Regensdorf

«Mit mir gehen die Männer oft höflicher um»

Als erste Frau im Kanton wurde Florence Roth Mitte Dezember Chefin einer Gemeindepolizei. Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei ihren Kollegen erfährt sie grosse Akzeptanz.

Florence Roth ist in ihrem neuen Job in Regensdorf als Chefin der Gemeindepolizei angekommen.

Florence Roth ist in ihrem neuen Job in Regensdorf als Chefin der Gemeindepolizei angekommen. Bild: Balz Murer

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Prinzessin sein und Barbiepuppen ankleiden? «Mit den Jungs Fussball spielen und auf alle Bäume klettern war als Kind schon eher mein Ding», erzählt Florence Roth. Dabei war Polizistin nicht von Anfang an ihr Traumberuf, sondern wurde es erst später auf Umwegen.

«Ich bin glücklich in meinem Beruf und bereue meine Entscheidung nicht.»

Florence Roth absolvierte nämlich die Diplommittelschule und erlernte den Beruf der Technischen Operations- und Notfallassistentin. Später holte sie berufsbegleitend die Matura nach und studierte acht Semester Medizin.

Nach dem ersten Staatsexamen stand sie eines Tages zufällig einem Plakat der Kantonspolizei gegenüber, mit welchem Polizeinachwuchs gesucht wurde. «Das ist es!», beschloss sie. Ein Job mit freiem Tagesablauf und Kontakt zu Menschen. Warum nicht ein Beruf bei einer Blaulichtorganisation als Garant für Abwechslung?

Um die Jahrtausendwende startete sie also ihre Polizeikarriere. «Wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, würde ich wohl das Medizinstudium fortsetzen. Aber ich bin glücklich in meinem Beruf und bereue meine Entscheidung nicht», erklärt sie.

Steile Polizeikarriere

Nach bestandener Aufnahmeprüfung erwarb sich Florence Roth ein Jahr lang Wissen in Strafrecht und Psychologie, lernte Schiessen, Selbstverteidigung und Rettungsschwimmen. Nach dieser Ausbildung leistete sie zunächst Sicherheitspolizeilichen Einsatzdienst in der Kaserne.

Ein Jahr später folgte ein kurzer Ausflug zur Polizeistation im Hauptbahnhof Zürich, dann zur Staatsanwaltschaft. «Im Büro hat es mir zwar auch gefallen, aber irgendwie zog es mich in den Aussendienst», erklärt sie. Und so wechselte Florence Roth als Gruppenchef Stellvertreter zur Stadtpolizei Aarau und übernahm später den Posten Gruppenchef Stellvertreter der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal.

«Viele wissen gar nicht, wie vielfältig unser Aufgabengebiet ist.»

2018 bewarb sie sich auf ein Inserat der Gemeinde Regensdorf, als diese gerade einen Polizeichef Stellvertreter suchte. Offizieller Arbeitsbeginn war der 1. September 2018, per 1. Januar 2019 wurde sie zur Polizeichefin befördert, weil sich Vorgänger Harry Kühn beruflich verändern wollte. «Polizeichefin ist bei der Gemeindepolizei die höchste Funktion. Lediglich vom Dienstgrad her kann ich mich noch bis zum Oberleutnant steigern», erklärt sie.

«Viele wissen gar nicht, wie vielfältig unser Aufgabengebiet ist», sagt Florence Roth und nennt auch gleich ein aktuelles Beispiel. So meldete Ende Februar ein Automobilist via Verkehrsleitzentrale der Kantonspolizei Zürich, dass ein Esel auf der Neuen Dällikerstrasse im Bereich der Antischleuderschule auf der Strasse herumläuft. Die aufgebotene Patrouille der Gemeindepolizei Regensdorf fing das Grautier ein und begleitete es zurück ins Gehege.

Alkohol geht nicht

Im Moment arbeitet Florence Roth hauptsächlich im Büro. Hier macht sie für ihr siebenköpfiges Team die Dienst- und Ferienplanung und erledigt administrative und organisatorische Arbeit. Aber weil die Polizeichefin den Kontakt zu Menschen schätzt, wird sie sich so viel wie möglich unter die Leute mischen. «Am besten natürlich zu Fuss», sagt sie, denn so wird man am ehesten angesprochen.

Oft drehen sich die Gespräche ums Thema Bussen. «Es ist auch wirklich ärgerlich, wenn man eine bekommt», erklärt sie. Ob sie selbst schon einmal eine Busse eingefangen habe? «Natürlich. Ein Konzert in Zürich dauerte länger als geplant, und ich überschritt die Parkzeit.

«Gute Polizisten müssen abschalten können und auch einmal privat sein.»

Und Geschwindigkeitsbussen habe ich auch schon erhalten. Natürlich wurmt mich das. Aber was für alle gilt, gilt auch für die Polizisten», sagt sie und schmunzelt. Ein Thema, bei dem sie allerdings gar keinen Spass versteht, ist Alkohol am Steuer. «Das geht überhaupt nicht.»

Grosse Akzeptanz

Gelegentlich hört man an Stammtischen, wie beherzt Männer gegenüber weiblichen Ordnungshütern auftreten. «Jägerlatein! Vielmehr stelle ich fest, dass Männer mit mir oft höflicher umgehen als mit meinen männlichen Kollegen», erklärt sie. Jedenfalls spüre sie grosse Akzeptanz sowohl im Team, als auch von den «Kunden». «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus», ist sie überzeugt.

«Zudem müssen gute Polizisten abschalten können und auch einmal privat sein», sagt Florence Roth. Selbstverständlich nerve es sie auch in ihrer Freizeit, wenn jemand abbiegt, ohne den Blinker zu betätigen, oder auf der Autobahn rechts an ihr vorbeifährt. «Aber ich käme nie auf die Idee, mich da irgendwie einzubringen.»

Erstellt: 06.04.2019, 08:53 Uhr

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