Neerach

«Post-Heiri» feiert seinen 450. Waffenlauf

Er läuft und läuft und läuft… Heiri Gehring aus Neerach hat am Wochenende in Muri seinen 450. Waffenlauf absolviert. Gefeiert wurde der Ex-Posthalter, wie ein Weltmeister.

Der Neeracher Heiri Gehring nimmt auch noch mit 73 Jahren an Waffenläufen teil, am Wochenende in Muri zum 450. Mal.

Der Neeracher Heiri Gehring nimmt auch noch mit 73 Jahren an Waffenläufen teil, am Wochenende in Muri zum 450. Mal. Bild: Werner Bucher

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Mit Transparenten, Lärminstrumenten und Hopp-Heiri-Rufen schickte eine Hundertschaft mitgereister Fans den 73-jährigen, Heiri Gehring auf die 14, 8 Kilometer lange Strecke des 18. Waffenlaufes in aargauischen Muri. Auf seinem linken Oberschenkel trug er die spezielle Startnummer 450, was bedeutete, dass er seinen 450. Waffenlauf absolvierte. Kein anderer Wehrsportler hat bisher so viele Läufe bestritten, wie Gehring. Deshalb gilt er in dieser typischen Schweizer Sportart als Weltmeister oder hat mindestens einen Eintrag in das Guinessbuch der Rekorde verdient.

Gehring erinnert sich an seine Anfangsphase: «Als ich 1965 nach der Rekrutenschule beim Train meinen ersten Waffenlauf absolvierte, habe ich nie daran gedacht, dass es einmal so viele Läufe werden. Ich bin überglücklich, dass ich nach einer Herzoperation im letzten Herbst nun den 450. Laufen konnte. Ich gebe zu, ich musste bei dieser misslichen Wetterlage schon etwas leiden, aber meine Fans haben mich beflügelt.»

Von der Tochter begleitet

Mit dabei in Muri war auch seine Tochter Astrid, die ihren 12. Waffenlauf bestritt und betonte: «Mein Vater motiviert mich für den Sport. Jetzt halte ich ein Auge auf ihn.» Seite an Seite mit Gehring hat auch der Neeracher Gemeindepräsident Markus Zink Dutzende von Waffenläufen bestritten und meinte vor dem Start schmunzelnd: «Früher waren wir gleich schnell, jetzt gleich langsam.» Auf das Mitmachen und nicht mehr auf den Rang kommt es dem Trio beim jedem Waffenlauf an.

Zum Wehrsport kam Gehring durch seine Brüder, die ihn damals dazu verdonnerten, den 32 Kilometer langen Reinacher zu laufen. «Wir trugen noch die schweren Marschschuhe und mussten noch schiessen», sagt Gehring. Den Karabiner hat er noch immer auf seiner Packung aufgeschnallt. Sie wiegt nun nur noch 6,3 Kilo und nicht mehr 7,5 Kilo wie früher. Auch das Schuhwerk ist mit der Zeit gegangen, statt der schweren Ordonanzschuhen sind nun Turnschuhe erlaubt. Gefragt nach seiner Lieblingsstrecke, sagt der ehemalige Posthalter von Neerach (1984-2005): «Den Krienser, weil er nur 18 Kilometer lang ist.» Diesen Waffenlauf hat er 40 Mal in Folge absolviert, wie auch die Militärwettmärsche von Reinach, Thun, Zürich und St. Gallen. Als Königsdisziplin und anspruchsvollsten Lauf bezeichnet Gehring den Frauenfelder, der über die Marathondistanz von 42 Kilometer führt. «Auf dieser langen Strecke, die ich 37 Mal bewältigte, muss jeder Wettkämpfer seine Kräfte einteilen, sonst geht er unter», sagt Post-Heiri, wie er respektvoll im Dorf genannt wird.

Bundesrätliche Anerkennung

Aufgegeben hat er noch nie, aber einmal war er nahe dran: « Es war 1967 als wir von Le Locle nach Neuenburg laufen mussten, hatte es auf der Vue des Alps so viel Schnee, dass wir hintereinander auf einem schmalen Pfad hochstapften.»

Die Leistung von Gehring als jahrzehntelanger, unermüdlicher Waffenläufer wurde auch von dem damaligen Militärchef Ogi und Schmid anerkannt und gelobt, wie es zwei Schreiben in Gehrings Wohnung dokumentieren. Hunderte von Medaillen von Waffen- und Volksläufen füllen seine Vitrinen. Pokal und Zinnbecher, von Läufen wie die 100 Kilometern von Biel, zeugen von Gehrings Einsätzen, wie auch eine Hellebarde, die er für seinen 250. Waffenlauf erhielt. In Muri kam jetzt ein spezieller Pokal mit einem vergoldeten Läufer dazu.

Kurz vor seinem 450. Einsatz meinte Gehring: «Ich denke schon langsam darüber nach, dass ich bald einmal aufhören könnte. Meine Frau, die mich ständig unterstützt, hat mir schon die rote Karte gezeigt.» Die Unterstützung seiner Fans und der grosse, privat organisierte Empfang am Abend in der Neeracher Mehrzweckhalle wischten diese Gedanken allerding rasch weg und Post-Heiri liess sich zu den Klängen des Musikvereins, wie ein Weltmeister feiern. (zuonline.ch)

Erstellt: 02.09.2018, 15:27 Uhr

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