enttäuscht von der jüngsten Entwicklung ist auch der Regensdorfer Gemeindepräsident Max Walter. «Für das Ortsbild wäre es schön gewesen, hätte sich dort etwas getan.» Er habe aber wegen des Verhaltens des Heimatschutzes Verständnis für Palmys Entscheid. «Wichtiger ist für uns, dass es nun bei der Fröschegrueb weitergeht.»

Begrüsst wird der Entscheid indes beim Zürcher Heimatschutz: «Damit begibt sich der Besitzer auf eine Position, die eine Weiterentwicklung möglich macht», sagt Martin Killias, der Präsident des Vereins. Sollte dereinst ein neues Projekt geplant werden, müsste die Schmitte auch in Zukunft als geschütztes Objekt respektiert werden.

Vergleich war im letzten Frühling gescheitert

Der Streit um die Schmitte findet mit Palmys Rückzug sein vor­läufiges Ende. Noch im letzten Frühling hatte es allerdings danach ausgesehen, als könnten die Parteien eine einvernehmliche Lösung finden. Gemeinde, Heimatschutz und Bauherrschaft diskutierten den Vorschlag, die Schutzbestimmungen für die Schmitte zu verschärfen, sofern der Heimatschutz dafür keine weiteren Einwände gegen die Entlassung der Fröschegrueb aus dem Schutzinventar mehr vorbringen würde.

Doch die Chance, im jahrelangen Hickhack um die historischen Gebäude für einmal eine gemeinsame Lösung zu finden, zerschlug sich am Ende doch noch. Der ­Heimatschutz war mit den Bedingungen des Abkommens – unter anderem hätte der Verein auf sein Rekursrecht bei der Schmitte verzichten müssen – nicht einverstanden. Derweil störten sich Bauherrschaft und Gemeinde daran, dass der Verein Geld forderte, um einen Teil der über die Jahre bei den Verfahren angehäuften Anwaltskosten zu decken. So blieb der Rekurs auch weiterhin hängig.

Erstellt: 20.03.2016, 22:16 Uhr

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