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Kiewer Arche steht auf wackeligen Pfeilern

Heimatlosen Kindern in Kiew ein Zuhause und eine Zukunft bieten ist das Ziel eines Vereins rund um den Oberweninger Hausarzt Christian Köppel. Nun kämpft das Projekt jedoch um sein Kinderheim – und geht dabei bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Die Arche besteht seit 2003 und bietet heimatlosen Kindern und Jugendlichen ein Zuhause und den Sprung in die öffentliche Schule. Der Oberweninger Christian Köppel (vorne links) rief den Trägerverein ins Leben.
Die Arche besteht seit 2003 und bietet heimatlosen Kindern und Jugendlichen ein Zuhause und den Sprung in die öffentliche Schule. Der Oberweninger Christian Köppel (vorne links) rief den Trägerverein ins Leben.
zvg

Die Geschichte beginnt Ende der 80er-Jahre mit einem Au-pair-Aufenthalt von Barbara Klaiber bei Familie Köppel in Oberweningen. Die junge Amerikanerin reist danach weiter nach Kiew, baut zusammen mit Jane Hyatt eine Suppenküche auf und verteilt Essen an heimatlose Kinder, von denen es in der ukrainischen Hauptstadt laut Schätzungen 50 000 gibt. Schon bald mieten die beiden Frauen ein kleines Haus und nehmen sechs Kinder bei sich auf.

Trägerverein im Unterland

Eine gute Idee, fand Christian Köppel, der als Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Ober­weningen arbeitet. Um die Ar-beit der ehemaligen Au-pair zu unterstützen, gründete er den VSK, den Verein Strassenkinderprojekt Kiew. Mithilfe der amerikanischen Organisation Father’s Care konnte der Trägerverein bald eine Liegenschaft am Stadtrand sowie deren Renovation ­finanzieren. So entstand die Arche.

Heute leben zwischen 30 und 40 Buben und Mädchen zwischen 3 und 17 Jahren gleichzeitig inder Unterkunft. «Wir arbeiten eng mit den Sozialdiensten zusammen», erklärt Nerina Köppel, Vizepräsidentin des Vereins und Tochter des Initianten. «Die Kinder kommen heute weniger von der Strasse, vielmehr aus zerrütteten Familien zu uns.»

Das längerfristige Ziel sei es, die Zusammenführung von Eltern und Kindern zu begleiten. Da viele der Betroffenen keine Schule besucht haben, besteht das Angebot der Arche nicht nur in der Unterkunft, sondern auch im Unterricht. «Sobald die Kinder bereit sind, werden sie in die öffentliche Schule integriert», sagt Köppel.

Krieg und Enteignung

Oft werde hierzulande vergessen, erzählt die Vizepräsidentin, dass in der Ostukraine Krieg herrsche. «Damit hat sich unsere Situation verändert. Wir haben auch schon Kinder aus dem Kriegsgebiet aufgenommen, deren Eltern über Nacht von Soldaten erschossen wurden.» Die politische Situation im EU-Grenzland sei nach wie vor «wahnsinnig schwierig».

Das spürt das Projekt indes nicht nur am Wandel seiner Schützlinge, sondern auch am eigenen Leib: Die Stadt will das Grundstück zurück, auf dem die Arche steht, und plant deshalb, das Kinderheim zu enteignen. Der Grund: Die Liegenschaft steht in einem heute begehrten Stadtteil. «Das Grundstück wurde damals rechtmässig erworben, und wir haben über zwei Millionen Franken investiert.

Auch jetzt kostet der Betrieb monatlich um die 20 000 Franken – davon wollen sie uns nichts zurückgeben.» Die Arche hat die Ange­legenheit vor Gericht gezogen, ­jedoch vor allen ukrainischen Instanzen verloren. Jetzt liegt der Fall beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der letztmöglichen Instanz. Und das kostet Zeit, Energie und Geld – alles Ressourcen, die eigentlich direkt im Betrieb der Arche gebraucht würden.

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