Regensdorf

Madâme Dodo gibt sich adventlich die Ehre

Mit ihrem Adventsprogramm «Schneebälle im Briefkasten» waren Dodo Hug und ihr Ensemble zu Gastin der reformierten Kirche Regensdorf. Die Zuhörer erlebten einen Abend mit A-cappella-Gesang und Wortakrobatik.

Madâme Dodo Hug setzt mit ihrem Adventsprogramm Schneebälle im Briefkasten» besinnliche Akzente.

Madâme Dodo Hug setzt mit ihrem Adventsprogramm Schneebälle im Briefkasten» besinnliche Akzente. Bild: Leo Wyden

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Das Kirchenschiff ist in rot-blau-oranges Licht getaucht. Die ganze reformierte Kirche Regensdorf wirkt dadurch warm und einladend. Von den ersten Tönen des englischen Weihnachtsliedes «Deck the Halls» an füllen Dodo Hug und ihr Ensemble den Raum. Madâme Dodo, wie sie sich selbst gerne nennt und nennen lässt, sitzt in der Mitte der fünf Künstler: Yvonne Baumer, Lucy Novotny, Efisio Contini – Dodos Partner – Hans Ruchti als Erzähler und Madâme Dodo selbst. Gesanglich steht sie nicht im Mittelpunkt. Das überlässt sie vor allem Efisio Contini und Lucy Novotny. Trotzdem behält sie als «Grande Dame» die Fäden in der Hand. Und das macht sie umso präsenter.

Mit Musik einen Kontrapunkt setzen

Seit mehreren Jahrzehnten überzeugt die Musikerin und Kabarettistin Dodo Hug mit ihren Auftritten diejenigen, die sie mögen. Andere können mit ihren extravaganten, aber immer sehr nahbaren Auftritten weniger anfangen. In Regensdorf ist die grosse Mehrheit der rund 140 Zuhörer an diesem Abend begeistert. Ensprechend gibt es schon nach dem zweiten Lied einen spontanen Zwischenruf «So schön». Ja, so schön: Es ist eine tragende Klangwolke, die nur mit den a-capella-Stimmen, Gitarre oder Laute entsteht, die an und ins Herz geht und alles rundherum komplett ausblendet.

Schon lange war es ein Wunsch von Dodo Hug, einen vorweihnachtlichen Abend zu gestalten. Mit den Liedern und Balladen zur Adventszeit aus ganz Europa ist dieser in Erfüllung gegangen. Ansonsten wünscht sich Hug für Weihnachten eigentlich nichts, oder gleich eine ganze Menge: «Keine Dinge, keine grossen Geschenke, aber etwas, was doch so verdammt wichtig ist: Frieden, weniger Egoismus, Zusammensein mit Freunden, vor allem Gesundheit, einfach nicht das verrückte Zeug, das momentan auf der Welt abläuft, wie bei der Digitalisierung oder in der Politik. Weisst du, da wollte ich einen Kontrapunkt setzen», sagt Dodo nach dem Konzert.

Lausbubengeschichte als roter Faden

Als roter Faden zu den volkstümlichen Songs in deutscher, italienischer, englischer und tschechischer Sprache dient eine Lausbubengeschichte im Schnee. Deshalb auch der Programmtitel «Schneebälle im Briefkasten». Die Erzählung «A Child’s christmas in Wales» von Dylan Thomas in der deutschen Übersetzung von Hans Peter Treichler, wird an diesem Abend gelesen, gekrächzt und gemurmelt von Dodo Hug und Hans Ruchti. Mit einem Augenzwinkern wird Weihnachten aus der Sicht eines Kindes beschrieben.

Für die Zuhörer und Zuschauer ist das eine Herausforderung, mag doch nicht jeder dem schnellen zweisprachig vorgetragenen Wortwitz folgen. Dennis Zemp aus Dällikon meint: «Die Geschichte so in Deutsch und Englisch zu bringen, war mutig.» Seine Mutter Monika Zemp ist immer noch begeistert: «Das waren einfach Megastimmen.»

Dodo Hug und ihr Ensemble verstanden es in der Tat brilliant, ihre Stimmen als Instrumente einzusetzen. So spielte es auch nicht unbedingt eine Rolle, ob man die Texte wörtlich verstand. Die Emotionen waren begreif- und fühlbar: die Sehnsucht in der korsischen Version eines Chancson von Jacques Brel, die Innigkeit bei «Hallelujah» nach Leonard Cohen, bei dem das Publikum lautstark mitsang oder mitflüsterte.

Bei geschlossenen Augen wäre Efisio Contini mit seiner tragenden Stimme glatt als Francesco de Gregori durchgegangen und Lucy Novotny brillierte in ihren Solos. Irene Müller aus Zürich-Affoltern meinte im Anschluss an das Konzert: «Es war wunderbar, so schön! Ich durfte anfangs Jahr in einem Gospelchor mit Dodo mitsingen».

Und auch Werner Schneider aus Regensdorf nimmt eine schöne Erinnerung mit: «Der Abend war ein wunderbares Erlebnis.» Wer das Adventskonzert verpasst hat kann diese Woche noch ins Bernbiet reisen oder auf den nächsten Advent hoffen: Madâme Dodo Hug und Band werden das Programm 2018 nochmals eine Saison anbieten. Es sind schon verschiedene Auftritte gebucht. In der Zwischenzeit tourt sie aber ab 2018 mit einem neuen Programm.

Erstellt: 11.12.2017, 16:37 Uhr

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