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Standortentscheide unter Beschuss

Die Gemeinderäte von Hüntwangen, Wil und Wasterkingen wollen ihre Zustimmung zu einer Sekundarschule in Eglisau noch nicht geben. Zuerst soll die Bevölkerung über die möglichen Standorte diskutieren, wie sie an einer Infoveranstaltung sagten. An dieser gab auch die Zentralisierung der Primarschule zu reden.

Der mögliche Sekstandort Schlafapfelbaum auf der nördlichen Rheinseite von Eglisau stösst auf Skepsis bei Rafzerfeldern, wie an der Veranstaltung von Montag in Wil klar wurde.
Der mögliche Sekstandort Schlafapfelbaum auf der nördlichen Rheinseite von Eglisau stösst auf Skepsis bei Rafzerfeldern, wie an der Veranstaltung von Montag in Wil klar wurde.
Archiv Sibylle Meier

Wer am Montag an die Informationsveranstaltung der Schule Unteres Rafzerfeld (SUR) in Wil kam, brauchte einen langen Schnauf. Die Schulbehörde startete bei der Gründung der SUR im Jahr 2007, und bis zur Pause war nicht klar, inwiefern die Veranstaltung die Zukunft der Schule beleuchten würde. Ein Ausblick war in der Einladung versprochen worden.Nach dem Unterbruch aber wurde Klartext gesprochen. Die Behörde habe am 21. Februar dieses Jahres Folgendes beschlossen: Es soll so zeitnah wie möglich ein zentraler Standort für die Primarschulen der Gemeinden Hüntwangen, Wil und Wasterkingen und ein zentraler Standort für die gemeinsame Sekundarschule mit der Gemeinde Eglisau realisiert werden. Mit diesen Massnahmen will die SUR Kosten senken: «Im Vergleich zum kantonalen Mittel sind wir extrem teuer», sagte SUR-Präsidentin Anne Rusconi. Man müsse 30 000 Franken pro Schüler und Jahr ausgeben. Rusconi befürchtet, dass der Kanton Mittel streichen könnte. Dies wiederum bedeute weniger Personal.

«Wir haben uns vor der Verantwortung gedrückt»

Für die Primarschule präferiert die Behörde ein Zentrum auf dem Areal des Schulhauses Landbüel in Wil – dies mache sowohl pädagogisch als auch finanziell am meisten Sinn. Denn die SUR müsste insgesamt 20,5 Millionen Franken in die Hand nehmen, um die in die Jahre gekommenen Schulgebäude in den einzelnen Gemeinden instand zu setzen. Auch brachte die Behörde die höheren Unterhaltskosten bei mehreren Standorten an und betonte, dass die grösste Schülergruppe aus Wil komme und so einen kurzen Schulweg hätte. Für den Standort spreche weiter, dass er sonnig sei und unmittelbar an einer Strasse liege.

Voraussetzung für den Primarschulstandort Wil ist, dass die Sekundarschule mit Eglisau nicht dort zu stehen kommt. Der Zweckverband, der sich aus Mitgliedern der Eglisauer Schulpflege und der SUR zusammensetzt, bevorzugt das Gebiet Schlafapfelbaum in Eglisau. Um diesen Standort weiterzuverfolgen, ist ein Eintrag im Richtplan nötig, den die Gemeinderäte der SUR-Gemeinden sowie von Eglisau beantragen müssen. An der Veranstaltung aber betonten die Gemeindepräsidenten von Hüntwangen, Wil und Wasterkingen, dass sie den Antrag so lange nicht stellen werden, bis die Bevölkerung sich zur Standortfrage äussern könne.

Der Gemeindepräsident von Wil, Peter Graf, fasste zusammen, worum es den Gemeinden bei einem vorläufigen Nein zum Richtplaneintrag geht: Man wolle verhindern, dass das Projekt in Eglisau vorangetrieben werde, obwohl die Bevölkerung in den Rafzerfelder Gemeinden womöglich gegen diesen Standort sei. «Wir haben uns vor der Verantwortung gedrückt, jedoch wollten wir zunächst wissen, was das Volk will.» Die Bevölkerung könne zum Beispiel das Landbüel in Wil bevorzugen. Inwiefern und in welcher Form sie sich äussern können wird, ist noch unklar.

Kritik am Standort Eglisau äusserte Alt-Schulpräsident Ernst Kraft aus Wil: «Unseren Schülern mutet man eine Verlegung zu, jedoch wäre diese in Eglisau kaum durchsetzbar.» Kraft betonte, dass sich die Rafzerfelder nicht mit dem Standort zufriedengeben müssten. So sei es vorstellbar, dass aktive Stimmbürger eine Initiative für die Auflösung des Zweckverbands lancierten – für diese sind 200 Unterschriften nötig. Bei der Annahme des Zweckverbands seien die nun vorgelegten Informationen nicht vorhanden gewesen. «Keiner wusste, was die Konsequenzen sind.» Weiter sprach er eine mögliche Zusammenarbeit mit Rafz an. Die SUR-Leitung betonte, dass Rafz derzeit nicht interessiert sei. Die Gemeinde nehme gerade ihre eigene Schulraumplanung vor.

SUR und Zweckverband müssen Vorgehen beraten

Bedenken äusserten Votanten unter anderem wegen eines nicht vorhandenen alternativen Plans. So sagte Marco Heller aus Wil: «Die Standortfrage kommt injeder Versammlung auf. Ich befürchte, dass sehr viel Geld verplant wird, wir aber am Schluss bei einem Nein-Votum zum Standort vor einem Scherbenhaufen stehen.»

Ernst Kraft kritisierte einen «Kahlschlag der Schulhäuser» und Millionenausgaben für neue Gebäude. Als ehemaliger Schulpräsident glaube er nicht daran, dass neue Schulräume die beste Schule hervorbrächten. Auch Matthias Hauser, Gemeindepräsident von Hüntwangen und Lehrer, sprach sich für eine dezentrale Variante aus, obwohl diese etwas teurer sei: «Ich favorisiere ein Modell, bei dem die Schüler im Dorf bleiben.» Der pädagogische Wert sei grösser. Marcelle Guerra von der SUR entgegnete, dass auch jetzt Schüler die Schulhäuser wechseln müssten. Man dürfe zudem den pädagogischen Wert nicht unterschätzen, den ein zentrales Schulhaus biete. Auch Peter Graf gab zu bedenken, dass andere Varianten als die präferierte infrage kommen.

Nachdem die Veranstaltung bereits über drei Stunden gedauert hatte, wurde die Diskussion für beendet erklärt. Nun werden die SUR und der Zweckverband das weitere Vorgehen beraten, wie Zweckverbandspräsidentin Marianne Fröhlich am Rande der Veranstaltung sagte.

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