Oberglatt

Sondermüllanlage soll bald weniger stinken

Den Eberhard-Unternehmungen geht die Arbeit nicht aus: Nach Ende der Arbeiten in der Deponie Kölliken ­wollen sie in Oberglatt andere Altlasten behandeln. ­Diese sollten weniger übel riechen.

In den Hallen der Firma Eberhard in Oberglatt wird auch nach der Sanierung der Sonderdeponie Kölliken weiter Sondermüll sortiert. Bild: Archiv ZU

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In der riesigen Halle wühlen Baggerschaufeln in grossen Haufen schwarzer Gesteinsbrocken. Lastwagen kippen ihre Ladungen auf den Boden, Förderbänder transportieren das Material über verschiedene Stockwerke zu den diver­sen Verarbeitungsstationen. Im Bodenannahmezentrum Oberglatt (Bazo), welches die Eberhard-Unter­nehmungen im Dorfteil Hof­stet­ten betreibt, wird emsig gear­beitet. Dies, obwohl sich die Sanierung der Sonder­müll­depo­-nie im aargauischen Kölliken dem ­Ende zuneigt.

Von dort stammte der allergrösste Teil des Materials, das bisher in Oberglatt sortiert und weiter verarbeitet wurde. In den letzten viereinhalb Jahren, seit die ­eigens dafür gebaute Anlage in Betrieb ist, seien etwa 350?000 Tonnen angeliefert worden, sagt Geschäftsleitungsmitglied Ste­fan Eber­hard. Der überwiegende Teil davon per Bahn. Doch seit Anfang Juli sanieren die SBB ein Gleis ­ bei Kölliken, weshalb die letzten Ladungen in Lastwagen nach Ober­glatt gelangen.

Zwar sei der deponierte Sondermüll nun abtransportiert, sagt Stefan Eberhard. Doch nun würden noch natürliche Schichten der alten Tongrube abgetragen. Auch Felsstücke werden aus­gebrochen und analysiert, ob sie ebenfalls kontaminiert sind. Die Behandlung dieses Materials wird die Oberglatter Firma voraussichtlich noch bis im kommenden März beschäftigen.

Firma will auf Altlasten umsteigen

Danach wird sie sich um Aufträge von anderen Standorten bewerben. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt gibt es in der Schweiz rund 38?000 belas­tete Areale. Davon wurden über 1000 bereits als sanierungsbedürftig eingestuft. An über 10?000 weiteren Standorten muss noch abgeklärt werden, ob sie schäd­liche Einwirkungen auf die Umwelt oder die Gesundheit haben könnten. «Wir haben eine einmalige Anlage mit einer neuen Technologie gebaut, die auch für solche Aufgaben bestens taugt», ist Eberhard überzeugt.

Im Bazo sind rund 20 Personen beschäftigt. Nachdem die Baggerfahrer das Gestein auf Förderbänder geladen haben, lesen Mitarbeitende in Schutzanzügen grössere Verunreinigungen wie etwa Plastik, Textilien oder Batterien von Hand her­aus. Ein gros­ses ­Magnet in Form einer Walze sortiert Eisen und andere Metalle aus. Diese werden rezykliert. Brennbare Bestandteile gelangen in die Kehrichtverbrennungsanlage. Der Rest – beim Material aus Köl­li­ken rund 60 bis 70 Prozent des Anfanggewichts – wird nach Holland gefahren, wo er bei Temperaturen von 600 bis 800 Grad Celsius behandelt wird. Eigentlich könnte man es nun wieder ­ für Bauten verwenden, sagt Stefan Eberhard. «Doch im Fall von Köl­li­ken hat man sich dazu entschieden, es nicht in den Kreislauf zurückzubringen.» Deshalb wird es in Holland deponiert.

Das Material, das künftig in Ober­glatt verarbeitet wird, werde sich wohl etwas anders zusammensetzen als jenes aus Köl­li­ken, sagt Bereichsleiter Patric Van der Hae­gen. Es könnte zum Beispiel aus Abfallgruben stammen, wie sie bis in die 70er-Jahre zahlreiche Gemeinden betrieben, bevor es genügend Kehrichtverbrennungsanlagen gab. Van der Hae­gen geht davon aus, dass damit auch das Geruchsproblem weiter entschärft wird. «Es sollte daher nicht mehr der typische Kölliken-Geruch entstehen.»

Nur noch wenige stören sich am Geruch

Sowieso habe sich die Si­tua­tion markant verbessert, da die Firma diverse Massnahmen getroffen hat. Zum Beispiel wurde die gedeckte Bahneinfahrt verlängert, sodass beim Umladen weniger ­Gase in die Umgebung entweichen. Auf der Webseite der Gemeinde, wo Anwohner Immissionen melden können, ist die Anzahl Einträge in den letzten zwei Jahren markant zurückgegangen. An warmen Tagen scheint der ­Geruch stärker zu stören. So ­waren im April und Mai je drei Meldungen verzeichnet worden, im Dezember und Juni jedoch keine einzige.

Unter Leitung des Amts für ­Abfall, Wasser, Ener­gie­ und Luft (Awel) fanden letzten Monat nochmals Begehungen mit Testpersonen statt. Ein abschliessender Bericht über die Geruchsentwicklung ist im Herbst zu erwarten. Dass sich die Bevölkerung nicht mehr so stark gestört fühlt wie noch vor zwei Jahren, könnte man gemäss Van der Hae­gen auch daran erkennen, dass sich nur ­wenige für den geplanten Informationsanlass vom vergangenen Mittwoch angemeldet haben. Er wurde deshalb abgesagt. Die nächste Orientierung wird die Firma voraussichtlich im Herbst durchführen.

Erstellt: 13.07.2015, 08:51 Uhr

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