Regensberg

Weitere Felsbrocken könnten auf den Parkplatz hinunterstürzen

Die Felswand, aus der im Mai grosse Steine herausbrachen, ist weiterhin instabil. Geologen raten zu Sicherungsmassnahmen. Der Gemeinderat bringt aber noch eine weitere Idee ins Spiel.

Aktuell sieht es beim Parkplatz Schneggi in Regensberg nach Baustelle aus. Zudem bringen die blockierten Parkfelder keine Einnahmen für die Gemeindekasse.

Aktuell sieht es beim Parkplatz Schneggi in Regensberg nach Baustelle aus. Zudem bringen die blockierten Parkfelder keine Einnahmen für die Gemeindekasse. Bild: © Geotest AG / Gemeinde Regensberg

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Der Bericht ist Wasser auf die Mühlen des Gemeinderats: Vom Aspekt der Sicherheit her könne der Bau des Parkhauses wärmstens empfohlen werden, schreiben die Geologen, welche die Kalksteinwand in Regensberg nach dem Felssturz vor gut zwei Monaten beurteilt haben. «Mit einer geeigneten Bauweise kann die Gefährdung komplett eliminiert werden.»

Am 23. Mai um etwa 22.15 Uhr hatten sich Brocken von der Grösse einer Waschmaschine aus der Wand gelöst und waren auf die parkierten Autos heruntergedonnert. Ein Personenwagen wurde dabei komplett zertrümmert. Seither ist der bergseitige Teil des Parkplatzes Schneggi abgesperrt.

Damit die Firma Geotest aus dem luzernischen Horw die Risiken weiterer Felsstürze abklären konnte, mussten die Pflanzen am Felsen zuerst gerodet werden. Nach einer ersten Einschätzung am Tag nach dem Ereignis waren sie am 17. Juni nochmals für eine gründliche Analyse vor Ort.

Akut absturzgefährdet

Die Fachleute haben noch viele weitere, zum Teil akut absturzgefährdete Steine und Blöcke beobachtet. Bereits beim Rütteln von Hand seien Felsblöcke wiederholt sogar an intakt wirkenden Stellen zerbrochen. «Es wurde klar, dass der Zustand schlechter ist als ursprünglich angenommen und dass mit weiteren, vergleichbaren Ereignissen gerechnet werden muss», schreiben die Fachleute. Auf der Talseite, wo auch nach dem Sturz weiterhin Autos stehen, sei zwar höchstens mit Gesteinssplittern zu rechnen. Doch direkt unter der Wand wären Fahrzeuge und Personen ohne Massnahmen gefährdet.

Neben dem Bau des Parkhauses sehen die Geologen drei weitere Möglichkeiten, um die Sicherheit zu gewährleisten: Die günstigste Variante wäre das Beibehalten des jetzigen Zustands mit der Absperrung. Wegen des unschönen Erscheinungsbildes raten die Gutachter jedoch davon ab. Zudem könnten weitere Abbrüche zu Landverlusten in den darüberliegenden Gärten führen.

Eine weitere Option ist die umfangreiche Abtragung von Gestein in der oberen, zum Teil überhängenden Felspartie. Auch damit könnten die Gärten etwas kleiner werden. Danach würden grössere Körper mit Ankern gesichert, am Fuss der Wand eine Mulde ausgehoben und ein zwei Meter hoher Damm errichtet. Diese Massnahmen kommen auf rund 55 000 Franken zu stehen. Weil das Risiko damit nicht vollständig beseitigt werden kann, empfehlen die Geologen das zusätzliche Anbringen eines Maschendrahtgeflechts. Die Gesamtkosten schätzen sie auf 160000 Franken.

Dies ist dem Gemeinderat zu teuer. «Es macht keinen Sinn, so viel Geld auszugeben für eine provisorische Massnahme», sagt Gemeindepräsident Gregory Turkawka. Er rechnet damit, dass das Parkhaus in zwei bis drei Jahren erstellt werden kann und möchte deshalb nach einem Abtrag an der Felswand nur ein provisorisches Netz anbringen. Dieses könne man für rund 25000 Franken mieten, sagt Turkawka. Die Option sei mit den Geologen abgesprochen worden.

Kanton macht Ausnahme

Ob das vierstöckige Parkhaus mit knapp 120 Plätzen – gut 65 mehr als heute – aber wirklich kommt, ist noch nicht ganz so sicher. Denn auf der Talseite grenzt ein Wald dicht ans Grundstück. Eigentlich ist ein Abstand von 15 Metern zum Waldrand vorgeschrieben. Doch nun habe der Kanton signalisiert, dass er im Fall von Regensberg eine Ausnahmebewilligung erteilen werde, sagt Turkawka. Gemäss Pressestelle der Baudirektion wird das Gesuch hingegen erst Ende August behandelt.

Zudem müssen die Stimmberechtigten das Projekt mit Kosten von rund 2,5 Millionen Franken zuerst genehmigen. Wenn man sich in Regensberg etwas umhört, wird aber deutlich, dass die Bevölkerung nicht vorbehaltlos hinter den Plänen steht – obwohl sich kaum jemand öffentlich äussern will. Man kennt sich im kleinen Dorf und möchte sich keine Feinde schaffen.

Teuer und umweltschädlich

Einige halten das Projekt für zu teuer und dem Ortsbild des denkmalgeschützten Städtchens nicht zuträglich. Zudem fragen sie sich, ob es in Regensberg überhaupt mehr Parkplätze brauche. Es gebe bereits mehrere unterirdische Parkmöglichkeiten, ruft Josef Harder in Erinnerung. Der 90-Jährige wohnt direkt oberhalb der betreffenden Felswand und scheut sich nicht vor einer Stellungnahme gegenüber dem ZU.

«Für die Einwohner hat es genügend Parkplätze. Und die meisten Touristen benutzen den Bus», sagt Harder, der regelmässig Führungen macht. In Zeiten der Klimaerwärmung sei eine Investition in den motorisierten Individualverkehr sowieso fehl am Platz, findet Harder. Viel besser würde man den öffentlichen Verkehr ausbauen – zum Beispiel mit kleineren, aber häufigeren Bussen.

Bei der Ausarbeitung des konkreten Parkhaus-Projekts wird eine Begleitgruppe aus der Bevölkerung mitarbeiten. Der Gemeinderat möchte an der Gemeindeversammlung vom Dezember darüber abstimmen lassen.

Erstellt: 04.08.2019, 17:01 Uhr

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