Glattfelden

Strampler schinden sich durch den Schnee

Über Schnee, Kies und Steine strampeln sich die Teilnehmer der «Tortour» während dreier Tage ab. Wieso nur?

Über Stock und Stein: Während dreier Tage fahren die Teilnehmer der «Tortour Gravel» 180 Kilometer auf unebenem Gelände ab.

Über Stock und Stein: Während dreier Tage fahren die Teilnehmer der «Tortour Gravel» 180 Kilometer auf unebenem Gelände ab. Bild: PD

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Es gibt Velorennen für Berufsathleten, Ambitionierte oder Amateure. Und dann gibt es Rennen, die sind für leicht verrückte Fahrradfanatiker. Rennen, die Bewegungsscheuen bereits mit den Kilometerzahlen Muskelkater verursachen und mit den Höhenmetern vollends zum Einen bringen. Die «Tortour» ist so ein Rennen. Von Freitag bis Sonntag legen die Sportler 180 Kilometer und 2750 Höhenmeter zurück in der Region um Glattfelden, durchs Weinland und den Rhein hoch. Mario Klaus ist OK-Präsident des Rennens und hat auch selber schon mitgemacht.

Dumme Frage: Ist es echt so anstrengend, wie es klingt?
Mario Klaus: Ich bin letzte Woche eine Etappe abgefahren, und es ist echt knallhart. Die zweite Etappe ist die härteste. Die sanften Hügel des Zürcher Unterlandes sind eben doch nicht ganz so sanft. Oberhalb von rund 600 Metern über Meer liegt momentan Schnee.

Das klingt jetzt eher nach einem Grund, um nicht teilzunehmen.
Ach was. Wenn wir schon mal Schnee haben, dann geniessen wir das auch. Ausserdem ist aktuell gerade Hochsaison für Forstarbeiten, ein paar Pfade im Schnee findet man also schon. Und wenn nicht, dann muss man das Velo halt kurz stossen.

Das ist dann Teil des Erlebnisses ...
Der eine oder andere wird uns im Ziel wieder sagen, wir seien nicht ganz «putzt». Aber genau über das redet man ja auch später noch jahrelang!

Braucht man also Velos mit Schneeketten oder so was? Oder sonst besondere Ausrüstung?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder kann man mit dem Radquervelo starten, einem für diesen Zweck ausgerüsteten Rennvelo. Oder mit dem Mountainbike. Mit dem Radquervelo ist man schneller unterwegs, wenn die Wege gut sind. Eigentlich ist es ein Gravel-Rennen, also wäre das Radquervelo angebracht, aber man kann auch mit dem Mountainbike mitmachen. Wir sind da nicht so strikt.

Und wie soll man sich sonst noch so vorbereiten?
Im Winter sind vor allem Getränke und Verpflegung wichtig. Wenn es so kalt ist, dann ist man nicht so durstig und vergisst zu trinken. Bei den Distanzen, die wir dann zurücklegen, hat man sonst am Abend schon ein wenig einen brummenden Kopf. Es ist eigentlich wie im Sommer: Essen, Trinken und adäquate Kleidung. Das, was der aktive Velofahrer sowieso im Schrank hat.

Haben Sie einen Essensgeheimtipp?
Es geht vor allem ums Trinken, da muss ein Bidon weg pro Stunde.

Wow …
Ja, deswegen haben wir auch zwei Verpflegungsstände, damit man wieder auffüllen kann. Beim Essen ist es so, dass wir an den Stationen auch Suppe haben, also etwas Warmes. Und sonst geht es schon Richtung Energieriegel. Also keine Proteine, sondern Kohlenhydrate.

Ganz ehrlich: Tiefschnee, Velo stossen, kaltes Wetter und unzählige Kilometer. Wer hat denn daran noch Spass?
Das sind überwiegend Leute, die das ganze Jahr über mit dem Fahrrad unterwegs sind. Sie sind aktiv und wollen sich ihre Form über den Winter auch behalten. Es gibt Leute mit Ambitionen. Aber auch Leute, die einfach dieses Abenteuer einmal erleben wollen. Ein spezielles Wochenende mitmachen, das nicht jeder mitmacht.

Also nicht nur etwas für Halbprofis?
Nein, wir warten auch auf den Letzten, der noch ins Ziel kommt. Es ist ein Breitensportanlass. Da sind ganz viele verschiedene Leute dabei mit ganz verschiedenen Niveaus. Gerade im Winter sind nicht alle gleich fit, weil nicht alle gleich hart im Winter trainieren.

Haben Sie einen Tipp für halb gut trainierte Athleten?
Ja, nicht von Anfang an zu schnell. Wenn man nach drei Kilometern schon saure Beine hat, dann wird es hart. Und dann versuchen, in einen Rhythmus reinzukommen. Und Spass haben ist wichtig, es geht ja nicht nur um die Leistung.

Vielleicht auch einen guten Partner mitnehmen, es gibt ja auch Zweierteams.
Ja, dann kann man immer zusammen fahren und sich gegenseitig ein bisschen motivieren.

Leidensgenossen … Hasst man sich nicht ein bisschen während des Rennens?
Sicher nicht! Man hasst eher die Steigung, wenn am Ende der Kraft der Berg noch nicht fertig ist. Dann muss man sich durchbeissen. Aber das muss jeder. Und das kann man am Abend dann Revue passieren lassen.

Das heisst, die Teilnehmer schimpfen über die Strecke?
Wir hören schon manchmal, diesen letzten Hügel, den hätte es nicht mehr gebraucht. Aber über genau diesen Hügel redet man dann im Nachhinein.

Es soll ja auch eine Tortur sein.
Ja, das bleibt dann trotz allem in guter Erinnerung.

Erstellt: 09.02.2019, 07:42 Uhr

Über Schnee, Kies und Steine strampeln sich die Teilnehmer der «Tortour» während dreier Tage ab. (Video: David Gonzalez)

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