Regensdorf

Mit Simulator bereit für Herausforderung

Lernfahrausweis bereits für 17-Jährige? Der Bundesrat will es. Die Vernehmlassung läuft. Im Ausland arbeitet man schon mit dem System, hierzulande macht man sich parat. Zum Beispiel mit Fahrsimulatoren.

Fabio Critelli aus Buchs sitzt zum ersten Mal hinter dem Steuer – und muss gleich einen Crash verdauen.

Fabio Critelli aus Buchs sitzt zum ersten Mal hinter dem Steuer – und muss gleich einen Crash verdauen. Bild: Balz Murer

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In Frankreich sind begleitete Lernfahrten mit dem Auto ab17 Jahren möglich, doch nicht einmal 30 Prozent der Jugendlichen profitieren. Nur wer Eltern mit Auto und Geld hat, kann sich Lernfahrten leisten. «In der Schweiz sollten wir eine Lösung für alle haben», betont Beat Schwendimann, Mitinhaber der Regensdorfer Fahrschule Koch.Der Bundesrat plant nämlich, das Alter für begleitete Lernfahrten von 18 auf 17 Jahre herabzusetzen.

Dazu gibt es viele Meinungen und Interessengruppen. Die Befürworter, allen voran Verkehrsministerin Doris Leuthard, betonen, dass mehr Praxis auch mehr Sicherheit bedeutet. «Aber ist es sinnvoll, noch früher noch mehr Jugendliche auf die ohnehin überlasteten Strassen zu schicken?», fragen sich die Skeptiker, die im Moment in der Überzahl sind. Laut einer Leserumfrage der Zeitung «20 Minuten» finden es lediglich 35 Prozent der Befragten eine super Idee, wenn Jugendliche bereits mit 17 Jahren begleitet ans Steuer dürfen.

In Beat Schwendimanns Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits ist er der Meinung, dass mehr Fahrroutine mehr Praxis und damit mehr Sicherheit bedeutet. «Praxis ist eine gute Sache. Je mehr man davon hat, desto besser fährt man Auto», sagt er und fährt fort, «wir betreuen Jugendliche ab 14 Jahren für die Töffliprüfung und begleiten jährlich rund 500 Erwachsene bis zum Fahrausweis. Dabei stellen wir fest, dass jedes Lebensjahr ein Mehr an ­Reife und Verantwortungsbewusstsein bringt.» Für den Profi ist deshalb klar: Ja zu mehr Fahrpraxis, aber der Sicherheit und der Umwelt zuliebe erst ab 18 Jahren auf der Strasse.

Schweizweit die Ersten

Deshalb hat die Fahrschule Koch, für den Gegenwert eines Mittelklassewagens, einen Fahrsimulator gekauft. «Wir sind die Ersten in der Schweiz, die über diese ­neuste Generation verfügen», sagt Schwendimann. Dass der Simulator auch den ökologischen Aspekt erfüllt, dürfte Doris Leuthard in ihrer Funktion als Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) zusätzlich freuen, und der Fahrlehrer erklärt schmunzelnd, dass er am liebsten die Bundes­rätin persönlich zu einer Lektion im Simulator einladen würde.

«Nachhaltigkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit sind in unserer Branche überlebenswichtig.»Mario Koch, Mitinhaber Fahrschule Koch

Ein günstiges Rendez-vous, denn eine Lektion am Simulator kostet nur etwa einen Drittel einer Fahrstunde im Auto. Ein Verlustgeschäft fürs Unternehmen? Mario Koch, Mitinhaber der Fahrschule, winkt ab. «Nachhaltigkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit sind in unserer Branche überlebenswichtig», sagt er. Ausserdem sei das technische Wunderwerk auch hilfreich, wenn es darum ginge, Fahrpraxis zu erhalten oder wiederzuerlangen, zum Beispiel nach einer längeren Lenkerpause.

Natürlich kann auch dieser die Praxis auf der Strasse nicht ganz ersetzen. Koch sagt weiter: «Es ist einfach eine weitere Möglichkeit.» Ob er als Fahrlehrer für die Herabsetzung der Altersgrenze sei? «Bis 12 Jahre oder 150 Zen­timeter Körpergrösse sitzt man im Kindersitz, mit 17 am Lenkrad. Ich persönlich mache hinter diese Feststellung ein grosses Frage­zeichen», sagt er und fügt hinzu: «Trotzdem – wir sind im Prinzip bereit für die Herausforderung.»

Eine erste Lektion

Florian Gsell und sein Kollege Fabio Critelli machen gerade ihre ersten Fahrversuche am Simulator der Fahrschule. Die beiden18-jährigen Buchser sind vorher noch nie am Steuer eines Autos gesessen. Die erste Lektion beginnt deshalb gleich mit einem Dämpfer. «Du hast den Motor ­abgewürgt», sagt die Stimme aus dem Simulator.

Florian schluckt, dreht den Schlüssel erneut. Im richtigen ­Leben würde jetzt wohl auf der Kreuzung ein Hupkonzert losgehen. Zugegeben, es ist nur ein ­Simulator, doch immerhin ist der junge Lenker jetzt bereits in der Lage, virtuell den Motor zu starten und am Berg anzufahren. Er spürt den Schleifpunkt der Kupplung, er fährt im dritten Gang durch die 30er-Zone.

Jetzt setzt sich Fabio ans Steuer. Bei ihm wird die Computerstimme gleich bemängeln, dass er den Seitenblick beim Abbiegen vergessen hat. Eine Kamera überwacht nämlich die Blickrichtung und mischt sich ein. Der Simulator ist knallhart. Erst wenn alles korrekt läuft, lobt er. «Das hast du gut gemacht», sagt die Stimme dann auch, bevor er ins neue Level startet. Das Rütteln beim Crash vorhin hat Fabio überlebt, und als sein Fahrzeug eine Mauer touchierte, bekam er beim Schleifen und Klirren wohl feuchte Hände. Jedenfalls geht er seitdem spürbar auf Nummer sicher. Risiko ist unangenehm, auch im Simulator.

Nach der Fahrt ziehen die beiden Kollegen eine erste Bilanz. «Eine prima Sache. Ich bin erstaunt über meine Fortschritte», sagt Florian, und Fabio stelltfest, dass er im virtuellen Raum seine Reflexe optimal trainieren konnte. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.09.2017, 17:20 Uhr

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