Rümlang

Mauersegler-Retterin sucht dringend Helfer

Auf der Mauer- und Alpen­seglerstation herrscht derzeit Hochbetrieb. Doch es sind zu wenige Helfer da, um die Vögel genügend oft zu füttern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Silvia Volpis Tage sind derzeit lang, sehr lang sogar. Sie steht jeweils um 3 Uhr früh auf, um alles vorzubereiten. Dann gilt es, den Geschirrspüler zu leeren und in die sauberen Gläser frisches Notfallfutter, Flüssigkeiten und die nötigen, verschriebenen Medi­kamente einzufüllen. Danach behandelt sie ihre Notfallpatienten. Das sind die untergewichtigen Mauersegler und jene, die aufgrund einer Kopfverletzung an Nervenstörungen leiden. Auch Vögel mit Halsentzündungen oder traumatisierte Vögel zählen zu den Notfällen.

21 Stunden für die Vögel da

Danach kommen die anderen dran. Es gilt, Grillen zu waschen und Kisten auszumisten, kranke Vögel medizinisch zu versorgen und Therapien durchzuführen. Geprellte Gelenke müssen bewegt und Sehnen gestreckt werden. Und schliesslich gilt es, zu füttern, füttern und nochmals zu füttern. «Ein erwachsener Segler benötigt alle zwei Stunden Nahrung», weiss Volpi. Sonst werden die Vögel nervös und zappeln. Für die eigene Mahlzeit bleibt ihr da kaum Zeit. «Oft esse ich ein Stück Käse, um den Magen zu beru­higen.» Meist klingelt auch gerade dann das Telefon. Jemand will Informationen über den Mauersegler haben oder meldet einen neuen Fall. Ins Bett geht sie meist erst um 23 oder 24 Uhr, je nachdem, wann der letzte Notfall angeliefert wurde.

Hitze wird zur Todesfalle

200 Vögel wohnen derzeit in der Mauer- und Alpenseglerstation. Und täglich werden rund zehn neue verletzte oder verwaiste Tiere angeliefert. Im Sommer ist die Lage besonders prekär. Viele Jungtiere springen in der Not aus ihrer Bruthöhle, weil sich die Hitze unterm Dach gestaut hat und sie es in der kochenden Höhle nicht mehr aushalten. Einmal am Boden sind sie dem Tod geweiht. Von den Eltern werden sie nicht mehr gefüttert. Denn diese denken, die Jungen sind ausgeflogen. Die Hitzewellen der vergangenen Wochen haben daher der Station viele junge Patienten beschert. Andere Jungtiere hüpfen aus dem Nest, weil sie nicht mehr gefüt­tert werden und Hunger leiden. «Ihre Eltern sind wohl verunfallt. Vielleicht sind sie gegen eine Scheibe oder ein Auto geprallt­, sind an Tramleitungen geraten oder wurden von einem Sturm erfasst.» Die Jungtiere kommen oft sehr abgemagert in die Station. Auch viele verletzte, erwachsene Segler gelangen zu Volpi. Vögel, die einen Unfall hatten oder von einer Katze gekrallt wurden.

Helfernotstand wegen Ferien

Doch gerade jetzt in der aufgrund der vergangenen Hitzewellen strengsten Zeit fehlen Silvia Volpi wegen den Sommerferien die Helfer. Die viele Arbeit erledigt sie mit einem Team von nur zwei bis drei Leuten. Trotz ihrem grossen Engagement können sie die Vögel nicht genügend oft füttern. «Eigentlich müssten die Mauersegler fünf- bis sechsmal gefüttert werden. Am Donnerstag ­haben wir aber nur zwei Runden geschafft.» Mit Folgen: Die Vögel haben reklamiert und waren nervös. Und: «Sie nehmen sehr schnell an Gewicht ab», erklärt Volpi.

Aus diesem Grund hat sich die Rümlangerin nun entschieden, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. «Wir suchen dringend neue Helfer.» Diese müssen auch kein grosses Vorwissen mitbringen. Wichtig wäre aber eine gewisse feinmotorische Begabung. Denn Mauersegler sind am Schnabel sehr sensibel. Die falsche Handhabung kann den Schnabel schwer beschädigen. Der Mauersegler, der sich ausschliesslich von Fluginsekten ernährt, kann diese dann nicht mehr richtig fangen. Zudem sollten die Helfer ein Gefühl für Sauberkeit haben, ­erklärt Volpi. Denn die saubere Arbeit ist das A und O. Und nicht zuletzt sollten die Helfer etwas Zeit mitbringen, mindestens einen halben Tag pro Woche.

Falsches Futter ist gefährlich

Volpi appelliert auch an die Öffentlichkeit, auf keinen Fall Segler selbst zu behandeln. Die hoch spezialisierten Vögel können nur von Experten richtig gepflegt werden. «Viele informieren sich im Internet und geben dann den Seglern Eier, Brot oder Quark.» Doch solche Nahrungsmittel seien allerhöchstens für den Notfall geeignet, aber nicht für längere Zeit. Das Verabreichen von falscher Nahrung wie etwa Hackfleisch könne sogar zu schweren Gefiederschäden führen. Ebenfalls könnten Laien nicht abschätzen, ob ein Vogel unter­gewichtig ist. «Untergewichtige Segler können richtiges Futter gar nicht mehr verarbeiten, da ­ihre Organe auf ein Minimum redu­ziert arbeiten.» Solchen Seglern verabreicht Volpi ein spezielles Notfallfutter, in dem alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente enthalten sind.

Nicht in die Luft werfen

Der Appell ist dringend. Nächste Woche steigen wieder die Temperaturen und damit die Gefahr, dass Jungvögel aus ihren überhitzten Bruthöhlen springen. Diese müssten umgehend auf­genommen, in eine Schachtel mit Löchern gelegt und ohne Fütterung zur Alpen- und Mauer­segler-Rettungsstation gebracht werden. Falsch wäre es, am Boden liegende Vögel in die Luft zu werfen, sagt Volpi. Dass man Mauersegler hochwerfen soll, um ihnen den Start zu erleichtern, sei ein Mythos, der sich leider hart­näckig halte, erklärt die Rüm­lange­rin. «Ein gesunder Mauer­segler kann vom Boden aus starten», stellt Volpi klar.

Wer bei der Pflege der Mauer­segler mithelfen möchte, kann sich bei Silvia Volpi unter der Telefonnummer 079 663 71 84 melden oder per E-Mail an svolpi@berufs­kunde.com. Volpi beantwortet auch gerne SMS. Weitere Infos zu den Mauer­seglern und der Station gibt es im Internet unter Apus.tv. (zuonline.ch)

Erstellt: 15.07.2017, 08:46 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!