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Störche machen im Winter auf Frühling

Trotz der Kälte denken die Störche schon an den Frühling. Nur so ist erklärbar, dass sie die Horste im Neeracherried und in Steinmaur bereits jetzt in Beschlag genommen haben.

Das Storchenpaar verbringt viel Zeit auf dem Horst beim Neeracherried.
Das Storchenpaar verbringt viel Zeit auf dem Horst beim Neeracherried.
Sibylle Meier

Der Weissstorch ist ein Zugvogel. Das heisst, er verbringt den Winter in südlichen Gefilden, wo sich noch genügend Nahrung finden lässt. Eigentlich ist der stolze Vogel ein Langstreckenzieher, der im Herbst in Gebiete südlich der Sahara fliegt – oder besser gesagt segelt, denn er nützt die Aufwärme, um sich tragen zu lassen. Da diese Thermik über dem Meer fehlt, ziehen viele Störche über Spanien und wechseln den Kontinent bei Gibraltar.

Sesshafte Störche

Im Verlauf der Jahre haben aber immer mehr dieser Langschnabligen festgestellt, dass es sich auch im Süden der Iberischen Halbinsel gut überwintern lässt. Andere wiederum machen sich erst gar nicht Mehr die Mühe, die Strapazen des Zugs auf sich zu nehmen. Sie bleiben hier. Offensichtlich reicht ihnen das Nahrungsangebot, was wiederum auf ein wärmeres Klima hinweist. Und da der Weissstorch als Nahrungsopportunist so ziemlich alles frisst vom Regenwurm über Maus und Frosch bis zum Aas, kommt er in hiesigen Breitengraden auch winters gut über die Runden.

Das beringte Storchenmännchen, das in vergangenen Jahren auf dem Horst beim grossen Kreisel neben dem Neeracherried für Nachwuchs gesorgt hat, sei einer dieser sesshaften Störche, erklärt der Biologe Stefan Heller, der Leiter des Birdlife-Naturzentrums Neeracherried. Dass aber die Störche ihre Horste schon im tiefsten Winter besetzen, sei «doch sehr speziell», sagt Heller und ergänzt: «Schon vor Weihnachten habe ich ein Storchenpaar auf dem Horst neben dem grossen Kreisel beobachtet.»

In den letzten Tagen waren sowohl das Nest im Neeracherried als auch jenes auf dem Steinmaurer Kirchturm zeitweise von Storchpaaren besetzt. Sobald es wärmere Tage gebe, würden die Tiere von ihren Hormonen gesteuert, erklärt der Biologe. Zu Begattungen komme es so früh jedoch nicht. Vielmehr gehe es darum, eventuell anwesenden Konkurrenten zu zeigen, dass das Nest bereits vergeben sei. «Allerdings konnten auch schon im Februar Paarungen beobachtet werden», sagt Heller. Das sei extrem früh, denn gewöhnlicherweise kopulieren die Weissstörche frühestens Ende März, Anfang April das erste Mal. In dieser Zeit, in welcher die Vögel aus ihren Wintergebieten zurückkehren, gebe es auch Konflikte um die Nester. Dies umso mehr, als die Storchenpopulation seit Jahren wieder am Wachsen ist.

Störche gezählt

Sollte es in nächster Zeit zu Kälteeinbrüchen kommen, dürfte sich bei Meister Adebar der Familiensinn wieder verfliegen. Statt Horste für den Nachwuchs zu besetzen, sorgen sie sich dann wieder vermehrt um sich selbst.

Vergangenen Samstag hat die Gesellschaft Storch Schweiz mit Helferinnen und Helfern von 15.30 Uhr bis zur Dämmerung ihre zweite Storchenzählung des Winters durchgeführt. «Damit kann die Veränderung des Zugverhaltens erkannt und wichtige Gebiete identifiziert werden», teilt die Organisation auf ihrer Website storch-schweiz.ch mit. Die Resultate der Zählung liegen noch nicht vor.

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