Rümlang

Über Fluch und Segen der Digitalisierung

Branchen, die vor 20 Jahren noch nicht viel mit der Digitalisierung zu tun hatten, stecken heute viel Aufwand in die moderne ­Vernetzung. Der Digit Summit in Rümlang ging der Frage nach, ob dies nicht manchmal des Guten zu viel ist.

Ein selbst fahrendes Auto gibt es nicht ohne Big Data, aber auch nicht ganz ohne menschliches Zutun.

Ein selbst fahrendes Auto gibt es nicht ohne Big Data, aber auch nicht ganz ohne menschliches Zutun. Bild: Keystone

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An einem Gipfeltreffen über Digitalisierung erwartet man «Nerds» – Technologiebegeisterte, die es kaum erwarten können, bis ihre Kaffeemaschine mit dem Internet verbunden ist und ihr Auto selber fährt, während sie an Videokonferenzen teilnehmen. 140 Teilnehmer aus diversen Branchen setzten sich mit futuristisch anmutenden Konzepten auseinander. Ein Auto, das wie von Geisterhand gesteuert selber einparkiert, löste durch und durch Begeisterung aus. Vor allem am Schluss der Veranstaltung machte sich aber auch Ernüchterung breit: Die Technologie löst viele Probleme, schafft aber genauso viele neue.

Märkte verschieben sich

Unternehmen, die vor 20 Jahren noch nichts mit der Digitalisierung am Hut hatten, stecken zunehmend Ressourcen in Big Data, Social Media und Co. Das war auch bei der Safos AG so. Die Sicherheitsfirma arbeitet an Türen, die erkennen, wer durch sie hin­eintritt. «Wer nicht stehen bleiben will, muss mitziehen», sagt CEO und Verwaltungsrat Thomas Kläy an der Podiumsdiskussion. Der gelernte Metallbauschlosser sagt aber auch, dass es schon ab und zu einen Daniel Düsentrieb brauche, um innovative Produkte zu entwickeln.

Einig waren sich die Referenten vor allem in einem Punkt: Die Entwicklung geht rasend schnell, und die Wirtschaft und mit ihr die Gesellschaft sind mittendrin im digitalen Umbruch.

Das Erheben und Auswerten von Datenmengen, zu englisch Big Data, habe ganze Branchen verändert, sagt Moderator Tobias Müller, der das SRF-Wissens­magazin «Einstein» moderiert. «Wird der Markt durch die Digitalisierung grösser?», fragt er. Dies verneinten die vier Podi­umsteilnehmer verschiedener Branchen. «Der Markt verlagert sich», sagte Mario Thomann, CEO eines Medizinaltechnik-Unternehmens. Als Beispiele nannte er Smartphone-Apps und -Bezahllösungen, die den Banken den Markt abgraben.

Im Abschlussreferat wies Stephan Sigrist vom Thinktank ­Wire darauf hin, dass Big Data nur bis zu einem gewissen Punkt etwas bringe. «Ist dieser überschritten, geht der Nutzen zurück, und der Aufwand lohnt sich nicht mehr.» Er riet den Unternehmen, nicht jeden Hype mitzumachen und kritisch zu bleiben. Schliesslich solle durch den Zeitgewinn im Alltag mehr Zeit für Sinnvolles frei werden.

Erstellt: 07.07.2016, 20:53 Uhr

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