Kaiserstuhl/Fisibach

Naturspaziergang zum Kriegsbunker

Um Natur und Geschichte ging es an der Exkursion des Naturschutzvereins Bachsertal vom vergangenen Freitagabend.

Der Kriegsbunker an der Mündung des Fisibachs gehört Hans Kohler aus Endingen.

Der Kriegsbunker an der Mündung des Fisibachs gehört Hans Kohler aus Endingen. Bild: Barbara Stotz Würgler

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Endpunkt der rund zweitstündigen Wanderung war eine gemütliche Feuerstelle an der Mündung des Fisibachs. Unweit davon, über einen Steg über den Rhein erreichbar, steht ein Kriegsbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, welcher Hans Kohler alias «Bunker-Hausi» aus Endingen gehört und der zeitweise auch von ihm bewohnt wird.

Zur Stärkung erhielten die Teilnehmer eine auf dem Feuer zubereitete Suppe. Nach dem Imbiss offerierte «Bunker-Hausi» Interessierten einen exklusiven Einblick in seine mit zwei Meter dicken Betonmauern versehene Zweitwohnung, auf dessen Dach regelmässig Enten brüten.

Schulhaus als Naturparadies

Zwei Stunden zuvor: Rund 20 interessierte Frauen und Männer besammelten sich beim Schulhaus Kaiserstuhl. Auf Einladung des Naturschutzvereins Bachsertal wollten sie auf der Exkursion «Wo Natur auf Geschichte trifft» mehr über die Gegend rund um Kaiserstuhl und Fisibach erfahren. Schon der Ausgangspunkt des Spaziergangs, das Schulhaus Kaiserstuhl, welches seit rund zehn Jahren nicht mehr als Oberstufenschulhaus genutzt wird, ist eine Oase für Kleinlebewesen, wie Ambros Ehrensperger, Präsident des Naturschutzvereins Bachsertal, erläuterte: Die seltene Schwarze Mörtelbiene haust hier in kleinen Lehmhöhlen an der Fassade und die Zwergfledermäuse fühlen sich wohl in Rollladenkästen und anderen Hohlräumen. Ausserdem wurden rund um die Schulanlage Naturwiesen angelegt. «Beim Schulhaus hat es alles, was Wildtiere brauchen können», so Ambros Ehrensperger.

«Der Bau ist ideal für die Natur. Hier leben Schleiereulen, Fledermäuse und Wildbienen.»Ambros Ehrensperger, Präsident des Naturschutzvereins Bachsertal über das ehemalige Bleiche-Gebäude.

Vom Schulhaus aus ging es einige Hundert Meter weiter zum «Blöleboden». Das Naturschutzgebiet auf Fisibacher Seite ist Lebensraum für Zauneidechsen, Ringelnattern oder Kreuzkröten. Der nächste Halt kam beim Gedenkstein für Oberleutnant Rolf Fehlmann, der am 26. Oktober 1943 sein Leben verloren hatte. Darüber, warum und von wem der Winterthurer durch Gewehrschüsse niedergestreckt worden war, ranken sich zahlreiche Mythen.

Nach einem steilen Abstieg durch den Wald wurde im Gebiet Studenland die Bleiche sichtbar, in welcher früher Textilien aufgehellt wurden. Heute ist das leerstehende Gebäude das Zuhause zahlreicher Tiere. «Der Bau ist ideal für die Natur», erklärte Ambros Ehrensperger, «hier leben Schleiereulen, Fledermäuse und Wildbienen.»

Neue Konzession beantragt

Kurz bevor Hans Kohler die Suppe servierte, erhielt Thomas Häfeli, Betriebsleiter des Kraftwerks Reckingen, das Wort. Er nutzte die Gelegenheit, um über die beantragte Neukonzessierung zu berichten. Das Kraftwerk produziert seit 1941 Strom aus Wasserkraft. Da die Konzession im nächsten Jahr ausläuft, befassen sich die Betreiber seit 2014 mit nötigen Massnahmen, die für den Erhalt einer neuen Bewilligung nötig sind. «Bei der Erteilung der Neukonzessionierung geht es vor allem um die Natur», führte Thomas Häfeli aus. Unter anderem sei die Fischwanderung ein grosses Thema, daneben müssten auch zahlreiche Renaturierungsprojekte realisiert werden.

Auf Interesse stiessen auch die Ausführungen von Ambros Ehrensperger zum Schloss Schwarzwasserstelz. Die ab Mitte des 19. Jahrhundert unbewohnte Wasserburg wurde 1875 verkauft und abgerissen. Die Baumaterialien wurden für den Bau eines Bahntunnels verwendet. Der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, verewigte das Schloss Schwarzwasserstelz in seiner Novelle «Hadlaub».

Derart inspiriert von Geschichte und Natur, blieben einige Exkursionsteilnehmer noch lange bei der Mündung des Fisibachs sitzen, um nach Einbruch der Dunkelheit Glühwürmchen zu beobachten.

Erstellt: 24.06.2019, 14:27 Uhr

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