Otelfingen

Manege frei für chaotischen Spass

Jeder Zoll magisch-stupid, das Vergnügen gross, die Eleganz betörend. Der Jugendzirkus Otelli versprüht zwischen den einzelnen Nummern einen Hauch von Poesie und Leichtigkeit, serviert auf dem Tablet höchster Kabarettkunst.

Die ganze Vorstellung baute auf einem wenig ­ordentlichen Kinderzimmer auf, das immer wieder aufgeräumt werden musste – und am Schluss wieder im spassigen Chaos endete.

Die ganze Vorstellung baute auf einem wenig ­ordentlichen Kinderzimmer auf, das immer wieder aufgeräumt werden musste – und am Schluss wieder im spassigen Chaos endete. Bild: Stephan Mark Stirnimann

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Am Anfang steht das Chaos. Wir sprechen jetzt nicht vom Urknall, aus dem sich das heutige Planetensystem und unsere Erde entwickelt hat. Sondern vom Jugendzirkus Otelli. Das Wirrwarr in der Manège im restlos ausverkauften Zirkuszelt präsentiert sich kurz vor der ersten Nummer in Form von wild herumliegenden Bällen, Reifen und anderen zirzensischen Gegenständen.Wer hat hier seine Hände wohl im Spiel?

Natürlich, die fünf chaotischen Clowninnen Fabienne, Jessica, Aliza, Smilla und Jael. Für das Aufräumen des «Kinderzimmers» sorgt jeweils Zirkusdirektor Fritz Zollinger mit strenger Miene, schliesslich wartet ein dichtgedrängtes Programm,das immer wieder ein «Manège frei!» braucht. Dabei ist doch ein ordentliches Chaos schön – findet vorallem Nachwuchsclown Jael, die sich so nebenbei dank einer guten «Nummer» in die Gilde der Spaasmacher hinaufarbeiten kann. Immer wieder müssen diese fünf mal beste, mal konkurrenzierenden Freundinnen mit Entscheidungen aufwarten, da es ja bekanntlich keine komplizierten Aufgaben, sondern nur komplizierte Lösungen gibt.

Das unperfekte Element, das perfekt macht

«Gerade weil es die Première ist und Kinder dabei die Hauptrolle spielen», sagt etwa Zuschauerin Lilo Mantel aus Otelfingen, «sorgen die kleinen Patzer und Unsicherheiten für wahre Lacher.» So will etwa in ihrer Lieblingsnummer Terrier-Mix «Filou» partout einfach nicht durch das doch so farbige Tunnel rennen. Hunde-Dompteuse Jessica gelingt es dann doch noch das putzige Tierchen zu hinreissenden Vorführungen zu motivieren. Bei der Rössli-Akrobatik steigen die Artistinnen noch auf samtene Plüschtiere, während nach der Pause das echte Pony «Neemee Phoo» seinen Auftritt hat. An der Loge oder am Halfter läuft Aliza und motiviert das Pony, einen ganzen Teppich aufzurollen. Dort drin eingerollt wartet die Belohnung und das aus allen Nähten platzende Zirkuszelt nimmt den Jubel und Applaus gerne auf.

Wer trumpelt denn da herum?

In der Zirkuswelt schauen die Zuschauer durch eine Art Lupe auf die Darbietungen. Was die «Grossen», im speziellen gegenwärtige Repräsentanten gewisser Länder da draussen in der weiten Welt veranstalten, kann man in einer kleinen Szene leicht verdaulich und häppchenweise dem Publikum verabreichen. So gibt es einen geschichtlichen Exkurs durch die Clown-Lupe. Hier fragt sich eine Clownin, was der Zwingli wohl so gezwänglet habe, während die andere überzeugt ist, dass Samichlaus Niklaus von der Flüe doch lieber Mandarinli und Nüssli hätte verteilen sollen. Der köstlichen Abschluss dieser kabarettistischen Einlagen findet sich in einer der letzten Nummern mit Elefant Otellino. Dieser trumpelt als wichtigtuender Elefant in Anspielung an einen Politiker im Zirkus herum und hinterlässt dabei seine Spuren.

Jessica zeigte an der Premiere Kunststückchen mit Terrier-Mix Filou.

Weniger chaotisch dafür umso verzauberter tritt das Geschwisterpaar Arvid und Edvin auf. Neben der Nummer mit der Hebeakrobatik, wo der jüngere auf dem grossen Bruder sein erstes akrobatisches Können zeigt, stellt er sich in der Magiernummer als ebenbürtigen Künstler dar. «Zirkus liegt uns im Blut, also mussten wir unsere Nummer nicht viel üben», sagen sie beide in der Pause.

Zirkusdirektor Fritz Zollinger schreibt nun seit über 30 Jahren kabarettistische Theater-Szenen und versteht es, die erwachsenen Zuschauer dort am Lachnerv zu treffen, wo sie sich als Kinder im Zirkus wiederfinden. Denn eine alte (Clown-)Weisheit lautet, dass der Otelli Jugendzirkus Jung und Alt magisch verbinden soll.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 22. September, 19 Uhr; Samstag, 23. September, 14.30 und 19 Uhr; Derniere am Sonntag, 24. September, 10 Uhr. Tickets erhältlich über tickets@otelli.ch, 076 236 81 12. Weitere Infos auf www.otelli.ch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.09.2017, 15:16 Uhr

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