Niederweningen

Mit einfachen Mitteln gegen Insektensterben

Jede und jeder einzelne kann etwas gegen den stetigen Verlust der Naturvielfalt beitragen. Dies die Botschaft des Bienenspezialisten Marcel Strub an einer Imkerversammlung. Er sei jedoch skeptisch, dass die Kehrtwende zum Guten wirklich gelingen werde.

Immenexperte Marcel Strub (links) erhält von Urs Haberstroh, dem Präsidenten des Imkervereins Bezirk Dielsdorf, eine Tafel für einen seiner Bienenstände.

Immenexperte Marcel Strub (links) erhält von Urs Haberstroh, dem Präsidenten des Imkervereins Bezirk Dielsdorf, eine Tafel für einen seiner Bienenstände. Bild: Cyprian Schnoz

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«Es muss ans Portemonnaie oder an die Gesundheit des Menschen gehen, bevor der anhaltende Trend des Biodiversitätsverlustes gestoppt werden kann. Ich bin jedoch pessimistisch, dass sich die Mehrheit der Menschen ändern wird.» Dies erklärte Imker Marcel Strub, Leiter der Fachstelle Bienen am Bildungszentrum Wallierhof im solothurnischen Riedholz, am Freitag an der Herbstversammlung des Imkervereins Bezirk Dielsdorf (IVBD). Rund 70 Imkerinnen, Imker und andere Naturfreunde waren zu seinem Vortrag in den Gemeindesaal Niederweningen gekommen.

Monokulturen und Viehzucht

Unter dem Titel «Futtermangel wegen schwindender Biodiversität – Was bedeutet das für die Bienen und andere Bestäuber» ging der 59-Jährige, der 70 Bienenvölker betreut, auf den Wandel im Ökosystem und die daraus entstehenden Folgen für Wild- und Honigbienen ein. Er erklärte den Einfluss der Gesellschaft und jener der Landwirtschaft auf diese Insekten. Schliesslich gab er auch eine ganze Reihe von Ratschlägen und Tipps, was Otto Normalverbraucher mit mehr oder weniger einfachen Massnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt beitragen kann.

«Was haben Bienen und Eisbären gemeinsam? Es ist der Futtermangel.»Marcel Strub

Die Gründe, die zur fortschreitenden Abnahme der Insektenvielfalt führen, ortet Strub im Klimawandel, in der wachsenden Weltbevölkerung und ihrer grösseren Mobilität. Aber auch die zunehmende Industrialisierung, der steigende Nahrungsbedarf, der in Monokulturen und immer mehr Viehzucht seinen Niederschlag findet, sind für Strub die wesentlichsten Faktoren für die Verarmung der natürlichen Vielfalt.

Eingeschleppte Arten

«Was haben Bienen und Eisbären gemeinsam?», fragte der Bieneninspektor. «Es ist der Futtermangel», gab er gleich selbst die Antwort. Dieser Mangel schreite aufgrund der negativen Veränderungen im Ökosystem voran. Der Klimawandel führe nicht nur dazu, dass es trockener werde, er begünstige auch die Ausbreitung von Krankheiten und das Aufkommen von neuen Pflanzen- und Tierarten in Gegenden, in welchen sie früher nicht vorkamen und überleben konnten.

Als Beispiele nannte Strub die eingeschleppten Schädlinge Kirschessigfliege, Japankäfer und Mittelmeerfruchtfliege, die grossen Schaden in der Landwirtschaft anrichten können. Der Teufelskreis setze sich dann fort, indem diese Schädlinge mit Insektiziden bekämpft würden, die auch den Bienen und vielen anderen Insekten zum Verhängnis würden.

Schädlicher Konsum

Die Entwicklung neuer Sorten von Mais oder Raps, die kaum noch Nektar und Pollen produzieren, sei für die Insekten verheerend. Blumenwiesen seien selten geworden und das gegenüber früher viel häufigere Mähen lasse kaum Pflanzen aufkommen, die den Insekten als Nahrungsquellen dienen. «Die für Insekten wertvolle Pflanzen wie Kerbel, Bärenklau, Wiesensalbei oder Esparsette sind heutzutage aus den Wiesen verschwunden», erklärte Strub. «Aus den Wiesen sind grüne Wüsten geworden», kritisierte der Referent.

Die naturwidrige Produktion der industriellen Landwirtschaft hänge mit dem Konsumverhalten der Wohlstandsgesellschaft direkt zusammen. Die Nachfrage nach möglichst billigen Lebensmitteln aus der ganzen Welt und zu jeder Jahreszeit, Saison hin oder her, bestimme das Angebot in den Supermärkten. «Die billigsten Lebensmittel werden am bienenfeindlichsten produziert», sagte Strub. Zudem würden ein Drittel der Lebensmittel verschwendet.

Tote Hausgärten

In den Hausgärten herrsche der Putzwahn. Sterile englische Rasen, Mähroboter, der stark überdosierte Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden sowie die Gartengestaltung mit fremdländischen Pflanzen, ja sogar mit invasiven Neophyten, würden zum Insektensterben beitragen. Und wo die Insekten fehlen, verarme auch die übrige Tier- und Pflanzenvielfalt.

Gestalte man seinen Garten jedoch naturnah mit Kleinstrukturen, Wiesenblumen, Teichen und einheimischen Sträuchern, könne man einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Auch solle man Nachbarn, Gemeinden, Schulen, Förster und Landwirte animieren, es ebenso zu tun.

Erstellt: 25.11.2018, 15:16 Uhr

Gutes Honigjahr

Der Imkerverein Bezirk Dielsdorf kann auf ein gutes Honigjahr zurückblicken, wie Präsident Urs Haberstroh an der Herbstversammlung in Niederweningen erklärte. Pro Bienenvolk konnten durchschnittlich 28,3 Kilogramm Honig geerntet werden. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 23,2 Kilogramm. Im Unterland fiel vor allem die Frühlingsernte sehr gut aus. (cy)

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