Schleinikon/Karibik

Unterländerin hilft in der Karibik

Der Hurrikan Irma hat die Karibikinsel Saint-Martin zu einem grossen Teil zerstört. Arlette Wyss aus Schleinikon hat nun einen Hilfskonvoi initiiert, um den Betroffenen zu helfen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Tod und Zerstörung brachte Hurrikan Irma auf die Karibikinsel Saint-Martin. Rund zehn Tage nach dem verheerenden Sturm präsentiert sich die Situation noch immer apokalyptisch. «Kein Wasser, kein Telefon, praktisch kein elektrischer Strom, nur noch eine Handvoll fahrtüchtiger Boote», beschreibt Arlette Wyss die Situation in Marigot, dem Hauptort der französischen Gebietskörperschaft Saint-Martin. «Mindestens jedes zweite Haus fehlt», erzählt sie am Telefon, «jedes Geschäft wurde ausgeraubt.»

Während der französische Teil wie ausgestorben erscheint, sieht die Situation im niederländischen Teil bereits etwas besser aus. «Die Menschen sind mit Aufräumen und dem Wiederaufbau beschäftigt», erklärt Wyss. Die Zerstörung sei aber nach wie vor überall sichtbar. Von Normalität könne keine Rede sein.

Arlette Wyss ist 26. Sie stammt ursprünglich aus Schleinikon, wo heute noch ihre Eltern leben, die den Hilfseinsatz ihrer Tochter von der Schweiz aus unter­stützen. Wyss selbst hat ihren Lebens­mittelpunkt vor sechs Jahren in die Karibik verlegt. Zuerst war sie als Crewmitglied und Tauchinstruktorin tätig, seit April ist sie Kapitänin des Katamarans Belline II. «Die Belline II ist ein Charterboot, das Touristen mieten können, um sich die schönsten Plätze der Karibik zeigen zu lassen», führt Wyss aus. An diese unbeschwerte Arbeit sei momentan aber nicht mehr zu denken.

Von Irma verschont geblieben

Wyss selbst war während des Hurrikans Irma auf den Grenadinen. Dort habe sie nicht viel von der Zerstörungskraft des Jahrhundertsturms mitbekommen. «Wir hatten einen sternenklaren Himmel», erinnert sie sich. Auf der nur 450 nautische Meilen – rund 830 Kilometer – entfernten Insel Saint-Martin schlug Irma jedoch erbarmungslos zu.

Am Tag, nachdem Irma über Saint-Martin hinweggefegt ist, segelte Wyss mit ihrer Crew – darunter auch ein Bewohner von Saint- Martin – und etwa 20 anderen Privatbooten von den Grenadinen nach Martinique. Dort ­organisierte sie andere Helfer und Boote. Sie tätigten Einkäufe, richteten ein Spendenkonto ein. «4000 Franken gingen bei der ersten Sammlung ein», sagt Wyss. Damit tätigten sie ihre Einkäufe.

Mitten in der Nacht wurde das Boot beladen. «Mit rund 1000 ­Liter Trinkwasser, Esswaren wie Pasta, Reis und Dosen, Seife, Shampoo, Babywindeln und 400 Liter Benzin stachen wir in See», sagt Wyss. Treibstoff sei wichtig, da der Bezug streng limitiert ist. Insgesamt wog die Ladung rund drei Tonnen. Was sie auf Saint-Martin antreffen und ob sie überhaupt auf die Insel gelassen würden, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Küstenwache bietet Schutz

Weil Gerüchte über Plünderungen und Kriminalität auf der zerstörten Insel die Runde machten, ankerten sie zur Sicherheit weit draussen. Auf Saint-Martin herrschte Ausgangssperre, die Küstenwache patrouillierte. Am ersten Abend erreichte die Crew die Insel mit dem Beiboot. Die Crew traf dabei auf eine Frau, die aus dem Fenster kletterte, zitterte und weinte. Sie habe zwei Babys, erzählte sie und brauche Hilfe.

Die Segler fuhren zu ihrem Boot zurück, um Esswaren und mehr zu holen. Glücklicherweise habe man der niederländischen Küstenwache klarmachen können, dass sie nur helfen wollten, erzählt Wyss. Unter dem Schutz der Küstenwache hätten sie ihre Arbeit weiterführen können. Sie verteilten ihre Fracht an die Menschen auf der Insel – Freunde, ­Bekannte und Unbekannte.

Nach fünf Tagen mussten sie aber fliehen. Der nächste Sturm – Hurrikan Maria – schickte bereits seine Vorboten voraus. Bei der Überfahrt nach St. Lucia ist eine Want, eine Stange zur seitlichen Verspannung des Masts, gebrochen. Dennoch erreichte man quasi in letzter Sekunde den sicheren Hafen.

Seit Samstag harrt Wyss nun mit ihrer Crew in St. Lucia aus. Alle warten, bis Maria vorüber­gezogen und der Katamaran ­geflickt ist. Spätestens am Freitag will die Unterländerin mit dem zweiten Hilfskonvoi erneut Saint-Martin ansteuern. «Hierzu sind wir aber auch auf Spenden aus der Schweiz angewiesen», sagt Wyss.

Gefragt seien auf der zerstörten Insel neben Benzin, Trinkwasser und Lebensmitteln auch Blachen, um die Häuser notdürftig abzudecken, und Werkzeug. Welche Zerstörung Hurrikan Maria auf Saint-Martin an­gerichtet hat, wird Wyss erst nach der 36-stündigen Bootsfahrt ­sehen können.

Erstellt: 20.09.2017, 10:20 Uhr

Arlette Wyss: «Unter dem Schutz der Küstenwache konnten wir unsere Arbeit weiterführen.»

Infobox

Arlette Wyssberichtet auf Facebook über ihren Hilfseinsatz für Saint-Martin. Unter www.facebook.com/arlette.wyyss sind diverse Einträge zur aktuellen Situation zu finden. Auch das Spendenkonto ist dort ­angegeben.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben