Niederhasli

Schule wird nur für ihr Französisch gerügt

Das Volkschulamt weist praktisch alle Vorwürfe der Beschwerdeführer zurück. Bemängelt werden lediglich die Leistungen in Französisch der Seehaldeschüler.

<b>Seit Monaten kämpfen?</b> besorgte Eltern und Sympatisanten gegen das Schulmodell SOL, wie hier bei einer Demonstration im letzten November. Obwohl das Volskschulamt ihre Kritikpunkte für haltlos erklärt, wollen sie nicht aufgeben und erwägen bereits weitere Schritte. (Archivbild)

Seit Monaten kämpfen? besorgte Eltern und Sympatisanten gegen das Schulmodell SOL, wie hier bei einer Demonstration im letzten November. Obwohl das Volskschulamt ihre Kritikpunkte für haltlos erklärt, wollen sie nicht aufgeben und erwägen bereits weitere Schritte. (Archivbild) Bild: Archiv ZU

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Wäre der Bericht des Volschulamtes zur Beschwerde gegen die Schulpflege Niederhasli-Niederglatt-Hofstetten (Niniho) ein Zeugnis, so dürften die Schulverantwortlichen der Sekundarschule Seehalde grosse Freude haben. Das Amt hat praktisch nichts auszusetzen. Am 10. Dezember 2015 reichten 52 Personen eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Schulpflege der Sekundarschule Niederhasli-Niederglatt-Hofstetten (Niniho) ein.

Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen die Unterrichtsform des Selbstorganisiertes Lernen (SOL), welche unter anderen Formen seit Sommer 2013 an der Seehalde praktiziert wird und gegen die Kommunikation der Schulverantwortlichen. Das Volksschulamt (VSA) des Kantons Zürich befindet nun, dass sämtliche Vorwürfe nicht zutreffen würden und leistet der Beschwerde nicht Folge. Dies nachdem der Rechtsdienst alle eingereichten Unterlagen der Beschwerdeführer eingehend überprüft habe und die Stellungnahme der Sekundarschulpflege zu allen Beschwerdepunkten eingeholt habe.

Stoffliche Lücken lassen sich nicht verhindern

Abgeschmettert wird etwa der Vorwurf der ungenügenden Kommunikation. Die Schule habe ihre Kommunikationsbemühungen anlässlich der Einführung von SOL belegen können. Das VSA stuft sie als genügend ein. Die Rekurrenten bemängelten auch, dass selbst bei guten Sek-A-Schüler generell eklatante stoffliche Lücken vorlägen. Das Amt gibt zu bedenken, dass schlechte Prüfungsergebnisse und Motivationsprobleme nicht alleine auf ein pädagogisches Konzept zurückgeführt werden können. Dass stofflichen Lücken bei einzelnen Schüler auftreten können, lasse sich nicht verhindern. Die Resultate der sogenannten Stellwerktests würden aber belegen, dass das Qualitätsmanagement der Schule funktioniere. Kritisiert wurde auch das iPad als Arbeitsmittel. Anfangs seien darauf nur gespielt worden. Das VSA schreibt dazu, dass der konkrete Einsatz des iPads nicht überprüft werden könne. Generell hält es zum Einsatz von iPads fest, dass diese zeitgemäss seien und die Lust am Lernen fördern könnten.

Die Beschwerdeführer beanstandeten auch das Fehlen von Frontalunterricht und befürchteten eine Überforderung der Schüler durch SOL. Hier verweist das VSA auf die Methodenfreiheit und hält fest: «Solange SOL nicht isoliert als einzige Methode praktiziert wird, ist daran rechtlich nichts zu beanstanden.» Auch könnten kooperatives Lernen oder diverse andere Lernformen ebenso effektiv wie Frontalunterricht sein. Die Schule habe belegen können, dass leistungsschwechere Schüler durch SOL nicht benachteiligt worden seien und dass Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen eine entsprechende Unterstützung erhalten haben.

Des weiteren habe die Schule belegen können, dass der Lehrplan und die Lektionentafel eingehalten worden seien und dass viel unternommen worden sei, um die Schüler auf die Berufswahl vorzubereiten.

Bessere Resultate in Französisch gefordert

Lediglich an den Leistungen in Französisch übt das VSA Kritik. Es sei wünschenswert, dass die Schule diese Ergebnisse analysiere und die Bestrebungen im Fach Französisch intensivire, damit die Resultate besser würde, heisst es im Schreiben. Schulpflegepräsident Philippe Chappuis räumte bereits in einem früheren Interview im Januar mit dem ZU ein, dass die Resultate bei den Stellwerktests im Fach Französisch um 5 Prozent schlechter ausgefallen seien als früher. Man habe nun den Unterricht nochmals unter die Lupe genommen und Anpassungen entwickelt. So soll zum Beispiel in Zukunft dem Dialog mehr Platz eingeräumt werden. Denn die Schüler würden im Bereich Ausdruck eher Schwächen zeigen, erklärt Chappuis nun auf Anfrage.

Ansonsten habe er den Bericht mit Freude gelesen. Ein Grund zum sich jetzt zurückzulehnen, sei dies jedoch nicht, auch wenn das VSA keine Fehler oder Verstösse feststelle. «Es gibt immer Punkte, die man weiter verbessern kann. Auch sonst muss sich eine Schule stets weiterentwickeln und sich den Schülern verknüpft mit dem gesellschaftswandel anpassen», sagt er.

IG will das Amt mit neuen Beweisen konfrontieren

Weniger Freude löst das Schreiben bei der IG Niniho aus, aus deren Reihen die Aufsichtbeschwerde kam. «Wir sind mit der Stellungsnahme des VSA absolut nicht zufrieden, da nicht recherchiert, überprüft und vor Ort kontrolliert wurde», schreibt die IG. Statdessen höre man die bereits bekannten Voten der Schulleitung und Schulbehörde. In den Antworten werde etwa darauf verwiesen, dass Chemie und Physikunterricht gemäss Lehrplan stattgefunden hätten. «Wir haben mindestens vier Zeugnisse von 3. Sekundarschülern zum Beweis, die weder eine Physik-, noch eine Chemienote enthalten! Wir werden das VSA mit dieser Tatsache konfrontieren», heisst es im Schreiben weiter. Auch würden stoffliche Lücken in den Fächern Deutsch und Französisch schöngeredet. Die IG wolle sich mit den Antworten nicht zufrieden geben. man werde sich nun weitere Schritte überlegen und nochmals an die nationalen Medien gelangen.

Zur Vorgehensart des Volkschulamtes hält Amtsleiter Martin Wendelspiess fest: «Die Aufsichtsbeschwerde ist grundsätzlich ein schriftliches Verfahren. Sämtliche uns vorliegenden Unterlagen, insbesondere auch die der Beschwerdeführenden, wurden genau angeschaut und beim Entscheid berücksichtigt. Schilderungen zu früheren Ereignissen könnten im übrigen auch nicht mit einem Augenschein verifiziert werden.» Dies sei allerdings auch nicht relevant, da es in einer Aufsichtsbeschwerde darum gehe zu überprüfen, ob Behörden und Staatsangestellte rechtlich korrekt gehandelt haben, was aufgrund der Unterlagen geklärt werden konnte, wie der Amtsleiter fortfährt.

Erstellt: 24.04.2016, 15:19 Uhr

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