Oberglatt

Schwache Bäume gefährden die Sicherheit

Zahlreiche Eschen sind von einem Pilz befallen, der für die Erkrankung der Bäume verantwortlich ist. Bevor sie plötzlich kippen und Schaden anrichten, sind Fachleute im Einsatz, um sie zu fällen.

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Die Symptome der Eschenwelke, die das Absterben der Bäume verursacht, sind nicht zu übersehen. Im Dickloo-Wald in Oberglatt zum Beispiel fallen die typischen Verfärbungen an den Ästen und am unteren Stammende auf. Revierförster Michel Kern ist zusammen mit Markus Lehmann, Vorarbeiter Gemeindewerk Oberglatt, unterwegs, um die von der Krankheit befallenen Eschen zu lokalisieren. «Im Juni und Juli letzten Jahres haben wir die Bäume beurteilt», sagt Kern. «In zahlreichen Baumkronen waren die Blätter verwelkt. Das sieht aus, wie wenn eine Zimmerpflanze zu wenig Wasser bekommen hat.»

Faule Wurzeln wegen Hallimasch

Die kranken Eschen sind mit einer leuchtend grünen Farbe markiert. Grund für diese Eschenwelke ist ein Pilz, der falsches weisses Stengelbecherchen heisst. Gefährdet sind Eschen jeden Alters. Kern demonstriert an einem jungen Baum, was passiert, wenn die Wurzel durch den sekundären Pilzbefall des Hallimasch faul wird. Mit wenigen ruckartigen Bewegungen löst er mit blossen Händen eine junge Esche aus der Erde. Gefährliche Exemplare müssen zur Sicherheit der Waldnutzer gefällt werden.

Nach der Ulme jetzt die Esche

Nach dem Ulmensterben in den 1970er Jahren, ebenfalls wegen eines Pilzbefalls, drohen jetzt die Eschen aus den Wäldern zu verschwinden. «Das bestrifft nun schon die zweite Edelbaumart. Die ersten kranken Exemplaren sind in Oberglatt vor etwa drei Jahren umgefallen. «Die Eschenwelke beschränkt sich nicht auf unser Gemeindegebiet», präzisiert der Förster. «Sie ist überall in der Schweiz verbreitet.» Im Hardwald zwischen Bülach und Eglisau zum Beispiel, seien letztes Jahr zahlreiche kranke Eschen gefällt worden.

«Der Anteil dieser Baumart beträgt volumenmässig im Dickloowald bis 60 Prozent», sagt Lehmann. Neigen sich die Bäume gegen einen Waldweg, eine Strasse, befinden sie sich bei einer Feuerstelle oder einem Platz für die Waldspielgruppe, kann es gefährlich werden. «Wir haben den Auftrag, den gemeindeeigenen Wald zu pflegen und die Sicherheit der Menschen, die sich dort aufhalten, so gut wie möglich zu gewährleisten», sagt Lehmann.

Der Dickloo-Wald ist ein Waldstück im Dorf. «Wir sind stolz auf dieses Naherholungsgebiet, das wie ein Park ist», sagt Lehmann. Es werde von den Einwohnerinnen und Einwohnern für verschiedene Zwecke genutzt. «Deshalb ist der Sicherheitsaspekt sehr wichtig.»

Beobachten und bei Bedarf handeln

Kern und Lehmann kennen sich aus im Wald. Während ihres langjährigen Einsatzes haben sie vieles gesehen und erkennen neu auftretende Abweichungen sofort. Die sogenannte Nekrose, eine Verfärbung am Stamm und an den Ästen von Eschen, deutet auf den Pilzbefall hin.

Manche Bäume können noch ein paar Jahre überleben bis die Wurzeln irgendwann morsch werden und die Verankerung im Boden nur noch sehr schwach ist. Bei anderen schreitet der Zerfall rascher voran, vor allem junge Pflanzen verlieren schnell an Bodenhaftung. Massnahmen zum Schutz der Eschen vor dem Pilzbefall sind bisher keine bekannt. «Chemikalien dürfen wir im Wald ohnehin nicht einsetzen», sagt Kern. Die beiden Fachmänner vertrauen darauf, dass sich die Natur irgendwann selber reguliert.

Auch im Solachten-Wald Richtung Rümlang sind zahlreiche Stämme grün markiert. Einige Bäume liegen am Boden, der morsche Wurzelstock ist ebenfalls ausgerissen. «Für diesen Wald ist die Gemeinde nicht zuständig», sagt Kern. «Er gehört einem privaten Besitzer.» Trotzdem hat sich der Förster wegen der Sicherheit auch in den Privatwäldern umgesehen und eine entsprechende Information an die Eigentümer verschickt. «Mehr können wir nicht tun», sagt er. Ob und wie die problematischen Bäume entfernt werden, entscheiden die Besitzer.

Erstellt: 12.02.2019, 15:37 Uhr

Eschenwelke

Der für das Eschentriebsterben verantwortliche Krankheitserreger wurde vermutlich Anfang der 1990er Jahre mit Pflanzenmaterial aus Ostasien nach Europa eingeschleppt. 2008 wurde die Eschenwelke erstmals im Grossraum Basel festgestellt.

Die Pilzsporen des falschen weissen Stengelbecherchens infizieren im Sommer die Blätter, die vom Vorjahr auf dem Boden liegen. Die Sporen werden mit dem Wind verbreitet und können so gesunde Eschenblätter an den Bäumen befallen. Von dort dringt der Erreger in die Triebe vor, es entstehen Rindennekrosen. Die Infektionsstelle ist an der bräunlichen Verfärbung zu erkennen. Von dort aus werden grössere Äste und bei jungen Eschen auch der Stamm infiziert.

Teilweise dringen die Sporen direkt in die Rinde und verursachen Stammfussnekrosen. Diese werden durch eine Verfärbung sichtbar. Als Folge kann sich ein weiterer Pilz, der Hallimasch, in den Wurzeln festsetzen, sodass diese morsch und damit schwach werden. Ausser den Nekrosen deutet eine Verlichtung der Baumkrone durch abgestorbene kahle Triebe auf die Eschenwelke hin. Bei einem Befall reagiert der Baum mit Ersatztrieben und sogenannten Wasserreisern, dünne Ästchen, die nach oben zeigen, den Verlust an Trieben zu kompensieren. Die betroffenen Bäume sterben entweder innerhalb weniger Jahre stehend ab oder verlieren ihre Stabilität und fallen um. (bag)

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