Niederglatt

Konsens bis zu einem gewissen Punkt

Um die Sorgen der Bevölkerung ging es an einem Podium in Niederglatt. Zwei Kantonsratskandidaten – ein SP- und ein SVP-Jungpolitiker – zeigten dabei ihre Lösungen auf.

Tobias Stüssi (links) und Benjamin Schlegel (rechts) diskutierten die Sorgen der Bevölkerung. Das Podium wurde geleitet von Martin Liebrich, stellvertretender Chefredaktor des «Zürcher Unterländers».

Tobias Stüssi (links) und Benjamin Schlegel (rechts) diskutierten die Sorgen der Bevölkerung. Das Podium wurde geleitet von Martin Liebrich, stellvertretender Chefredaktor des «Zürcher Unterländers». Bild: Heinz Diener

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«Was bereitet Ihnen am meisten Sorgen?» – Dieser Frage war am Dienstagabend ein Podium gewidmet. Eine Frau aus dem Publikum antwortete. Ihr bereiten die Politiker Sorgen, dauernd seien sie im Wahlkampfmodus: «Ich finde es grauenhaft, dass Politiker nicht mehr an Lösungen interessiert sind», sagte sie.

Mit ihrem Ärger ist die Frau nicht alleine. Das Sorgenbarometer 2018 der Credit Suisse zeigt: 45 Prozent der Befragten finden, die Politik habe versagt. Für Co-Studienleiter Lukas Golder vom Forschungsinstitut GfS Bern ist der Politikverdruss der Schweizer Bevölkerung überraschend hoch. Dennoch sei das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die Regierung im internationalen Vergleich sehr hoch. Und bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben gehört die Schweiz gar weltweit zur Spitze. Golder präsentierte die Resultate des Sorgenbarometers als Input für die anschliessende Diskussion.

Politische Parteien verlieren an Vertrauen

Der Politologe Golder hat im Niederglatter Schulhaus Eichi auch den Wandel der grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer im Laufe der Zeit kommentiert. Laut der Studie sehen sie das grösste Problem in der Altersvorsorge: 45 Prozent der Befragten nannten die AHV und die Pensionskasse ihre Sorge Nummer eins. Auf Platz zwei mit 41 Prozent folgt die Gesundheit und die Krankenkassen. Laut Goldner ein überraschendes Resultat: Über viele Jahre hinweg galt die Arbeitslosigkeit als wichtigstes Problem, im Ranking 2018 ist sie nun auf Platz 6 zurückgefallen.

Und eben: Gesunken ist auch das Vertrauen in die politischen Parteien. Goldner sieht im andauernden Wahlkampf einen Grund dafür. Sinkendes Vertrauen in die Politik, zunehmende Skepsis gegenüber den politischen Parteien: Was heisst das für die zwei Jungpolitiker Benjamin Schlegel (SP) und Tobias Stüssi (SVP)? An der Podiumsdiskussion gaben sich die beiden Katonsratskandidaten konsensfähig. Sie wollen im Kantonsrat Lösungen erarbeiten, betonten sie unisono. Ihre Antworten auf die Fragen von Moderator Martin Liebrich, stellvertretender Chefredaktor des «Zürcher Unterländer», zeigten dennoch: Gewisse Positionen sind für sie unverhandelbar.

Etwa die flankierenden Massnahmen zum Personenverkehr zwischen der Schweiz und der EU: «Da können wir nicht nachgeben», sagte der 30-jährige Schlegel. Auch für den 27-jährigen Stüssi ist klar: «Es gibt Positionen, die nicht verhandelbar sind.» Als Beispiel nannte er die Überwindung des Kapitalismus – ein Seitenhieb gegen das SP-Parteiprogramm. Also doch kein Konsens? Bei der AHV sehen der SP- und der SVP-Politiker zumindest in einem Punkt dieselbe Lösung: Das Rentenalter soll fexibler werden. Stüssi: «Ich finde es anstrengend, dass die Politik eine Zahl festschreiben will.» Jemand, der nach einer Lehre sein ganzes Leben körperlich gearbeitet habe, solle früher pensioniert werden als jemand, der nach langem Studium erst spät ins Erwerbsleben eingetreten ist.

Beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen war es dann wieder vorbei mit der Einigkeit. Schlegel ist klar dafür, denn: Durch die Digitalisierung falle weniger Arbeit an. Auch habe eine Studie aus Finnland die Finanzierbarkeit des Grundeinkommens bewiesen. Stüssi hielt dagegen: «Die Jobs würde ich umlagern. Es braucht immer Leute, die manuelle Arbeiten erledigen.» Die Finanzierung sei eine «absolute Utopie».

Kaum Chancen bei den Wahlen

Am Podium bewiesen die beiden Politiker glaubhaft: Sie wollen die Politik aktiv mitgestalten. Ein Blick auf die Listen ihrer Parteien zeigt indes: ihre Wahlchancen sind gering. Der Rümlanger Benjamin Schlegel steht auf der SP des Bezirk Dielsdorf auf Platz 10, wobei die SP des Bezirks nur einen Sitz im Kantonsrat hat. Der Politikwissenschaftler gab sich dennoch kämpferisch. Auch wenn er nicht gewählt werde, setze er sich dafür ein, der SP einen zweiten Sitz im Rat zu erkämpfen: «Die Politik der Bürgerlichen ist arrogant, darum ist es wichtig, dass die Linken im Rat gestärkt werden.»

Der Dälliker Tobias Stüssi steht auf der SVP-Liste des Bezirks auf Platz 8, dies bei 5 Sitzen im Kantonsrat. Somit sind auch die Wahlchancen des Betriebswirtschafters und Assistenten im Familienunternehmen eher gering: «Doch wer nichts wagt, kann nichts gewinnen. Darum probiere ich’s.» Die Kantonsratswahlen finden am 24. März statt.

Erstellt: 13.02.2019, 16:30 Uhr

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