Neerach

Poststelle ist bald nur noch Geschichte

Nach 165 Jahren schliesst die Post auch ihre Filiale in Neerach und wandelt sie in eine Agentur im Volg um. Die Gründe legte Netzstellenleiter Primus Hartmann an einer Informationsveranstaltung dar, konnte aber die meisten Besucher nicht vom neuen Konzept überzeugen.

Ab 1895 befand sich das Post-Bureau Neerach an der Kaiserstuhlstrasse 3 und wurde bis 1914 durch die Postkutsche/Schlitten bedient.

Ab 1895 befand sich das Post-Bureau Neerach an der Kaiserstuhlstrasse 3 und wurde bis 1914 durch die Postkutsche/Schlitten bedient. Bild: VVN/Brogle

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach Stadel, Steinmaur, Schöfflisdorf, Wil, Opfikon, Dänikon und Höri fällt im Sommer auch die Postfiliale Neerach der Reduktion der Unterländer Poststellen zum Opfer. 75 Personen interessierten sich im Mehrzweckgebäude für die Informationen der Postvertreter, die ihre Ausführungen gekonnt, weil schon oft, vortrugen.

Roger Walser, Leiter des Verkaufsgebietes Zürich-Nord sprach vom Wandel der Post und dem veränderten Kundenverhalten. So zeichnete er auf, dass seit 16 Jahre schweizweit die Briefpost um 63 Prozent, die Paketpost um 42 Prozent und die Einzahlungen um 37 Prozent abgenommen haben. Auf die Poststelle 8173 Neerach bezogen waren im letzten Jahr täglich nur 157 Einzahlungen, 430 Briefe, 57 Pakete zu verzeichnen, was eine vergleichsweise geringe Nutzung der Filiale sei.

«Prominenter» Protest im Saal bleibt nicht aus

Diese Argumente nahm der bekannte Waffenläufer und legendäre «Postheiri» Gehring nicht einfach hin und rief hochemotional: «Mä chönnt meine, mir seigid fuuli Cheibe gsi.» Gehring und seine Frau Margrit führten die Poststelle von 1984 bis 2016 und haben nach eigenen Angaben immer wieder für Rekorde-Umsätze gesorgt. Auch andere Votanten kritisierten die Angaben aus dem Jahre 2015 und betonten, dass es in der Post immer wieder zu Wartezeiten gekommen sei, weil so viele Kunden am Schalter waren. Heiri Gehring: «Durch die Schliessung der umliegenden Poststellenkamen neue Kunden nach Neerach.»

Primus Hartmann, Spezialist für Zugangspunkte, zeigte Verständnis für die Reaktionen aus dem Publikum, fuhr aber unbeirrt fort, die Vorzüge einer Agentur zu preisen. Vor allem die längeren Öffnungszeiten, einfachen Abläufe und das gleichzeitiges Einkaufen. Postmässig können die Kunden an einem Modul die gewünschte Dienstleistung, Briefe und Pakete, so wie Gemüse oder Früchte, mit einer Etikette versehen und an der Kasse bezahlen.

Diese Ankündigung rief den Protest einer Briefmarkenliebhaberin auf: «Mit dieser Frankierung geht eine Kultur verloren. Was soll ich nun mit meinen schönen Briefmarken machen?» Hartmann beruhigte: «Natürlich kann man auch weiterhin Briefmarken verwenden. Wir verkaufen sie auch, allerdings nicht mehr in so einem reichhaltigen Angebot wie früher.»

SchwachpunktZahlungsverkehr

Der Zahlungsverkehr ist der Schwachpunkt im neuen Postsystem. So können Kunden nur noch 500 Franken in bar beziehen und Einzahlungen nur mit der PostFinance Card oder Kreditkarten bezahlen. In der anschliessend lebhaft geführten Diskussion erwähnten mehrere Personen, dass sie deshalb ihr Geld von der Post abziehen werden.

Weiter wurde auch die Post-Kompetenz des Verkaufspersonals in Frage gestellt. Hartmann wies darauf hin, dass die Poststellen für alle Dienstleistungen in Niederglatt und Dielsdorf gut erreichbar seien. Der Neeracher Gemeinderat hat, wie Präsident Markus Zink in seinem Grusswort erklärte, gegen eine Umwandlung nichts einzuwenden, »… zumal nüchtern festgehalten werden muss, dass auf Grund der klaren Rechtslage eine Schliessung nicht verhindert werden kann.»

Neerach bekam seine erste Post im Jahre 1852, als die Strasse von Niederglatt nach Stadel gebaut wurde. 1912 wurde die Ablage zum Post-Bureau erhoben. Acht Jahre später wurden Gemeindekanzlei und Post unter einem Dach vereint. Seit 1984 befindet sich die Post im Anbau zum geschlossenen Restaurant Sternen. Ab diesem Sommer wird der Volg im Riedpark die neue Anlaufstelle der Postkunden sein.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 24.03.2017, 15:18 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!