Oberglatt

Ruine stammt nicht aus dem Mittelalter

Die kleine Ruine im Oberglatter Ortsteil Hofstetten stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern ist höchstens 120 Jahre alt. Das haben Nachforschungen der Kantonsarchäologie ergeben.

Die Archäologen fanden im Archiv der Kantonalen Denkmalpflege Fotos der Ruine. Diese wurden im Jahr 1965 aufgenommen.

Die Archäologen fanden im Archiv der Kantonalen Denkmalpflege Fotos der Ruine. Diese wurden im Jahr 1965 aufgenommen. Bild: pd

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Ende September des vergangenen Jahres titelte der ZU: «Rätselhafte Ruine über der Glatt». Es handelt sich um eine eng von Bäumen und Büschen umrankte Baute aus grösseren und kleineren Bruch- und Blocksteinen. Das Dach ist beinahe komplett zerfallen und an den Bauelementen um den Eingang und die beiden Fensteröffnungen erkennt auch ein Laie, dass im Verlauf der Jahre wiederholt am Gebäude herumgewerkelt und -geflickt worden ist.

Archäologen auf dem Platz

Für den Oberglatter Historiker Roman Bont drängte sich der Verdacht auf, es könnte sich um ein Bauwerk aus dem späten Mittelalter, so um 1550, handeln. Die Bauweise mit den verschiedensten Steingrössen legte ihm diesen Schluss nahe. Dass auch «moderne» Backsteine und ein paar Dachziegel verbaut waren, interpretierte er dahingehend, dass am Gebäude immer wieder Reparatur- und Abänderungsarbeiten vollzogen worden sein müssen.

Bont gelangte an die Baudirektion des Kantons Zürich und dort an die Abteilung Archäologie und Denkmalpflege. Diese erklärte sich bereit, die Hofstetter Ruine zu untersuchen. Die Gebäudereste wurden fotografiert, dokumentiert und eingemessen. Danach stellten die Archäologen Nachforschungen im Archiv der Kantonalen Denkmalpflege und im Staatsarchiv Zürich an.

Nun hat die Kantonsarchäologie ihren Bericht verfasst. Die Fachleute unter Projektleiterin Anna Kienholz kommen darin zum Schluss: «Die Ruine über der Glatt entpuppte sich als ein um 1898 erbauter Heuschopf.» Dabei stützten sie sich auch auf alte Geografiekarten, wie beispielsweise die Siegfriedkarte, wo das Gebäude erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts verzeichnet ist. Der ehemalige Heuschopf habe «mit grosser Wahrscheinlichkeit» zum nahe gelegenen Bauernhaus aus dem Jahr 1788 gehört.

«Im Staatsarchiv wird neben dem Bauernhaus ein Schopf mit Stall aufgeführt», heissts im neunseitigen Bericht der Kantonsarchäologie. Dabei müsse es sich um die fragliche Ruine handeln. Zudem seien im Fotoarchiv der Kantonalen Denkmalpflege in der Archivmappe zum erwähnten Bauernhaus «überraschenderweise Fotos vom Heuschopf zum Vorschein gekommen». Diese Aufnahmen seien im April 1965 entstanden. Darauf seien auch Heureste zu sehen, was die Nutzung als Heuschopf bestätige.

«Aufgrund der Grösse ist es durchaus möglich, dass im Gebäude einige Tiere untergebracht wurden und das Gebäude als Schopf und Stall genutzt wurde», schliessen die Fachleute aus ihren Recherchen. Die Baute sei wohl im Verlauf der Zeit unterschiedlich genutzt worden. Um die jüngste Jahrhundertwende diente sie als Hühnerstall, wie Oberglatter Einwohner zu berichten wissen.

Zu weit vom Haus weg

Der Oberglatter Roman Bont weiss die Arbeit der Kantonsarchäologie zu schätzen. Dennoch überzeugen ihn die Schlussfolgerungen nicht vollends. «Es macht nicht Sinn, dass ein Heuschober so weit vom Bauernhaus entfernt stehen sollte, und auch die relativ geringe Grösse des Baus – 8,8 Meter lang, 4,7 Meter breit – wäre für die Lagerung von Heu kaum ausreichend», erklärte der Historiker auf Anfrage.

Aber er werde das Thema jetzt auf sich beruhen lassen. «Für mich hat sich die Sache erledigt», sagte Bont.

Erstellt: 15.01.2019, 16:07 Uhr

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