Regensdorf

Muss die Fröschegrueb auferstehen?

Der Konflikt um das historische Bauernhaus Fröschegrueb geht nach dessen Abbruch weiter. Der Zürcher Heimatschutz hat vor Gericht mit einer Beschwerde gegen eine Bewilligung für einen Ersatzneubau recht ­erhalten.

So sah die Fröschegrueb im Juli 2015 aus, ehe das Gebäude einen Monat später abgerissen wurde. Das Zürcher Baurekursgericht ist nun auf eine ­Beschwerde des Zürcher Heimatschutzes gegen eine Bewilligung für einen Neubau eingetreten.

So sah die Fröschegrueb im Juli 2015 aus, ehe das Gebäude einen Monat später abgerissen wurde. Das Zürcher Baurekursgericht ist nun auf eine ­Beschwerde des Zürcher Heimatschutzes gegen eine Bewilligung für einen Neubau eingetreten. Bild: Archiv

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Nach jahrelangem Seilziehen mit dem Zürcher Heimatschutz liess der Besitzer, der Buchser Architekt Thomas Palmy, mit Einwilligung der Gemeinde das historische Gebäude im Regensdorfer Dorfkern im August 2015 abreissen. Dieser Aktion vorausgegangen ist ein verfahrener Streit zwischen dem Besitzer und der Gemeinde Regensdorf einerseits sowie dem Zürcher Heimatschutz andererseits. Gestritten wurde um die Schutzwürdigkeit des Objekts, um den Unterhalt des zerfallenden Holzhauses und um die Sanierungspläne und später die Neubaupläne des Besitzers.

«Das ist mehr als dreist»

Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren mehrere Rechtsverfahren in Sachen Fröschegrueb hängig, was den Präsidenten des Zürcher Heimatschutzes, Martin Killias, zur Ankündigung von weiteren rechtlichen Schritten veranlasste. Das Grundstück ge­gen­über der reformierten Kirche Regensdorf ist seither mit Gittern und Holzverschlag gegen unerlaubten Zutritt abgesperrt. Am 15. Dezember 2015 hatte der Gemeinderat die Baubewilligung für den Ersatzneubau erteilt. Laut Gemeindepräsident Max Walter hätte man die Bewilligung schon früher gesprochen, es seien nur noch kleine Anpassungen nötig gewesen.

Die Baubewilligung hat wieder­um den Zürcher Heimatschutz auf den Plan gerufen. Er reichte Beschwerde gegen den Ersatzneubau ein. Martin Killias begründete: «Es sind drei Verfahren hängig, und der Gemeinderat gibt die Baubewilligung. Das ist mehr als dreist. Der Gemeinderat setzt sich einfach über die hängigen Verfahren hinweg.» (Ausgabe vom 9. Februar) Wie der Zürcher Heimatschutz gestern mitteilte, hat er nun vom Zürcher Baurekursgericht recht erhalten. Dass das Gebäude derart verlottert sei, dass es schliesslich baufällig war und wohl tatsächlich abgerissen werden musste, gehe einzig und allein auf den pflichtwidrig unterlassenen oder jedenfalls ungenügenden Unterhalt durch den Grundeigentümer zurück, schreibt das Gericht in einem Urteil vom 18. Februar. Es ordnet den originalgetreuen Wiederaufbau (Rekonstruktion) der wesentlichen Teile des abgerissenen Baudenkmals an. Zudem wirft es dem Eigentümer schwere Pflichtverletzungen vor. Es rügt auch den Gemeinderat von Regensdorf und will, dass die ganze Angelegenheit von der Baudirektion des Kantons Zürich geprüft wird.

Unterschiedliche Auslegung

Martin Killias zeigt sich über das Urteil erfreut. Das Gericht bestätige, was der Heimatschutz schon seit Jahren den Gemeindebehörden vorwerfe: «Nämlich, dass sie – Hand in Hand mit dem Besitzer des Baudenkmals – ihre Pflichten sträflich vernachlässigt haben.»

Regensdorfs Gemeindepräsident sieht das auf Anfrage anders. Er und der Gemeinderat müssten das Urteil erst einmal im Detail anschauen und dann weiter entscheiden. «Ich sehe dem aber im Moment locker entgegen. Meiner Meinung nach steht im Urteil nichts anderes, als wir erwartet haben.» Der Gemeinderat habe die Baubewilligung unter dem Vorbehalt der laufenden Rechtsverfahren erteilt. «Für uns ist auch klar, dass nicht gebaut werden kann, solange die Verfahren nicht abgeschlossen sind», sagt Walter weiter. Und: «An einen originalgetreuen Wiederaufbau glaube ich nicht.»

Das Urteil des Baurekursgerichts kann vor Verwaltungsgericht angefochten werden. Egal welche Schritte jetzt eingeleitet werden, eines ist bereits klar: Das letzte Wort um die Fröschegrueb scheint definitiv noch nicht gesprochen zu sein.

Erstellt: 21.02.2016, 21:11 Uhr

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