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Mehr Sicherheit dank weniger Wald

Der Wald östlich der Strafanstalt Pöschwies bietet Deckung für allfällige verbotene Aktivitäten. Das Amt für Justizvollzug fordert mehr Sicherheit – und will darum Bäume fällen.

Der Pöschwald grenzt unmittelbar an die Gefängnismauern und bietet damit Deckung für verbotene Aktivitäten. Jetzt sollen viele Bäume der Sicherheit geopfert werden.
Der Pöschwald grenzt unmittelbar an die Gefängnismauern und bietet damit Deckung für verbotene Aktivitäten. Jetzt sollen viele Bäume der Sicherheit geopfert werden.
Francisco Carrascosa

Als der designierte US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf den Bau einer grossen Grenzmauer versprach, sollte diese vor allem eines bezwecken: die Drogen und die Straftäter aus Mexiko von den Vereinigten Staaten fernhalten. Zumindest was die Drogen angeht, kam das Gegenargument postwendend: Pakete mit Substanzen kann man über eine Mauer werfen. Und auch für den Transport mittels einer Drohne oder eines ferngesteuerten Minihelikopters stellt eine Mauer allein kein wirkliches Hindernis dar.

Drohnen oder eben das blosse Werfen von Gegenständen sind jüngst auch im Zusammenhang mit den Mauern von Strafanstalten zum Thema geworden. Versuche, Gefängnisinsassen auf dem Luftweg unbemerkt mit Drogen, mit Geräten wie etwa Mobiltelefonen oder gar mit Waffen zu versorgen, haben sich namentlich in Deutschland gehäuft; aber auch in der Schweiz wurden Vorfälle registriert. Wie die Gratiszeitung «20 Minuten» im Sommer berichtete, vermeldet die Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf bislang zwei Fälle; wohl seien diese, so liess sich Rebecca de Silva, die Sprecherin des Amts für Justizvollzug, damals zitieren, «nur als Versuche zu werten». Man nehme die Sachlage aber sehr ernst. Daher plant Regensdorf, ebenso wie die Strafvollzugsanstalten in Lenzburg AG und Menzingen ZG, ein Detektionssystem zur Früherkennung von Drohnen zu installieren.

«Der Wald nimmt die Sicht»

Dabei lässt man es im Furttal aber nicht bewenden: Der Kanton will den äusseren Sicherheitsperimeter um die Anlage Pöschwies herum erweitern. «Wir schützen die Bevölkerung vor gefährlichen Straftätern», sagt Jessica Maise, die stellvertretende Sprecherin des Amts für Justizvollzug, «und dafür brauchen wir Rahmen­bedingungen, die der aktuellen Bedrohungssituation angepasst sind.» Konkret heisst das: Im Osten der Anlage soll Wald gerodet werden. «Die Rodung haben wir beantragt, um Distanz zu schaffen und die Einsehbarkeit ins Umgelände der JVA Pöschwies zu verbessern», führt Maise aus. «Da nimmt uns der dichte Wald die Sicht und bietet Deckung für allfällige verbotene Aktivitäten.» Auch sie nennt Drohnen und Einwürfe als Beispiele, nebst anderen «Erkenntnissen aus Vorfällen aus dem In- und Ausland».

Archäologie und Naherholung

Vorerst allerdings bleiben die Bäume noch ein ganzes Weilchen, wo sie sind. Die Erweiterung des äusseren Sicherheitsperimeters ist erst Gegenstand der Teilrevision 2016 des kantonalen Richtplans. Zwar ist der Realisierungshorizont mit «kurzfristig» angegeben, doch als richtplandeutscher Terminus ist dieses Wort dehnbar. So liegt die Teilrevision selbst noch bis Ende März öffentlich auf. Wie Markus Pfanner, Mediensprecher der Baudirektion, sagt, wird rund ein Jahr vergehen, bis nur schon der ergänzte Richtplan vom Regierungsrat abgenommen sein wird.

Danach erst folgt die Detailplanung. «Es ist also nicht so, dass morgen die Holzfäller auffahren.» Überdies ist derzeit noch nicht einmal festgelegt, wie viele Quadratmeter Wald überhaupt gefällt werden sollen. Das wiederum ist der Tatsache geschuldet, dass die Justizdirektion nicht die einzige Partei ist, die im Waldgebiet Pöschholz ein Wörtchen mitzureden hat. Einerseits stellt dieses eine archäologische Zone, andererseits ein Naherholungsgebiet dar.

Das Vorhaben bedürfe deshalb «einer Koordination der verschiedenen Interessen», wie der Regierungsrat bereits in seinem Beschluss vom 15. November 2016 festhielt. «Wir und unsere Arbeitspartner befinden uns in einem Planungsprozess, um eine optimale Lösung unter Wahrung der unterschiedlichen Interessen zu erreichen», sagt Maise. «Eine Mauer ist dabei nicht vorgesehen, sondern bisher eine Freihaltefläche, die mit einem Zaun abgeschlossen wird.» Entschieden sei aber nichts, daher könnten keine konkreteren Angaben gemacht werden.

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